menschen formen
Materialien zu einer Kulturanthropologie neuen Zuschnitts

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Wintersemester 2005 / 2006

| Büro Manteuffelstraße 20 | Humboldt Universität | Freie Universität |


BÜRO MANTEUFFELSTRASSE 20

menschen formen. Colloquium
Mi., 18.30 Uhr, wöchentlich

Das Colloquium menschen formen widmet sich in einer Art Revision Texten, die in vielfältigen Weisen Deanthropologisierung zum Thema haben. Leitfaden sind die Texte Kittlers, der in seiner Medientechniktheorie eine besondere Art der Entsubjektivierung und des methodischen Ahumanismus entwickelt hat. Das Themensyndrom soll durch Texte der Gruppe/ des Seminars sowie durch weitere Autoren interpunktiert werden - sei es als Kontrast, sei es komplementär. Ziel ist der kritische Gang durch ein theoretisches Feld, das sich kondensiert und damit kritische Aufmerksamkeit eingebüßt hat. Ziel ist zugleich, ex negativo die Implikationen der Arbeitsgruppe menschen formen in den Blick zu bekommen.

Anachronismus Mensch?
Projekte der Deanthropologisierung (unter besonderer berücksichtigung von Friedrich Kittler)
interpunktiert im Wochenrhythmus durch eigene Texte und solche von Anders, Virilio, Butler, Derrida, Foucault, Sloterdijk, Reck, Kamper u. a.

19. 10. Kittler I, Optische Medien, Berlin 2002, p7-47
26. 10. Interpunktion: Paul Virilio, Krieg und Kino. Logistik der Wahrnehmung, München 1986, p19-54
2. 11. Kittler II, Optische Medien, a.a.O.
9. 11. Interpunktion: Georg Christoph Tholen, Platzverweis. Unmögliche Zwischenspiele von Mensch und Maschine, in: fragmente, Heft 35-36/1991, p185-200
16. 11. Kittler, Konturen einer Medienwissenschaft, in: Vom Chaos zur Endophysik. Wissenschaftler im Gespräch, hg. von Florian Rötzer, München 1994, p319-333
23. 11. Interpunktion: Hans Ulrich Reck, Der Betrachter als Produzent? Zur Kunst der Rezeption im Zeitalter technischer Medien, in: Wolfgang Welsch/Christine Pries (Hg.), Ästhetik im Widerstreit. Interventionen zum Werk von Jean-François Lyotard, Weinheim 1991, p129-142
30. 11. Kittler, Signal - Rausch - Abstand, in: Hans Ulrich Gumbrecht/K. Ludwig Pfeiffer (Hg.): Materialität der Kommunikation, FFM 1988, p342-359
7. 12. Interpunktion: Dietmar Kamper, Der Januskopf der Medien. Ästhetisierung der Wirklichkeit, Entrüstung der Sinne, in: Florian Rötzer (Hg.): Digitaler Schein, FFM 1991, p93-99
14. 12. Kittler, Es gibt keine Software, in: Hans Ulrich Gumbrecht/K.Ludwig Pfeiffer (Hg.): Schrift, München 1993, p367-378
4. 1. Interpunktion: Vortrag Till Nikolaus von Heiseler zu Medien/Formatwissenschaft
11. 1. Kittler/Dotzler, Intelligence Service. Schriften von Alan M. Turing, darin: Nachwort, p211-233, Berlin 1987
18. 1. Interpunktion: Text Hans Peter Weber "Neue Repräsentation" inklusive Vortrag
25. 1. Dirk Baecker, Die Kybernetik unter den Menschen, in: Peter Fuchs/Andreas Göbel (Hg.), Der Mensch - das Medium der Gesellschaft?, FFM 1994, p57-71
1. 2. Interpunktion: David: Luhmann, "Die Soziologie und der Mensch" (in Soziologisch Aufklärung 6, p265-274) plus Vortrag/Kommentar
8. 2. Elke: Mensch aus dekonstruktivistischer Sicht (Derrida, Butler)
15. 2. offen

Worte & Laufbilder
jeden ersten Freitag des Monats, 21 Uhr, und Sondertermine nach Ankündigung

Der Luhmannring
Mo., ab 19.00 Uhr

"Die Wissenschaft der Gesellschaft"
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Kontakt: David Kaldewey

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HUMBOLDT-UNIVERSITÄT, KULTURWISSENSCHAFTLICHES SEMINAR

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FREIE UNIVERSITÄT BERLIN, INSTITUT FÜR SOZIOLOGIE

Bernd Ternes
15702 HS Stehender Sturm, rasender Stillstand. Radikale Beschreibungen von Geschichte und Moderne
Montag, 16-18 Uhr, Raum 302a, Beginn: 17.10.05

In diesem Lektüre-Kurs geht es um zwei radikale Beschreibungen der historischen Entwicklung der modernen Gesellschaft, und zwar um Wolfgang Kaempfers "Der stehende Sturm. Zur Dynamik gesellschaftlicher Selbstauflösung" (Berlin 2005), und um Paul Virilios "Rasender Stillstand" (dt., München 1992). Gesellschafts-, Telekommunikations- und Kapitalismuskritik kommen in diesen beiden Büchern, so die These, zu sich.

Bernd Ternes
15704 HS Offene Gesellschaft, offenes Kunstwerk.
Montag, 18-20 Uhr, Raum 302b, Beginn: 17.10.05

Daß die offene Gesellschaft ihre Feinde braucht, um als offene propagiert werden zu können; daß Kunst der Autonomie bedarf, um als „fortschrittliche Kunst“ zu gelten: das sind Auffassungen einer Moderne, die zunehmend ihre historische Relevanz verlieren. Wie gestaltet sich der Kontingenzwert „Identität“ für Gesellschaft, wenn die Konstruktion von Feinden nicht mehr funktioniert? Wie gestaltet sich das gegenwärtige Kunstschaffen, wenn die Konstruktion einer „autonomen Sphäre“ namens Kunst historisch obsolet wird? Ist das Attribut der Offenheit überhaupt angemessen für die Beschreibung von Gesellschaft und Kunst?
Geklärt werden sollen die Hintergründe und Kontexte der Konzeptionen 'offene Gesellschaft' und 'offenes Kunstwerk'. Das Seminar fragt, ob die Begriffe Gesellschaft und Kunst weiterhin als Kandidaten zur Verfügung stehen, um das Projekt einer exzentrisch positionalen Offenheit „des Menschen“ zu befördern. Literatur zu Beginn. Bis dahin: Umberto Eco, Das offene Kunstwerk; Sir Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.

Bernd Ternes, Till Nikolaus von Heiseler, Manuel Bonik, Mic Mikina, Alex Arteaga
15716 Internetcolloquium: Toward an Integral Theory of Media IV: Medientheatralik und operative Vernunft (Medien in Theorie und Praxis). Anmeldung unter www.wmg-seminar.de (kein Raum)

Das Colloquium behandet die Frage, inwieweit Medientheorie helfen könnte, heutige Gesellschaft zu beschreiben und aktive Instrumente der Exploration und Intervention zu entwickeln. Das Colloquium ist mit der Internetplattform Diskurs: M.E.D.I.E.N. und dem formatLabor-Medientheater am TESLA verbunden und soll Studenten berlin-brandenburgischer Universitäten die Möglichkeit zur Projektarbeit und zum fächerübergreifenden Diskurs bieten. Es umfaßt einen theoretischen und einen praktischen Teil. Der theoretische Teil konzentriert sich auf medienepistemologische Fragen einerseits in der Dimension der Theatralik medialer Oberflächen,und andererseits in der Dimension der basalen Operativität des Codes. Ergebnisse oder Zwischenergebnisse der Projektarbeit werden in freien Radios, auf der Internetplattform, in Clubs und in Aufführungen und Installationen im formatLabor-Medientheater am Tesla gezeigt. An den einmal im Monat stattfindenden medientheatralischen Aufführungen am Tesla im Podewils'schen Palais können die Studenten mitarbeiten und auch in eigens dafür eingerichteten Programmslots ihre künstlerischen oder wissenschaftlichen Arbeiten zeigen. Fast alle akademischen Formate können in der Regel mit Hilfe der von uns entwickelten Methoden in Zusammenarbeit mit Künstlern und Kunststudenten in eine Form gebracht werden, die es ermöglicht, daß die Leistung des jeweiligen Studenten Teil eines professionellen oder experimentellen Projekts wird, das nach den Möglichkeiten eines wissenschaftlich-künstlerischen Crossovers fragt.

Hans Peter Weber
15 705 HS Musikanthropologie
Dienstag, 16-18 Uhr, Raum 301, Beginn: 18.1005
Seminarplan und Literaturliste (pdf)

Was ist Musik ? Worum willen erzeugt 'man' (alle Völker, alle Kulturen) rsp. hört 'man' Musik?
Was organisiert Musik in der 'Natur' der Menschen und in der Organisation des Sozialen / Zivilisatorischen?
In welcher Weise ist mit der 'Historisation' des sozialen Faktums 'Musik' zu rechnen, d.h. mit seiner 'Ent-Wicklung' unter dem Druck des evolutionären Zivilisationsprozesses? Inwieweit ist demnach Musik-Bewegung auf Erden a. historisch und b. experimentell (und die Musikanthropologie selbst eine 'historische' und 'experimentelle')?
Musikanthropologische Denkweisen: bevorzugte Opposition: Geistes-Kultur der Musik vs. Körper-Kultur. Typisch:
Adornos “Philosophie der neuen Musik“ (oder die „Ästhetische Theorie“, u.a.) versus körper- kulturell ausgelegte Theorie; cf. Marcel Dobberstein, Musik und Mensch. Grundlegung einer Anthropologie der Musik, Berlin 2000 (Schule der 'Hist. Anthropologie' / D. Kampers 'Körper-zentrierung' und die Sinnen-Präferenz vom „Hören“: „das Ohr“; dazu die Variante von der ggw. ausgerufenen „performativen Kultur“ in der Theater- u. Musik-Anthropologie).
Ferne Variante: die 'sinnen'-zentrierte Ästhetik (typisch: Rudolf zur Lippe, Sinnenbewußtsein. Grundlegung einer anthropologischen Ästhetik, Reinbek 1987). Gegenteil: die religiös-spirituell (:spiritistisch) ausgelegte Ästhetik (typisch: J.E.Berendt, Nada Brahma, Vom Hören der Welt, Frankfurt 1983).

Der Streit geht um die Lokalisation und die Natur des 'Musik-Ereignisses' in der conditio humana (alias Menschen-Natur): ist dies eine Ereignis der 'Affekte' ? Oder der 'Gefühle'? oder 'des Geistes'? Oder der 'Sinne' ('Empfinden')? Oder der (meta-physischen) ' Übersinnlichkeit'? Oder des 'reinen Willens'? Oder der Zellen (Organon des 'Begehrens')?
A parte: der Streit geht in die neueren neuro-naturwissenschaftlichen Untersuchungen ein (cf. Robert Jourdain, Das wohltemperierte Gehirn. Wie Musik im Kopf entsteht und wirkt, Heidelberg/Berlin 2001; Manfred Spitzer, Musik im Kopf, Stuttgart etc. 2003; Gerold Baier, Tanz in Körper und Gehirn, Reinbek 2001; DER SPIEGEL Nr. 31 / 2003: Musik, Die Mathematik der Gefühle; u.a.m.)
Zusätzlich entsteht die Frage nach der 'semiotischen' Natur der Musik: ist sie eine 'Sprache'? Ist sie etwas 'Somatisches' ('Körper-zentrierung').Ist sie etwas 'Libidinöses' (in diversen psychoanalytischen Theorie- Zuschnitten)? Ist sie etwas 'Übersinnliches' (im religiös-projektiven Sinne), gar etwas 'Kosmisches' (eine 'kosmische' Operation selbst)? Ist sie etwas 'Affektives' und - gleich miteingepackt – 'Irrationales' (bei gleichwohl evtl. 'rationalen Grundlagen' / ihre vermeintliche 'Mathematizität' u. dgl.)?
Kritisch wird auch die Frage nach der vermeintlichen 'Einheit' rsp. Einheitlichkeit von 'Musik' angegangen : gibt es eine einzige Kultur/Natur der Musik? Oder ist 'Musik' in viele, z.T. widerstreitende Kulturen (rsp. Unkulturen) zerfallen: die affektive Musik, die animatorische Musik, die rigorose und/oder absolute Musik; die ernsthafte (und: existenzielle) gegen die 'unterhaltende' (und: zerstreuende, gar die 'zynische')? Etc. pp.
Diese Frage kann auch historisch gestellt werden: Verwandtschaften der existenziellen Musik-Kulturen kommen in Betracht, ebenso wie Parallelen des eher 'dispersierenden', trivalisierten Musikgebrauchs ('Unkulturen').
So wird – zu allen Zeiten - aus dem Streit um die Qualität der Musik auch ein Streit um die - gehörige (!) – conditio humana, um die Bildung rsp. Verfassung der menschlichen kulturellen Natur und ihres sozialen environment.
[Mit Robert Musil gefragt: „Gibt es dumme Musik“? (und die Antwort muss im Kontext seiner – genialen – Theorie der „Dummheit“ gelesen werden: R.Musil, Über die Dummheit. In: Essays und Reden. Kritik, Reinbek 1983, S.1270ff)].

In diesen Streit kann auch heute noch eingreifen, wer will, - so er ['etwas'] kann, - was diesen Streit in neue, ungewohnte Erfahrungs- und Betrachtungsweisen lenkt, welche höhere Plausibilität erzeugen. Um der 'Musie', d.h. der kreatürlichen Musizität/ Kulturität des Menschen, um seiner 'Gratifikation' willen.
Neue Schulen / Inventionen sind gefordert: nju skuls...

PS.: Die Auflistung dieser 'Blöcke' beansprucht weder Vollständigkeit noch besonderen Scharfsinn . Es handelt sich um einen 'Vorschlag zur Güte' (sagen wir mal: man kann es so machen, wenn man es 'nicht schlecht' machen will...)

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