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1. Kurze
Einleitung. Eine In-Frage-Stellung
Die Frage der
Übertragung, der Metapher - in ihrer wörtlichen Übersetzung -, läßt
sich nicht beantworten, ohne zuvor die Abgrenzung der Bereiche,
zwischen denen die Übertragung geschieht, in Frage zu stellen. So
gestellt, führt die Frage also zur Unterscheidung/Trennung, die
vorerst nicht neu eingezogen werden soll, sondern als solche befragt
werden muss.
Steht damit
aber auch die Metapher in Frage, steht sie zur Disposition, gerät
man in Schwierigkeiten, die uns im Verfolgen der vor uns liegenden
Arbeit begleiten werden. Stellen wir das Thema der oder die Frage
nach der Metapher auf, bekommen wir Probleme mit der Metapher, wie
sich zeigen wird. Die Frage nach der Abgrenzung wird uns an die
Grenzen führen, diese wiederum werden sich in unserer Behandlung
einkehren und neu aufgestellt. Im Zuge der Bewegung, bei der uns
die Metapher und die Abgrenzungen (und ihre Befragung) leiten, werden
wir auf die ›Spur‹, den ›Umweg‹, und immer wieder auf den Ausgangspunkt
kommen, der die Metapher und die Grenzen befragt.
Zu entscheiden,
was mit der Metapher (der Grenze) geschieht… - sicherlich ist dies
ein schwieriges Unterfangen. Vorerst muß diese Frage offen gehalten
werden, d.h. sie ist gestellt. Eine in Problematik dieser Arbeit
einleitende Formulierung Jacques Derridas trägt die Überschrift
»Plus de métaphore«. Ins Deutsche ›übersetzt‹ ergibt sich
darin ein Moment der Uneindeutigkeit: »Schluß mit der Metapher
- mehr Metapher« [1], die damit den Ort markiert, an dem die
Metaphorizität sich zwischen einer Unabdingbarkeit und einer Unbestimmbarkeit
ereignet.
Doch bewegen
wir uns schon in das Feld der Metapher hinein…
2. Die Frage
(nach) der Metapher
Die Figur der
Metapher wird herkömmlich bestimmt in ihrer Funktion, einen Ausdruck
aus einem Bereich, in dem dieses Wort einen ›eigentlichen‹ Sinn
hat, in einen anderen Bereich zu übertragen, in dem (in dessen Kontext)
der Ausdruck als ›uneigentlicher‹, ›figurativer‹ zu gelten hat.
Die Metapher findet demzufolge dann Verwendung, wenn etwas schwer
Verständliches, etwas Intelligibles oder etwas Unbekanntes bezeichnet
werden soll, jedoch durch das Einsetzen eines oder das Ersetzen
mit einem vorstellbaren, anschaulichen oder sinnlichen Ausdruck,
der aus dem Bereich seiner ›eigentlichen‹ Bedeutung in einen anderen
Bereich übertragen wird, in dem ihm sein ›eigentlicher‹ Sinn nicht
zur Verfügung stehen soll. Dort ist dann die Bedeutung des metaphorischen
Wortes nichts außer einer - über eine Analogie oder einen verstandesmäßigen
Vergleich hergestellten - Ersatzfunktion, die einzig die Übertragung
markieren und die Vorstellungskraft auf den sinnlichen Ausdruck
lenken soll. Dabei gilt eben auch, daß eine Metapher dann gut eingesetzt
ist, wenn sie als solche zu erkennen ist und eine stimmige Anschauung
dort erlaubt, wo sie in einem anderen als ihrem ›eigenen‹ Sinn Bedeutung
erhält. Die Metapher hat gewöhnlich »zum Zweck, uns auf dem Umweg
dessen, was wir als vetraut wiedererkennen, den Zugang zu Unbekanntem
und Unbestimmten zu eröffnen«.[2]
Diese Konzeption
der Metapher beruht auf einer klaren Trennung: einerseits der Unterscheidung
der Bereiche, mit der die ›eigentliche‹ Herkunft des - am neuen
Ort ›uneigentlichen‹ - Ausdrucks klar abgetrennt werden kann. Wird
eine Metapher in bspw. einer philosophischen Aussage verwendet,
so gibt es Kategorien oder eine Taxonomie, die je nach entsprechendem
Bereich die Metapher als biologische, mechanische usw. klassifiziert.
Andererseits wird es mit dieser ersten Trennung in diverse aber
stets ›eigene‹ Bereiche erdorderlich, ihr eine zweite vorausgehen
zu lassen, die binär unterteilt zwischen dem ›eigentlichen‹, ›wahr(haftig)en‹
Sinn und dem ›Uneigentlichen‹, das fehlplaziert ist, das sich nicht
mehr in seinem eigenen Bereich befindet. Denn mithinein in diese
Konzeption der Metapher spielt, daß sie an die Stelle eines anderen
(unüblichen) Kontextes tritt, für den jedoch jederzeit ein anderes,
dem Kontext ›eigenes‹ und ›eigentliches‹ Wort, eben ein präziser
Begriff gefunden werden können soll. Oder mit anderen Worten: es
entspricht der herkömmlichen Definition, daß die Übertragung prinzipiell
rückgängig gemacht werden kann, da sie nur einen ›uneigentlichen‹
- und gleichsam deplazierten - Sinn annimmt. Die Metapher erhält
diesen ihren Sinn (nach der herkömmlichen Bestimmung) jedoch erst,
wenn sie dem ›wahren‹ Sinn des ›eigenen‹ und ›richtigen‹ Kontextes
entgegengesetzt wird, dabei sind beide Sinnformen für diese Unterscheidung
›eigens‹ konstituiert. Mit diesem Bild der Metapher liegt es dann
nicht fern, zu glauben, eine Sprache, in die Metaphern und Rhetorik
Eingang finden, als ›uneigentliche‹ Sprache, gar als Betrug und
Täuschung zu identifizieren.
Doch erscheint
die Metapher in dieser Hinsicht äußerst fragwürdig. Ist mit (diesem
Begriff) der Metapher noch ein Denken, ein Erkennen oder ein Wahrnehmen
dessen, was passiert, möglich? Ist nicht vielmehr davon auszugehen,
daß eine Konzeption der Metapher, die mit dem Modell der Abgrenzbarkeit
bezeichenbarer Einheiten arbeitet und auf einem binären Denkbild
beruht, an ihr Ende kommt? Ist anzunehmen, daß eine Konzeption,
die feststehende Einheiten und Grenzen einzuziehen bestimmt ist,
die diese Einzeichnung in die Welt oder in das Leben unter dem Leitbild
der Wahrheit vollzieht, an sich selbst scheitern muß, da sie mit
dem, was sie selbst an Differenzen (und Indifferenzen) produziert,
nicht mehr Schritt halten kann? Und scheitert sie nicht auch daran,
eine binäre Logik zu ihrem Modell gemacht zu haben, die eine vorausgehende
Einheit vortäuscht, die nie gegeben war und die sich auch nicht
mehr finden läßt - in Zeiten, die als immer weiter differenziert/differenzierend
und doch gleichsam zunehmend indifferent beschrieben werden?
Wovon ist also
zu sprechen? Von einem Prozeß einer Differenzierung (Unterscheidung)
und Indifferenzierung (Ununterschiedenheit oder Unentscheidbarkeit)?[3]
Ist es eine Frage nach dem, was geschieht? Und was geschieht dann
mit der Metapher?
Was läßt sich
über die Metapher sagen? - »Ich versuche, von der Metapher
zu sprechen, etwas im eigentlichen oder buchstäblichen Sinn über
sie zu sagen, sie wie mein Thema zu behandeln (traiter),
aber ich werde, wenn man so sagen darf, von ihr gezwungen, über
sie nach ihrer eigenen Art more metaphorico zu sprechen«.[4]
Nur nach Art der Metapher (more metaphorico) läßt sich etwas
über die oder von der Metapher sagen, oder anders: es ließe sich
nicht über sie verhandeln, sie wäre nicht der uns entgegenzustellende
Gegenstand, wenn sie nicht auch in ihrem Behandeln das Metaphorische
wiedereinführt, denn sie ist auch und zugleich Methode -
die Metapher ist beides zugleich.[5] Und dieses zugleich
der Metapher wird von etwas angeführt, was es gleichzeitig mit sich
führt. Es ist etwas, das in dem oben stehenden Satz Jacques Derridas
dem Wort des Zwangs zu entnehmen ist: daß die Metapher einen Druck
ausübt; daß von ihr womöglich nicht zu sprechen ist als einem Werkzeug,
von dem man meint, man könne sich dessen bedienen (nach freiem Willen
etc.). Angezeigt ist stattdessen, daß man vielmehr durch die Metapher
spricht (und zwar verstanden in einem sich doppelnden Sinne: die
Metapher zwingt und zugleich zwängt man sich durch die Metapher).
Dieser Umstand wird später aufzugreifen sein, ich will jedoch bei
der von Derrida angeführten Unumgänglichkeit der Metapher erneut
einsteigen: »Ich kann sie [die Metapher] nicht behandeln (en
traiter), ohne gleichzeitig mit ihr zu handeln (traiter avec),
ohne mit ihr über die Anleihe zu verhandeln, die ich bei ihr vornehme,
um über sie zu sprechen. Es gelingt mir nicht, eine Abhandlung (traité)
über die Metapher zu schreiben, die nicht ihrerseits einer metaphorischen
Behandlung (traité avec) unterworfen wäre, so daß sich im
selben Zug die Metapher als unbehandelbar (intraitable) erweist«.[6]
Es ist mir dann nur möglich, auf eine Trennung in einen metaphorischen
und einen nicht-metaphorischen (und damit ›eigentlichen‹) Teil zu
verzichten. So daß ich mich selbst nicht abseits alles Metaphorischen
stellen kann, ich habe keine allein- und eigenmächtige Handhabung
über die Metapher - bereits die »Handhabung« führt mich auf
die Metapher zurück. Weder spreche ich metaphorisch über etwas zuvor
›Eigentliches‹, noch spreche ich ›eigentlich metaphorisch‹, d.h.:
in einer mir zugänglichen/überschaubaren oder gar von mir erschaffenen
Weise (wie es die Rede von der ›Verfälschung‹ etc. nahelegen zu
meinen glaubt). »Man wird immer quasi metaphorisch darüber
reden müssen, aufgrund einer Metapher der Metapher mit der hinzukommenden
Determinierung, der zusätzlichen Belastung, eines supplementären
Zuges, eines doppelten Zuges (›retrait‹), einer supplementären Metaphern-Faltung,
[…]«.[7]
Ich frage also
mit Derrida danach, was mit der Metapher geschieht, ich frage nicht
nur nach ihrem Einsatz, sondern zudem danach, was sie einsetzen
läßt. Wenn es jedoch nicht gelingen kann, unmetaphorisch von der
Metapher zu sprechen, wenn die Metapher nicht bestimmt werden kann,
ohne auf sie zu verzichten, so hieße das: einerseits kann man sie
nur bestimmen mit weiteren Metaphern - einer Doppelung der Metapher,
einer »Metapher der Metapher« oder »Quasi-Metapher« nach Derrida
-, oder aber es ist andererseits nicht mehr auf die Metapher zu
setzen, nicht als Gegenstand und nicht als Methode (evtl.
entgegen Derrida).[8] Wenn jedoch dieser Umstand als ein Sich-Entziehen
der Metapher aufzufassen wäre, der dem Zug der zusätzlichen Metapher
beiseite gestellt wäre, dann gliche es dem, was Derrida als Entzug
und Unbehandelbarkeit fasst. Demnach ließe sich dann etwas
gegen ein striktes Entweder-Oder der Optionen einwenden,
nicht jedoch gegen die eine und die andere der beiden Varianten:
Derrida bezeichnet das, was mit der Metapher geschieht als ein »retrait«,
das übersetzt sowohl doppelter Zug als auch Entzug bedeutet - als
ein Sowohl-Als-auch bezeichnet es eine Gleichzeitigkeit oder
Koexistenz. Die (erste) Metapher entzieht sich einer Bestimmung
dadurch, daß sie in dieser Bestimmung notwendigerweise wieder auftaucht
(als eine zweite, weitere Metapher). Das Fassen, aber auch das Eingrenzen
der Metapher gelingt nicht, da sie sich im Erscheinen der neuen
zurückzieht und unbegreifbar wird. Das heißt: wird eine Metapher
zu bestimmen versucht, dahingehend, sie als Übertragung kenntlich
zu machen, so bedient sich die Bestimmung einer Übertragung, einer
zusätzlichen Metapher, so daß sich ihr dasjenige entzieht, was bestimmt
werden sollte (im Zuge der aufkommenden Metapher, die jenes nicht
bestimmen kann).
Folgende Fragen
stehen an: Wie kommt die Notwendigkeit dieses retrait zustande?
Worin liegt die Wirkung und die Wirksamkeit ihres Drucks, den sie
ausübt, worin liegt das retrait, wenn nicht in ihrem Sich-Entziehen
der Wirklichkeit? Nach Derrida zieht die Metapher sich zurück »von
der Szene der Welt, sie entzieht sich ihr im Moment ihrer übermäßigen
Ausbreitung, im Augenblick, in dem sie jede Grenze überschreitet«.[9]
So daß sich aufgrund des Drucks und der Notwendigkeit, aufgrund
der neuen Sichtweise einer Grenzüberschreitung der Metapher die
Frage nach der Metapher anders stellen muß, als Frage nach der Grenze
oder als Infragestellung der Abgrenzung und Differenz.
3. Einige
Probleme
(mit) der Metapher
In dem Aufsatz
›Epistemologie der Metapher‹ zeigt Paul de Man die Unmöglichkeit
auf, eine rhetorische Sprache, eine Sprache der Tropen und Metaphern
von anderen Formen der Sprache abzugrenzen, was ähnlich der Fassung
Derridas zu verstehen ist, derzufolge »man über keine nicht-metaphorische
Sprache verfügt, die man den Metaphern entgegenhalten könnte«.[10]
Die Tropen sind wie die Metaphern der gewöhnlichen Definition nach
bildlicher Ausdruck, der im übertragenen Sinn gebraucht wird. Doch
beide sind, was eine Übersetzung zeigt, Wendung oder Übertragung;
- und nach einer genauen Analyse eines jeden Begriffes, der sich
in seiner definierenden Beständigkeit erweisen und von den ›rhetorischen
Figuren‹ unterscheiden soll, wäre diese strikte Unterscheidung nicht
aufrechtzuerhalten, da die Grenze verschwimmt, die dem Begriff jede
Wendung und Übertragung absprechen sollte, die aber auch der Wendung
und Übertragung jedes Begreifen abgesprochen hätte. Doch scheinen
gerade diese Voraussetzungen unhaltbar zu sein: die Abgrenzbarkeit
der Metapher ist in Frage gestellt, die Bestimmbarkeit, Einheit
und Übereinstimmung von Begriffen (und Dingen) ist ebenso fraglich.
Das heißt: Die Metapher ist weder bestimmt noch erfasst, nicht in
der herkömmlichen Weise und auch nicht durch eine neu zu gestaltende,
denn sie entzieht sich ja geradewegs ihrer Bestimmung. Und der Gewohnheit
und Auffassung, die ›bestimmt‹ geglaubte Metapher als ›uneigentliche‹
Redeweise etc. von sich weisen zu wollen und zu können, erteilt
de Man eine Absage, wenn er die Beweisführung eines Metaphernverächters
entkräftet und dessen Konstruktion dekonstruiert:
In einer Passage
eines Buches unterstellt Locke der Rhetorik ›falsche Vorstellungen‹
und ›Betrug‹ dort, wo ›von den Dingen, wie sie sind‹ zu reden ist
und bezeichnet sie als Fehler dort, ›wo es um Wahrheit und Wissen
geht‹. Doch kann Locke nicht umhin, die Rhetorik einen Satz später
›als das schöne Geschlecht‹ zu bezeichnen (in diskreditierender
Absicht und ganz so als hätte er das Wort ›falsche Vorstellungen‹
nie verwendet). Worauf - auf diese Diskriminierung - de Man sehr
treffend bemerkt und einwendet: »Es ist klar, daß man gegen die
Rhetorik solange Nachsicht üben kann, wie man weiß, wohin sie gehört.
Wie eine Frau - der sie ja gleichen soll (›wie das schöne Geschlecht‹)
- ist sie eine feine Sache, solange sie bleibt, wo sie hingehört«;
und überspitzend greift er in die Metapher mit einer weiteren ein,
wenn er seine Entgegnung fortsetzt: »Nicht mehr am gehörigen Platze
[…] ist sie ein störender Skandal gleich dem Erscheinen einer realen
Frau in einem Herren-Club, wo sie nur als Bild, gerahmt und - vorzugsweise
nackt (wie das Bild der Wahrheit) - an die Wand gehängt,
geduldet wird«.[11] Dieses Nicht-dazu-Gehören, dieses Verurteilen
zur Impertinenz, das Urteil der Impertinenz, die verbunden ist mit
der der Metapher vorangestellten Differenz, ist als Schema der Absonderung
und Diskriminierung zu verwerfen. Es gehört einem Schema an, nach
dessen Entsprechung - so ist zu vermuten - sich das herkömmliche
›Funktionieren‹ der Metapher begründet (Es wäre - nach einer Formulierung
P. Sloterdijks - ein Schema »von einwertiger Ontologie (Sein ist,
Nicht-Sein ist nicht) und zweiwertiger Logik (Wahres ist nicht falsch,
Falsches ist nicht wahr; tertium non datur)«).[12] Doch es erweist
sich mit den Überlegungen Derridas und de Mans das Funktionieren
und dieses zugrundeliegende Schema der Metapher (Eindeutigkeit der
Abgrenzung) als fragwürdig, und damit muß auch die (herkömmliche
Fassung der) Metapher selber - vielleicht gar in ihrer Rolle als
Statthalterin dieser Ordnung - befragt werden.
Der Metapher
wurde eine Ordnung nach diesem Schema zugrundegelegt. Doch die Eigenart
der Trope namens Metapher, eine Übertragung anzuzeigen, dabei jedoch
nicht (begrifflich) bestimmen zu können, wie Übertragung zu
verstehen ist, läßt de Man folgern, daß das, was Metapher genannt
wird, keine Definitionen sind, sondern Übersetzungen. Denn es zeigt
sich, daß Bestimmungen eines Wortes, das als Metapher, als Übertragenes,
gebraucht wird, sich einzig in Tautologien erstrecken oder in Übersetzungen,
von denen jedoch keine als feststehender Begriff oder gar als Definition
dienen kann. Eine Metapher definiert demnach nicht dasjenige, für
das ein ›eigentlicher‹ Begriff ebenso gut stehen könnte (es gibt
die Ersetzbarkeit nicht), sondern es übersetzt. Wie aber läßt sich
diese Übersetzung verstehen? Es besteht eine Übersetzung, ohne dabei
eine Ersetzung zu sein, nicht das Eine wird für das andere Eine
eingetauscht, sondern es kommt etwas hinzu, zu etwas, das nicht
vollkommen da ist. Vielleicht kann man dies so verstehen: daß etwas
sich spannt, einen Zwischen-Raum überspannt, sich über ihn zieht,
und dabei eine Richtung einschlägt, die die Bewegung des Übertragens
und Wendens ist. Nach de Man sind die Tropen, »wie ihr Name sagt,
in stetiger Bewegung«.[13]
In stetiger
Bewegung sind dann auch die Übertragungen der Übertragungen, die
Metaphern der Metaphern. Doch ebenso wie sie sich stets bewegen
und transportieren, so verschwinden sie auch, sie sind im Verschwinden.
So daß im Verschwinden naheliegt, in ihnen bereits das zu erkennen,
was sie löscht, wenn sie zu Katachrese oder Begriff werden, und
nicht mehr Metaphern genannt werden, weil sie sich - sozusagen -
als Rede-Wendung eingeschrieben haben. Untersuchungen, dies wird
von Derrida und de Man angeführt, zeigen inwieweit sich die Metaphorizität
über alle Worte hinwegbewegt. Und im gleichen Zug, so wäre hinzuzufügen,
verschwindet die Metaphorizität, wobei je nachdem, ob der Vorgang
der Übertragung vergessen wurde, der metaphorische Ausdruck als
Katachrese oder Begriff aufgefasst wird. Sagen läßt sich jedoch,
daß es einen Zug der Indifferenz, der Ununterscheidbarkeit gibt:
Begriffe und Tropen sind in Bewegung oder stetiger Übersetzung,
es »wird deutlich, daß Begriffe Tropen und Tropen Begriffe sind«.
Die Metapher, mit der von einem Bereich in einen anderen übertragen
werden soll, besteht selbst aus nichts anderem als einer Übertragung,
einer Übersetzung: nach de Man gibt sich die Metapher »selbst die
Totalität, die sie zu definieren beansprucht, doch tatsächlich ist
sie die Tautologie ihrer eigenen Setzung«.[14] Sie will eine Ordnung
vorgeben, die sie zu repräsentieren hat (eigentlich/uneigentlich,
wahr/falsch etc.). Dies jedoch gelingt ihr nicht, denn sie kann
die Trennung der Bereiche nicht weiter aufrechterhalten, denn es
zeigt sich, daß sie sich in sich einkehrt im Moment ihres eigenen
Befragens: der Entzug und supplementäre Zug der Metapher, von dem
auszugehen ist, erlaubt nicht die Trennung und Teilung festgestellter
Einheiten; einzig der Zug der Metapher, die stetige Bewegung
ist das, was passiert, die Grenzen überschreitet und eine Unentscheidbarkeit
erfahren läßt.
In dieser nicht
zu vollziehenden Abgrenzbarkeit verfügt man »über kein Mittel, die
Grenzen zwischen den Namen einer Sache und dem Namen einer anderen
zu definieren und zu überwachen«, eine »Aufspaltung findet nicht
zwischen tropischer und eigentlicher […], zwischen wahrer und falscher
Lektüre, sondern innerhalb der tropischen Kräfte selbst statt«.[15]
Zusammengefasst:
Die Metapher beruft sich auf unterschiedene Bereiche, über deren
Trennung sie als Übertragung besteht. Doch nicht nur zeigt sich,
daß dieses gängige Schema der Unterscheidung von Einheiten fraglich
ist, zudem zeigen sich Eigenschaften der Metapher, die sie selbst
verkomplizieren. Etwas löst in ihrer Verwendung einen Druck, eine
Notwendigkeit aus, nicht auf sie verzichten zu können, nicht einmal
auf sie zugreifen (sie bestimmen) zu können, da sie sich entzieht
in weiteren Metaphern und Übersetzungen. Die Metapher erweist sich
als unabweislich und zugleich unbehandelbar, sie entzieht sich und
breitet sich aus. In diesem Ereignen - einem Moment der Unentschiedenheit
- überschreitet sie jede Grenze.
4. Grenzüberschreitung
Auszugehen ist
nun von einer Ununterscheidbarkeit, die nicht mehr trennt in tropisch
und eigentlich, in wahr und falsch. Vielmehr unternimmt Derrida
den Versuch, eine Nachbarschaft zu denken, mit der er auf
die von ihm gestellte Frage antwortet: »Wo ist der metaphorische
Ort, wo ereignet sich das Metaphorische, das Ereignis des Metaphorischen?«
Doch ist diese Nachbarschaft, die er dem Heideggerschen Text entnimmt,
nicht als eine Metapher zu verstehen, denn auf diese Weise würde
man vorgeben »zu wissen, was eine Metapher ist […], sich der Nähe
der Nähe und der Nachbarschaft sicher zu sein«.[16] Doch dürfen
wir aufgrund der in unser Denken hineingenommen tropischen Bewegung[17]
nicht davon ausgehen, zu wissen, was Metapher und Nachbarschaft
sind, dürfen sie nicht einem Bereich entlehnen, von dessen Einheit
und Bezeichenbarkeit wir auszugehen gewohnt sind. »Erst wenn man
das sichere Verständnis dessen aufgibt, was man unter dem Namen
der Metapher und der Nachbarschaft wiederzuerkennen meint, kann
man sich vielleicht der Nähe der Nachbarschaft nähern«.[18] So wird
es in dieser Wendung ermöglicht, ein Geschehen zu erfahren, sich
einer Unentscheidbarkeit auszusetzen, mithin kann es so - wenn es
uns nun um die Metapher geht - möglich sein, sich mit den Metaphern
in Bewegung zu setzen.
Was kann man
aber nun (in dieser Zusammenführung) von Metapher und Nachbarschaft
sagen? »Wir halten uns darin auf, wir bewegen uns darin«[19] - und
zwar, wie hinzuzufügen ist, in einer Unbehandelbarkeit der Metapher,
der »nicht handhabbaren (intraitable) Struktur, in die wir von vornherein
hineingestellt sind und von der wir fortgetragen werden«.[20] Verflochten
in ein Geschehen der Sprache, in eine »Reihe von verflochtenen Weisen,
Wendungen, Modi, will sagen: von tropischen Figuren«, würde jedes
der gebrauchten Wörter »selber schon in einem tropischen Zusammenhang
stehen, es wäre bereits in tropischer Situation«.[21] Es
ist ein Zusammenhang, eine Beziehung - im Sinn einer Beziehung,
die überzieht (in tropischer und bewegter Spannung) -, die mit der
Wendung ›Nachbarschaft-bei-gleichzeitiger-Unbehandelbarkeit‹
eingeführt wird und die vermag, sich in einem anderen Verständnis
der Metapher über die Grenze und die Unterscheidung hinwegzusetzen
(evtl. in einer aufgespannten, neuen Richtung?). Mit dieser Nachbarschaft
ist ein Weg eröffnet worden, »der weder metaphorisch noch wörtlich
zu verstehen ist und der die Frage nach der Metapher erneut aufwirft«,
da er die Grenzen überschreitet.[22] - Wie läßt sich das Überschreiten
der Grenze verstehen?
In einem Text
zur ›poststrukturalistischen Metapherndiskussion‹ fasst David E.
Wellbery den Grundgedanken von ihm zitierter Derrida-Passagen, die
die oben aufgezeigte Unbehandelbarkeit der Metaphern betreffen,
so zusammen: »kein Begriff der Metapher, der nicht seinerseits metaphorisch
wäre«. In dieser Bestimmung, in der »poststrukturalistischen Reflexion
über die Metapher« erkennt er etwas, das sich »als Bewegung der
Grenzüberschreitung bemerkbar macht«.[23] Ich versuche, diese Überlegung
ausgehend von der tropischen Situation zu fassen, in die
hinein die Problematik der Metapher gestellt ist: die Bewegung
der Grenzüberschreitung ist die Bewegung, in der die Tropen
sich befinden, die Grenzüberschreitung ist die Bewegung der Worte,
die das Schema aufgeteilter Bereiche abgelöst hat. Da es unmöglich
ist, die Metapher zu definieren, kann sie nur übersetzt werden
mithilfe einer weiteren Metapher, es ist »eine zusätzliche Metapher
in dem Augenblick, in dem sich die Metapher entzieht und zugleich
ihre Grenzen erweitert« und das Metaphorische damit entgrenzt.[24]
Die Metapher dient dann nicht mehr zur Übertragung-über-Grenzen,
was meint: der Konstitution der abgegrenzten und ausgrenzenden Bereiche.
Sondern ihre Übertragung und Bewegung ist dann der Zug (retrait)
der Metapher, ihre Wendung und Hinein-Wendung der Grenze, die (ein-wendend
oder umwendend) erweitert wird, - vielleicht gar gesetzt wird, wenn
die Metapher auf der Grenze geht, ihre Spur zieht?
Die gewohnte
Bedeutung der Metapher, also gemäß (gemessen an) ihrer herkömmlichen
Definition, bezog sich auf die Kategorisierung der unterstellten
Bereiche, denen sie entnommen sein soll. Doch merkt Derrida dazu
an: »Diese taxonomischen Prinzipien entstehen nicht aufgrund eines
besonderen methodischen Problems. Sie unterstehen dem Begriff der
Metapher und dessen System«, sie sind in die herkömmliche Bestimmung
der Metapher eingeschrieben (im groben: das Schema von einwertiger
Ontologie und zweiwertiger Logik). Sich der Metapher als Werkzeug
zu bedienen, sie sich entgegenzustellen (Gegenstand), reicht nicht
hin, reicht auch für eine Behandlung (Methodik) nicht, denn das
verkennt die Tragweite des Problems: der Metapher. »Solange
dieser Begriff nicht in Bewegung gesetzt wird, bleibt die methodologische
Reform ohne Tragweite«.[25] Die in Bewegung gebrachten Begriffe,
gleichsam Tropen und Metaphern, widersetzen sich einer eindeutigen
Definition und Klassifikation in bezeichenbare Einheiten. In Bewegung
gebracht, ihrer starren Bestimmung entbunden, ist den Metaphern
ihre Tragweite und -fähigkeit zugestanden: ihre Supplementarität
des Drucks und ihre Unbehandelbarkeit des Entzugs (beides ist mit
dem Zug, der Spur ihrerseits in eine Einbeziehung und Spannung gebracht).
So wie de Man
lehnt auch Derrida eine Unterscheidung in Begriff und Metapher ab,
zudem stellt er »die gewöhnliche Auslegung der Metapher in Frage,
die besagt, daß die Metapher in einer Übertragung des Sinnlichen
auf das Intelligible besteht«.[26] Infolge dieses Umdenkens wird
es also »notwendig, die […] klassische Opposition von Metapher und
Begriff durch eine andere Verbindung zu ersetzen«, die hier - so
lese ich es - als Nachbarschaft und Ununterscheidbarkeit angedacht
ist, und es wird notwendig »den beruhigenden Gegensatz von Metaphorischem
und Eigentlichem zu sprengen, innerhalb dessen sich beide immer
nur spiegelten und ihre Strahlen reflektierten«.[27] Und gerade
in diesem Gegensatz, in dieser Trennung soll - nach Derrida - das
Metaphorische nicht aufgehoben sein. Wiederum bezieht er sich auf
Heidegger und auf »das Mißtrauen, das der Metaphernbegriff« hervorruft.
Heidegger bestimmt die Aufteilung so: »›Die Vorstellung von ›übertragen‹
und von der Metapher beruht auf der Unterscheidung, wenn nicht gar
Trennung des Sinnlichen und Nicht-Sinnlichen als zweier für sich
stehender Bereiche. Die Aufstellung dieser Scheidung […] ist ein
Grundzug dessen, was Metaphysik heißt und das abendländische Denken
maßgebend bestimmt‹«. Doch diese Unterscheidung erweist sich als
hinfällig, dieses Denken als nicht mehr maßgebend, so daß sich für
ihn ergibt: »›Mit der Einsicht in das Beschränkte der Metaphysik
wird auch die maßgebende Vorstellung von der ›Metapher‹ hinfällig‹«.[28]
Doch was heißt
das für meine Überlegungen, was bedeutet dieser zurückgelegte Bogen
für das Überschreiten der Grenze? Eine Abgrenzung der Bereiche,
die das Sinnliche und das Nicht-Sinnliche trennen, ist ebensowenig
anzunehmen, wie das Modell der Übertragung über diese Bereiche.
Was sich als unhaltbar erweist ist die Vorstellung einer bestimmten
und bestimmenden, einer haltbaren Grenze. Was heißt das für die
Grenze, die überschritten wird?
Das Überschreiten
der Grenze ist als ein Entgrenzen zu verstehen. Die Grenze ist nicht
mehr ein Äußeres, ein Äußeres der Bereiche, die getrennt aufgrund
einer idealisierten Einheit und Bezeichenbarkeit sind. Was zwischen
ihnen passiert oder genauer: was einzig passiert ist ein Zwischen,
eine Bewegung der Wörter, die eine gewundene Struktur ausmachen
(Wendung). Derrida versteht das Geschehen der Metapher nicht mehr
in der Fassung von Einheiten, die »eine einfache und unteilbare
Linie« als äußere Grenze umfasst, die unteilbar sein muß, da sie
nicht thematisiert sein sollte (zumindest nach der gewohnten Bestimmung
sollte ihre einzige Verwendung in der Pflege der Bereiche stehen
(die ›gut eingesetzte Metapher‹)). Aber ist sie nicht auch unteilbar,
da sie selbst teilt? Ist sie nicht auch nicht zu thematisieren,
ohne ihren supplementären Zug zu erfahren? Setzt sie nicht erst
in ihrer Verwendung, aus ihrem supplementären (Vorbei-)Zug,
eine Spur, eine Grenze oder eine vorübergehende ›Teilung‹?
Die Grenzüberschreitung liegt in der Hineinnahme der Grenze im
Zuge einer Metapher.
Das Geschehen
der Metapher, das retrait, ihr Entzug »hat die innere Vielfalt,
die gefaltete Struktur eines doppelten Zuges«, die wir hineingestellt
sehen in die sich stets wiederholende grenzenlose tropische Situation.
Dieses Entgrenzen(de) des Metaphorischen kann »von dem sogenannten
›metaphysischen‹ Begriff nicht mehr festgehalten werden«.[29] Denn
es zeigt sich die Hinfälligkeit der Metaphysik, es zeigt sich, wie
unzureichend die Vorstellung der Auftrennung in Einheiten und Bezeichenbarkeiten
ist, wenn Derrida anmerkt, daß »›der Text der Metaphysik von seiner
Grenze nicht umgeben, sondern durchzogen, daß er in seinem Inneren
von der vielfachen Furche seines Randes markiert‹ wird«.[30] Und
es zeigt die Hinfälligkeit des herkömmlichen Schemas der Metapher,
das dem Zug der Metapher nicht gewachsen ist. Mit dem Zug ist die
Metapher also in Bewegung gesetzt. »Diese Bewegung ist nicht mehr
einfach metaphorisch zu verstehen« [31]; sie ist auch nicht wörtlich
zu verstehen: - sondern in »einer doppelten Faltung«, als retrait,
als Metapher der Metapher: quasi-metaphorisch. Dieses Vielfache
des Geschehens, die Einkehr oder das Einfalten der Grenze in das
›Innere‹, diese Auflösung der herkömmlichen Vorstellungen beschreibt
den Entzug und den zusätzlichen Zug der Metapher, ihre Ein- und
Entfaltung, die die Grenzen erweitern, in die Bewegung einziehen
und das Geschehen durchziehen lassen, und es verlangt einen ebensolchen
Umgang mit der Metapher, der eine Bewegung (mit der Metapher), ein
prozessuales (?) Verständnis zuläßt.
5. Einkehr
der Grenze und Aufstellen
(Thema) der Grenze
In einer gewundenen
Struktur, in die wir seit je her verwoben sind, die aus Wendungen
besteht, wird die Metapher gedacht, eine Metapher, die jedoch ohne
eine zuvor unterstellte Unterteilung auskommen muß. Doch sie besteht,
sie geschieht - Man müßte allerdings vielmehr sagen, sie entzieht
sich in ihrem Erscheinen: unwillkürlich bedient man sich ihrer,
ja, man kommt nicht umhin, von ihr Gebrauch zu haben oder man braucht
sie sogar notwendigerweise, doch in ihrem Gebrauch entzieht sie
sich, sie verschwindet, wenn sie uneinholbar in der Ununterscheidbarkeit
verschwindet, aus der sie aufgetaucht ist.[32] Die Metapher vollzieht
eine Wendung, eine Bewegung, die ihre eigene Grenze mithineinnimmt
in den (Kon)Text, in dem sie gebraucht wird, sie zieht diese
als eine Spur in das Feld ein, das nun eher einer Nachbarschaft
entspricht, einer unauflöslichen Beziehung (Gespanntheit), die die
Grenze ihrer Funktion zu unterteilen enthebt.
Besteht somit
die Differenz (Unterscheidung) nur in oder aufgrund einer Indifferenz
(Ununterscheidbarkeit)? [33]
Wellbery erfasst
als Derridas These, »daß jede Bestimmung der Metapher […] einer
supplementären Metapher bedarf«, sie bestimmt sich nicht in Abgrenzung
zu »anderen Formen des sprachlichen Ausdrucks« (zur Erinnerung:
die »Aufspaltung findet nicht zwischen tropischer und eigentlicher
[…], zwischen wahrer und falscher Lektüre, sondern innerhalb der
tropischen Kräfte selbst statt«), sie grenzt sich nicht ab, sondern
sie nimmt die Grenzen ins Innere und wendet sich selbst ab, woraus
Wellbery folgert: »daß Derrida die Metapher als Funktion der
Unterscheidung, der Grenze, der Differenz denkt«. - Ist damit
die Metapher selbst das Unterscheidende?
Besteht eine
»Verwandtschaft mit der Grenze«, wie Wellbery im Hinblick auf ihre
innere Struktur sagt? Wenn sich im Zuge der Metapher, d.h. also
auch in der Bewegung ihrer Grenzüberschreitung, die ihr zugrundegelegte
Unterscheidung als nicht tragfähig erweist, so würde dieses bedeuten,
daß sich die Metapher nicht auf etwas bezieht, das sich außerhalb
ihrer befindet (in einer idealisierten ›Eigentlichkeit‹). Im Gegenteil
bezieht sie dieses Etwas in die Struktur ein, sowie sie selbst
in die Struktur einbezogen wird - gleich einer doppelten/gleichzeitigen
Bewegung des Ziehens/Zuges -; es ist eine ›Zone der Nachbarschaft
und Unentscheidbarkeit‹ (G. Deleuze) [34], die nicht trennt, sondern
aufeinander bezieht, und sich in eine Struktur und Faltung hineinverwebt.
In jedem Moment, in jeder Aussage, gleich ob sie die Metapher (oder
Übertragung oder Nachbarschaft/Beziehung) zu bestimmen sucht oder
nicht (was aufgrund der tropischen Situation keinen Unterschied
macht), gerät sie ›umso mehr‹ in das Geflecht hinein.[35] Wenn mit
der Unbehandelbarkeit und dem Entzug/doppelten Zug der Metapher
zudem die Unbestimmtheit der Bereiche zutage tritt, so bleibt allein
etwas an ihrem Zug bestimmt, was sich als eine Spur lesen
lassen könnte, die Differenz und Indifferenz auf sich bezieht,
die die Bewegung der Trope und die Übertragung der Metapher
markiert, sie jedoch dabei/damit (und auch oder gerade in der
von ihr ausgehenden Unterscheidung) in einer Ununterschiedenheit
bestehen läßt.
Wellbery bringt
ein Beispiel: Die Aussage ›Der Mensch ist ein Wolf‹ ist nicht in
einem wörtlichen Sinn zu verstehen, der den Menschen mit dem Wolf
identifizierte, jedoch auch nicht in dem Sinne einer Übertragung,
für die ›Mensch‹ und ›Wolf‹ bestimmbare oder identifizierbare äußere
Gegebenheiten sind. Er folgert: daß die Metapher sich, »anstatt
etwas über die Welt auszusagen, auf die Aussage selber und die ihr
zugrundeliegende konzeptuelle Konfiguration zurückbiegt«, in dieser
Faltung, deren Biegung Wellbery zu denken versucht, beläßt sie die
Aussage in dieser (zitatähnlichen) Form.[36] Wenn der Metapher eine
»Unterscheidungsstruktur« zugrundeliegt, nämlich: die »Grenze, die
›Mensch‹ und ›Wolf‹ auseinanderhält und aufeinander bezieht«, dann
erklärt sich ihr Zug, ihre Spur, als »Thematisierung der Grenze
als Paradoxie, als Einheit der Differenz und differentielle
Einheit der metaphorisch relationierten Begriffe«.[37] Die Metapher,
so könnte es gelesen werden, stellt eine Grenze auf, die jedoch
nicht zwei Bereiche abtrennt, sondern eine Beziehung markiert,
die in diesem Augenblick gegeben ist (zwischen vermeintlichen ›Gegensätzen‹).
Sie ließe sich - nach Wellbery - beschreiben als »Gleichzeitigkeit«
oder »Oszillation«, die jedoch »zu keinem Ergebnis - keinem ›Sinn‹
- führt« oder - bezogen auf meine Überlegungen -, die zu keiner
restlosen Bestimmung einheitlicher Teile führt. Doch sie führt etwas
anderes mit sich, denn »aufgelöst wird die Paradoxie erst dadurch«,
daß eine zweite Grenze gezogen wird, »bei der sowohl ›Mensch‹ als
auch ›Wolf‹ auf die gleiche Seite fallen, eine operationsfähige
Grenze, die nicht mehr in Paradoxie schwebt. Dieser Schritt zu einer
zweiten Unterscheidung (z.B. zur Abgrenzung der Klasse aller grausamen,
einander rücksichtslos ausplündernden Tiere) hat den Effekt, die
Paradoxie der Grenze zuzudecken«, die jedoch im weiteren ebenfalls
paradoxieanfällig wird, und einer weiteren Verbergung bedarf. Wenn
diese Funktionen der Metapher zugehören, so ließe sich ihr Zug bestimmen
durch das gleichzeitige Entgrenzen und Setzen der Grenze
als Paradoxie: »Was in ihr zusammengebracht wird, sind Differenzen;
die Metapher ist ein Trennungskondensat«.[38]
Zusammengebracht
- das soll hier entscheidender im Vordergrund stehen als das ›Paradoxale‹
der Metapherndefinition - werden Differenzen im Zug der Metapher,
in einer Beziehung: in einem In-Beziehung-Setzen, einem Zusammen-
oder Aufeinander-Beziehen der Differenzen und des ›Differenten‹,
und ebenso in einem (Be-)Ziehen der Grenze und der Spur.
Zurückgreifend:
Die Metapher entzieht sich ihrer Bestimmung, ihrer Behandlung. Sie
erweist sich als unbehandelbar, kehrt aber in ihrer Befragung erneut
ein, ist unabweisbar. Damit löst sie die Grenzen auf, die zwischen
Bereichen bestehen, und bringt sie in (die Nähe) eine(r) Ununterscheidbarkeit.
Es ist fraglich geworden auf einen Begriff der Metapher zu setzen,
der von getrennten und eindeutigen Einheiten und von einer feststellbaren
Abgrenzung ausgeht. Diese Abgrenzung ist nicht nur in diskriminierender
Absicht fraglich, sie wird auch fraglich, da der Zug der Metapher
nicht bedacht wird. Doch es ist gerade der Zug der Metapher, der
die Eigenschaft ihres Verschwindens und Auftauchens ausmacht. Allein
der Zug der Metapher, das Passieren des Zuges, kann noch Aufschluß
darüber geben, was (mit der Metapher) geschieht. Die Metapher als
Übertragung ist in Bewegung gesetzt, sie vollzieht Wendungen. Der
Zug, der eine Spur zieht, zieht die Metapher (ihren Begriff, ihr
Begreifen) in diese Wendungen, die die Grenzen überschreiten und
das Abgegrenzte entgrenzen, - es zieht sich mit dieser Spur, in
dieser gewundenen Struktur eine Grenze ein, die für den Augenblick
besteht, die augenblicklich verschwindet, wenn man sich ihr nähert
und dabei die Spur aufgreift und weiterzieht (man setzt und ist
gesetzt in Bewegung). Dieser Zug der Metapher, diese Eigenschaft
des Ziehens, setzt (die Bereiche, die kaum mehr als verdichtete
Spuren sein mögen) in Beziehung. Die Metapher setzt sich über Unterscheidungen
und Grenzen hinweg, wenn sie sich entzieht, eine Spur hinterläßt
und für einen Augenblick eine Unentscheidbarkeit erstellt;
gleichzeitig ziehen sich mit ihr im entscheidenden Augenblick in
der Metaphern-Faltung (der supplementären Metapher) neue Spuren
ein, die die Grenze mit (in die Wendung, in die gewundene Struktur)
hineinnehmen.
6. Die Spur.
Ein|Be|Ziehung
Wir bleiben
bei diesem Zug der Metapher, die oder dessen Begriff in Bewegung
gesetzt ist, die als Wendung in der gewundenen Struktur (im ›begrifflichen‹
Netz) einen Faden bildet, einen Faden zieht. In dieser Bewegung,
die nicht mehr die übertragende Bewegung über zuvor getrennte abgegrenzte
Bereiche ist, sondern die als solche diese Grenzen überschreitet,
diese entgrenzt und ihrer Funktion enthebt, nimmt sich der Zug selber
dieser Funktion an und sodann, die Grenze in sich einkehrend, zieht
er diese selber. Ein Gefüge, eine Beziehung (der Nachbarschaft und
Untrennbarkeit) ist es, die diese Bewegung einzieht und erstellt:
Der »Zug als einzeichnender, furchenziehender Aufriß der Sprache«.[39]
Was passiert
aber mit diesem Zug? Was passiert, wenn der Zug und der in Bewegung
gesetzte Begriff (der Metapher) entscheidend werden, wenn
sie hervortreten und wichtig werden gegenüber dem, von dem man in
der herkömmlichen Bestimmung (der Metapher) meinte, es sei getrennt?
Was geschieht im Hineinnehmen der Grenze im Zuge der Metapher, der
in Bewegung gesetzten Sprache, wenn die Grenze nicht der umrundende
Abschluß eindeutig bestimmbarer und behandelbarer Bereiche ist,
sondern sich mit der Bestimmung und Behandlung (der Bewegung, in
die man versetzt wird) erst diese Grenze einfindet, so daß man sich
in einem Gewebe, einem Geflecht ›vielfacher Furchen‹ und auf/in
Spuren findet?
Man kann nicht
auf die Metapher verzichten, kann sich ihrer nicht bedienen, da
sie verschwindet und sich wieder einfindet. Gibt man das herkömmliche
Verständnis der Metapher auf, die sich eine solche Bewegung mit
der Metapher nicht eingestanden hat, trotzdem diese wirkte, so könnte
man die Sicherung und das Vorantreiben der vermeintlichen Abtrennung
einstellen, und sich dem Geschehen (des eigenen Handelns), den sich
vollziehenden Wendungen widmen, in die man sich eingespannt findet.
Es geschieht etwas in dieser Wendung. Die zusätzliche Metapher,
der in Bewegung gebrachte Begriff (dessen was geschieht) wiederholt
die Metapher, läuft auf den Spuren, die gezogen sind. ›Man befindet
sich in tropischer Situation‹. Zudem - das macht das Ereignis aus
- verschiebt diese Wendung und Übertragung, dieser entscheidende
Zug sich (in, mit oder durch das Gefüge - et vice versa), schiebt
den Begriff auf.[40]
Die Abgrenzungen,
die Eindeutigkeiten der Bereiche, deren Einheit und Verfassung werden
aufgelöst, zugunsten eines prozessualen (?) Verständnisses, das
eine Verbindung, ein In-Beziehung-Setzen dessen (zueinander) ermöglicht,
was zuvor säuberlich getrennt gedacht war (die Bereiche; Methode
und Gegenstand, Selbst und Anderer). Das Schema der (binären) Unterteilung,
der Zweiwertigkeit und der Eindeutigkeit, das an seine (eigenen)
Grenzen gekommen ist, wird abgelöst von einem Denken, das diese
Grenzen denken kann, wenn es diese (in sich) einzieht. Bezogen auf
die Entgegenstellung von Metapher und Begriff heißt das, den (Ent-)Zug
der Metapher, ihre Bewegung (›retrait‹) zu denken: »Aber da dieser
Entzug des Metaphorischen den Platz nicht für einen eigentlichen,
wörtlichen Diskurs freigibt, wird er einen doppelten Sinn haben:
den Sinn einer doppelten Faltung, eines Rück-zugs (›repli‹) - den
Sinn dessen, was sich wie eine Welle vom Strand zurückzieht -, und
den Sinn einer Rück-kehr, einer Wiederholung, durch die ein supplementärer
Zug hinzukommt, den Sinn einer zusätzlichen Metapher, den Sinn einer
durch einen doppelten Zug markierten Metapher (›re-trait
de métaphore‹), den Sinn eines Diskurses, dessen rhetorischer Rand,
dessen rhetorische Grenze oder Einfassung nicht mehr durch eine
einfache und unteilbare Linie, durch einen linearen und nicht zerlegbaren
Zug beschrieben werden kann«. So fassen wir mit Derrida den Zug
der Metapher zusammen, seine Eigenheit erhält er in der Einfaltung
der Grenze - wir wiederholen: »Dieser Zug hat die innere Vielfalt,
die gefaltete Struktur eines doppelten Zuges. Der Entzug der Metapher
führt zu einer ab-gründigen Verallgemeinerung des Metaphorischen
- Metapher der Metapher im zweifachen Sinne -, die den Rahmen ausweitet
oder vielmehr die Ränder invaginiert«. Der Entzug der Metapher,
in Bewegung gesetzt mit dem Begriff, schafft keineswegs für etwas
Raum, »was sich dem Metaphorischen entgegensetzen ließe;
er würde jeden metaphorischen Zug über die Grenzen hinausziehen
und mit einem zusätzlichen Mehrwert versehen«.[41]
Es geschieht,
es ereignet sich etwas in dem Augenblick, in dem eine Metapher hinzukommt,
eine andere verschwindet und zugleich die Grenzen erweitert und
eingezogen werden, in dem sich eine Beziehung und eine Wendung in
der Struktur/dem Geflecht, ergibt, die durch die Spur markiert wird.
Die »Spur dieser Windung oder Krümmung des Laufs, dieser Ablenkung
des Schrittes, die Spur dieses Umweges, dieses Vom-Wege-Abkommens«
ist hier entscheidend. Der Zug, der die Grenze einzieht,
zieht die Spur, er macht einen Aufriß (»es gibt den Zug und eine
aufreißende Zeichnung des Zuges«). In dieser Spur, in diesem Aufriß
stiftet der Zug Nachbarschaft, stellt eine Beziehung her. »Die Nachbarschaft
ist also eine Beziehung (achten wir auf dieses Wort)«, so
Derrida, »die dadurch entsteht, daß der eine in die Nähe des anderen,
daß der eine den anderen in seine Nähe zieht, damit er sich dort
ansiedelt«. Dieser Zug, der eine Beziehung, eine Öffnung erstellt,
»ist der Riß, das bahnende Einzeichnen, das einschneidet,
aufreißt, den Unterschied, die Grenze, den Rand, das Mal markiert«.[42]
Derrida macht deutlich, dies nicht metaphorisch und nicht wörtlich
zu verstehen: wir folgen darin also der Spur, dem Zug der Bewegung,
in die wir hineinversetzt sind. Es sind der Entzug und doppelte
Zug (retrait) der Metapher, die die Grenzen überschreiten, einbeziehen
und in dieser Inbezugnahme eine ›Zone der Nachbarschaft‹ (Deleuze)
erstellen, die in einer augenblicklichen Ununterscheidbarkeit die
Unterscheidung verläßt zugunsten einer Beziehung, eines Zuges.
Dieser Zug der Wendung, »der das eine auf das andere bezieht, der
das eine zum anderen befördert« (das Bewegende der Metapher), setzt
»das eine neben oder entlang dem anderen, aber nicht getrennt, wenn
Trennung ›ins Bezugslose abgeschieden‹ meint«, setzt in Bewegung.
Und doch: »in
eben dem Maße, in dem ein solcher Zug der Möglichkeit etwas sprachlich
zu benennen, einen Weg bahnt […], läßt er sich selbst, als auftrennender
Zug (›en tant qu'écartement‹), nicht nennen, weder wörtlich, eigentlich,
noch metaphorisch. Nichts macht ihn als solchen vertraut«.[43]
7. Die Metapher
und die ›différance‹,
der Umweg
Es ist nun der
Riß oder Zug (der Metapher), der »nichts ist«, der selbst nicht
erscheint: »Er entzieht sich, er ist aufgrund seiner Struktur entzogen,
im Entzug, als Unterschied, Abstand, Öffnung, Differentialität,
Spur, Rand, Grenze, Ziehen (›traction‹), Ein-bruch usw.« […] Seine
Einschreibung kommt nur an, indem sie verschwindet, sich auslöscht
- was auch«, wie Derrida verbindet, »von der Spur und der ›différance‹
gilt«.[44]
Das soll uns
in unseren Überlegungen weiterhelfen, die die Metapher befragten,
um sich mit ihr, die uns fortbewegte, von der in Frage gestellten
Abgrenzung der Bereiche zu lösen. Es soll diese Überlegungen auf
etwas hinführen, das sich der Unterteilung und Abgrenzung widersetzt,
jedoch entscheidend für das Geschehen ist. Was passiert also
mit der ›différance‹? Was ist ihr Bezug, ihre Verbindung mit der
Metapher?
Der Metapher,
der die Bewegung (im Begriff) zugestanden ist, suppliiert sich ein
Zug, eine Spur, die es aufzuspüren gilt. Es ist nötig, erneut bei
diesem Zug (in diesen sich bewegenden Zug) einzusteigen. »Der Zug
zieht oder traktiert sich (›le trait traite ou se trait‹),
zeichnet den Zug, zeichnet den Entzug wieder und entzieht ihn, er
zieht sich zusammen und schließt den Bund mit sich selbst, mit seinem
Entzug […]«.[45] Ebenso - so ließe sich diese (doppelnde) Dynamik
erweitern - zeichnet (sich) die Spur, zieht sich die Metapher, die
Wendung in sich selbst ein, wobei sie (ihre) Grenzen ebenfalls ein(be)zieht.
In dieser Bewegung, diesem Zug wird die Metapher fortgezogen, wird
man, sie ›begreifend‹, mitgezogen (einbezogen). Im Geflecht, in
diesem Netz, immer schon in ›tropischer Situation‹ verläuft die
Bestimmung der Metapher, verläuft die Sprache in eine Richtung (fort),
die sie in ihrer Bewegung erhält (im Beziehen, neben, entlang dessen,
was sie einbezieht usw.).
Dieses Traktieren
des Zuges oder der Wendung/Metapher, die uns und sich traktiert
- dieses Traktieren »ist wirksam, werkbildend«.[46]
Die Metapher, die in diesem Zug trennt und vereint, schafft das
Ereignis, läßt es geschehen; sie ist entscheidend in dieser Traktion,
in der Übersetzung und Vermittlung, die erst das Übertragende der
Metapher verstehen lehrt. Man bleibt somit nicht bei den bestehenden
Gegensätzen, den unterteilten Einheiten, der Trennung in Methode
und Gegenstand, man löst sie auf, setzt sich selbst und sie in Bewegung.
Dieser Zug und
diese Spur, von denen Derrida spricht, sind »weder passiv noch aktiv,
weder einheitlich noch vielfältig, weder Subjekt noch Prädikat […].«
Selbst unentschieden, bezogen auf diese Gegensätze, selbst nicht
bestimmbar, da sich die Spur und der Zug ebenso der Fassung entziehen,
wie bereits die Metapher sich in der Spur auflöste, so sind sie
doch bestimmend, sind sie am Zug, bestimmen sie die Bewegung, das
Geflecht. Außerhalb der Gegensätze, wenn man dies auf diese Weise
vereinfachend sagen kann, schaffen sie erst einen Bereich. Nicht
jedoch ist dies der festgestellte Bereich, der unterteilt und eindeutig
gedacht werden kann, sondern es ist ein Bereich der Nachbarschaft,
des Zueinanderbezogenseins, ein ›Zwischen‹ (außerhalb der Pole),
das von einer Bewegung ermöglicht wurde und weitere ermöglichen
wird. Bezogen auf den Zug (jedoch zu erweitern auf die Metapher,
wie sie als Spur erkennbar ist) schreibt Derrida: »Er trennt in
dem Maße, in dem er vereint. Alle Wert-Gegensätze«, wie sie zuvor
zitiert wurden, »sind nur in dieser ›différance‹ möglich, in dem
Zwischen ihrer Verschiebung und ihres Abstandes, das fügt
und ebenso abgrenzt«.[47]
Ist von einer
Beziehung von Metapher und ›différance‹ auszugehen? Sicherlich kann
die ›différance‹ nicht als Metapher (in der herkömmlichen Bezeichnung)
verstanden werden (auch nicht als ihr vermeintlicher Gegensatz:
als Begriff); vermutlich ist auch die Metapher nicht einfach als
›différance‹ zu ›übersetzen‹. Und doch: die Spur, auf die gesetzt
wir von der Metapher hierhergeführt wurden, liesse sich als ein
Zug auffassen, mit dem Derrida Metapher und ›différance‹ verknüpft.
Beide sind in dieser Weise aufeinander bezogen. Die ›différance‹,
der Derrida einen »Charakter eines Einflechtens, eines Webens, eines
Bindens«[48] zugesteht, flechtet und bindet sich in die Thematisierung
und Auflösung (das retrait) der Metapher ein. Auf diese Weise mit
dem Geflecht und der Spur verbunden, zeigen sich weitere Überschneidungen.
Widersetzte oder entzog sich die Metapher einer Unterteilung in
das Sensible und Intelligible (über das sie in ihrer herkömmlichen
Definition als Übertragendes zu bestehen hatte), von der sie nicht
erfasst werden kann, so zeigt sich: ebenso widersteht die ›différance‹
dieser grundlegenden Unterscheidung. Sie widersteht, »weil sie sie
trägt«, sie »kündigt sich in einer Bewegung […] an«, die einen Raum
eröffnet, der für einen Augenblick die von ihr Bewegten in einem
»Zwischen«, zwischen den Unterschieden(en) »ansiedelt«.[49]
Die ›différance‹ trägt, so wie die Metapher (über)trägt - beide
tragen das Entscheidende des ›Zwischens‹ mit sich. Ein ›Zwischen
der Verschiebung und des Abstandes‹, wie Derrida in der Zusammenführung
der ›différance‹ und der Metapher (Zug, Spur) schreibt. Das ›Zwischen‹,
das sich nicht auf die Pole und nicht auf ein dichotomes Modell
reduzieren läßt, da es sich diesen entzieht, ergibt sich mit der
Bewegung (des Entzuges), mit der dem ›Zwischen‹ eine Eigenheit eröffnet
ist, die sich der zweiwertigen Ordnung widersetzt, da es diese mit
der Bewegung übersteigt. Es ist das ›Zwischen‹, das der Spur und
dem Zug, der Metapher und der ›différance‹ zuteil wird.
Für die ›différance‹
ergibt sich, so Derrida, ein »Umweg« und eine »Verschiebung« (als
eine Bedeutung des lateinischen Wortes differe, die engere
und zweite Bedeutung ist das: »nicht identisch sein, anders sein,
erkennbar sein«; beide Bedeutungen gehen in die ›différance‹ ein,
sind - so ließe sich vermuten - einander supplementär). Mit diesem
Umweg, dieser Verschiebung läßt sich eine Bewegung erkennen, die
zum Entscheidenden der ›différance‹ wird (die somit die Bedeutung
des Trennens in sich einkehrt). Doch zeigt sich, daß die ›différance‹
»nicht einfach ein Begriff« ist, »sondern die Möglichkeit der Begrifflichkeit,
des Begriffsprozesses und -systems überhaupt«.[50] Beschreibt sie
das Spiel, den Zug (retrait) der Metapher, für das wir einzig ein
prozessuales Verständnis als möglich erachteten? Beschreibt sie
auf diesem Umweg, in dieser Verschiebung auf andere Weise den supplementären
Zug, der sich in das eigene Fassen und Begreifen einzieht, und mit
dem erfolgenden Entzug des Metaphorischen dies uns unfassbar werden
läßt?
Wir werden sehen,
daß dieser Zug der ›différance‹ »weder einfach aktiv noch passiv
ist, sondern eher eine mediale Form ankündigt oder in Erinnerung
ruft, eine Operation zum Ausdruck bringt, die keine Operation ist,
die weder als Erleiden noch als Tätigkeit eines Subjektes, bezogen
auf ein Objekt, weder von einem Handelnden noch von einem Leidenden
aus, weder von diesen Termini ausgehend noch im Hinblick auf sie,
sich denken läßt«.[51] Er verharrt dann unentschieden zwischen aktiv
und passiv, verharrt in einer Bewegung des ›Zwischen‹, die ein Begreifen
ermöglichen kann, das sich aber nicht in der Form des Begriffs auf
seiten des Subjekts oder Objekts einfindet. Nicht die feststellbaren
Einheiten, die erkennbar (different) sind, werden weiter befestigt,
sondern befragt, in Frage gestellt und für ein Bedenken geöffnet
wird diese erkennbare, begreifbare Differenz und abgrenzende Unterscheidung,
- eröffnet für ein Verständnis dessen, was geschieht, für eine Veränderung
der Wahrnehmung, die sich auf eine Bewegung (eine Metapher)
einlassen kann. »Was sich différance schreibt, wäre also
jene Spielbewegung, welche diese Differenzen, diese Effekte der
Differenz«, die befragt werden, »durch das ›produziert‹, was nicht
einfach Tätigkeit ist. Die différance, die diese Differenzen
hervorbringt, geht ihnen nicht etwa in einer einfachen und an sich
unmodifizierten, in-differenten Gegenwart voraus. Die différance
ist der nicht-volle, nicht einfache Ursprung der Differenzen. Folglich
kommt ihr der Name ›Ursprung‹ nicht mehr zu«.[52] Zum einen ergibt
sich daraus für uns, die wir uns vom Begriff der Metapher forttragen
lassen, daß sich durch eine Einflechtung mit der ›différance‹ zeigen
lassen kann, wie der Zug der Metapher das Unterscheidende sein kann,
was Differenzen produziert. Zum anderen löst sich dieses Unterscheidende
aber aus der Unterscheidung erneut heraus (was uns als Entzug bei
der Metapher vertraut geworden ist), wenn es eine Ununterschiedenheit
ebenso mit sich bringt, was sich uns dadurch zeigt, daß Derrida
die ›différance‹ als etwas denkt, das sich nicht in einer vorausgehenden
Einheit fassen läßt, sondern im Zuge der zugestandenen Bewegung
(Verschiebung) uns wiederum auf das Geflecht zurückbindet, auf die
Spur kommen läßt.[53]
»Die
Differenzen werden also von der différance ›produziert‹ -
aufgeschoben«, so Derrida. Doch läßt die ›différance‹ die »Opposition
von Tätigkeit und Passivität ebensowenig [zu], wie die von Ursache
und Wirkung oder von Unbestimmtheit und Bestimmtheit usw.«[54] -
Wie also lassen sich die ›Differenzen‹ verstehen; wie das Aufschieben,
der Umweg, der sich (im Zuge der Metapher) im ›Begreifen‹ einfindet?
Die ›différance‹
»bezieht uns auf das, was, auch wenn wir es notwendig nicht
wahrhaben wollen, die Alternative […] überschreitet«.[55] Sie bezieht
uns - sie zieht uns ebenso mit in dieses ›Zwischen‹ ein, wenn wir
mit ihr in Bewegung gesetzt werden, sie vollzieht diese Bewegung
über den Umweg (ebenso wie die Metapher); in der Weise ihrer Bewegung
zeichnet und zieht sie die Spur (die unbestimmt, aber nahezu bestimmend
ist, die sich den Bestimmungen entzieht, so wie sie sich in ihnen
erneut einfindet). Es ist nicht die Alternative, der Gegensatz,
die zweiwertig eindeutige Ordnung (von Selbst und Anderem etc.),
die Metapher und ›différance‹ beschreiben läßt, sondern ein Alterieren,
ein Abändern, das auch dem Zug (retrait) der Metapher eigen ist.[56]
Die ›différance‹ »sollizitiert« die Ordnung der Gegensätze, »in
dem Sinne wie sollicitare im Altlatein die Bedeutung hat,
etwas als Ganzes zu erschüttern, insgesamt ins Schwanken bringen«.[57]
Darin, in diesem In-Bewegung-Setzen unterscheiden sich ›différance‹
und Metapher nicht, wenn sie in diesem Zug, in diesem Umweg und
der Wendung, im Überschreiten und Einkehren der Grenze, eine Spur
einziehen, auf Spuren dahinziehen, die ein Geflecht, eine gewundene
Struktur ausmachen, in die wir hineingestellt sind und in der wir
fortbewegt werden.
8. …auf einen
Schluß hin. Eine Öffnung
Am Ausgangspunkt
stand nicht die Metapher, so wie sie gefasst war, sondern in Frage
stand die Abgrenzung und Unterscheidung der Bereiche. Befragt wurde,
was entgegengesetzt war. »Man könnte auf diese Weise« - die uns
der Zug der Metapher und die ›différance‹ (in Bewegung gesetzt und
setzend) beibrachten - »alle Gegensatzpaare wieder aufgreifen […],
um an ihnen nicht etwa das Erlöschen des Gegensatzes zu sehen, sondern
eine Notwendigkeit, die sich so ankündigt, daß einer der Termini«
des Gegensatzpaares »als différance des anderen erscheint,
als der andere, in der Ökonomie des Gleichen unterschieden/aufgeschoben
(différé), das Intelligible als von dem Sinnlichen sich unterscheidend
(différant), als aufgeschobenes Sinnliches (différé) […]«.[58]
Die Unterscheidung verbindet sich in dieser Beziehung (das Zueinander-in-die-Nähe-Ziehen)
mit dem Aufschieben, dem Umweg, sowohl durch die ›différance‹
wie auch im Zug der Metapher. Die Unterscheidung ist ins Schwanken
gebracht, ist in Bewegung gesetzt. Weder kann man sich der Unterscheidung/Bezeichnung
entziehen, da sie sich als notwendig erweist, weder der Metapher
oder der ›différance‹, die einen Druck ausüben, ist man entzogen,
noch kann man aufgrund dieses Drucks (der Bewegung, des Prozesses)
in der Bezeichnung und Unterscheidung, beim Unterschiedenen verbleiben.
Wurden auf den
Spuren, die uns zogen und die wir zogen, die Unterscheidung, die
Abgrenzung und Entgegensetzung des Einen und des Anderen befragt,
so bleibt am vorläufigen und doch offenen Ende zu den befragten
und vermeintlichen Begriffsgegensätzen zu sagen: »Der Eine ist nur
der aufgeschobene andere (différé), der eine ist die différance
des anderen. So wird jeder scheinbar strenge und irreduzible Gegensatz
[…], an dieser oder jener Stelle, für ›theoretische Fiktion‹ erklärt«.[59]
Es ist der entscheidende Umweg, den der Zug der Metapher vollzieht,
der sie an die Stellen des Geflechts führt und von ihnen wieder
fortzieht.
Wir konnten
nicht auf die Metapher verzichten, und doch sind wir nicht bei ihr(em
Begriff) geblieben. Die Frage nach der Abgrenzung der Bereiche,
die sich uns stellte, entzieht sich einer eindeutigen Bestimmung,
und doch findet sie sich ein, stellt sie sich als Frage - und es
gilt, sich daraufhin zu öffnen, diese Einkehr (der Frage nach der
Grenze) als Chance wahrzunehmen, um zu verstehen, was geschieht.
Endnoten
- J. Derrida:
"Die weiße Mythologie", S. 214.
- J. Derrida:
"Der Entzug der Metapher", S. 341 [im folgenden EM abgekürzt],
zu weiterem zur herkömmlichen Definition der Metapher vgl. die
Erwähnungen in: ebd. S. 333; J. Derrida: "Die weiße Mythologie.
Die Metapher im philosophischen Text", S. 219, 224, 226 [im folgenden
WM abgekürzt]; J. Derrida: "Grammatologie", S. 471.
- Mit Indifferenz
soll im Text eine Unentscheidbarkeit oder Ununterscheidbarkeit
markiert werden, die nicht Differenz ist, die zur Differenz in
einer Beziehung steht, dieser aber nicht als Differenz gegenüber
gesetzt ist, insofern als sie sich nicht ohne weiteres dieser
Unterscheidung unterstellt. Diese Verwendung soll dem anzunehmenden
Umstand gerecht werden, daß mit der Unterscheidung immer neben
dem Unterschiedenen auch Ununterschiedenes resultiert. Als Ununterschiedenes
der Unterscheidung nicht einfach vorausgeht und auf diese wartet,
um in ihr aufzugehen, sondern als (nichtaufgehender) ›Rest‹ und
›ständiger Begleiter‹ bleibt, dem die Tendenz des Unentscheidbaren/Unbestimmbaren
zukommt. (Ggf. geht auch mit diesem Unentscheidbaren etwas einher,
was dem Begriff der Unterscheidung nahekommt.)
- EM, S. 318.
- Anzumerken
ist hier, daß die Wortwahl (ich verzichte auf die Zuschreibung
"Begriffe") "Gegenstand" und "Methode" sich einer Verlegenheit
verdankt, nicht präzise ihre Aufhängung in einem wie auch immer
zweifelhaften Zusammenhang angeben zu können - vielleicht mag
die Wortwahl aber noch im nachhinein einen Konnex liefern…
- EM, S. 318.
- EM, S. 338.
Derrida bezieht dieses ›darüber‹ in der zitierten Passage auf
das ›Sein‹ (nach Heidegger); hier allerdings wird der Bezug von
mir dahingehend aufgeweitet, das ›Quasi-Metaphorische‹ auf die
Analyse und Verwendung des Metaphorischen zu beziehen, um der
Eigenart der Metapher Ausdruck zu verleihen, sich einer Bestimmung
zu entziehen.
- Mit dem Verzicht
auf die Metapher käme man der Auffassung von G. Deleuze nahe,
vgl. dazu: G. Deleuze und F. Guattari, "Tausend Plateaus", S.
374; dies., "Kafka. Für eine kleine Literatur", S. 32, 51; G.
Deleuze und Cl. Parnet, "Dialoge", S. 11, 25; und G. Deleuze:
"Unterhandlungen", S. 46, 206.
- EM, S. 319.
- J. Derrida:
"Grammatologie", S. 118.
- Alle Zitate,
auch die von Locke in: P. de Man: "Epistemologie der Metapher",
S. 416f [Hervorhebung durch mich], [im folgenden Ep abgekürzt].
- P. Sloterdijk:
"Der operable Mensch"; vgl. auch die Anmerkung in Fußnote 28.
- Ep, S. 421.
- Ep, S. 427,
S. 419.
- Ep, S. 421,
EM, S. 331.
- EM, S. 333,
S. 344ff. Nach der Formulierung ›Worte wie Blumen‹ Hölderlins
beruft sich Heidegger auf eine Nachbarschaft von Dichten und Denken.
- (bzw. des
in die tropische Bewegung gestellten Denkens…)
- EM, S. 345.
- EM, S. 345.
- EM, S. 327
(vgl. S. 332: "Wir sind, wenn wir von Sprache und Weg sprechen
wollen, die ›uns stets schon voraus sind‹, immer schon mit dem
Geflecht verflochten". Sind wir also auch verflochten in der Sprache,
wenn wir Nachbarschaft sagen?)
- EM, S. 337
[Hervorhebung durch mich].
- EM, S. 347.
- D.E. Wellbery:
"Retrait/Re-entry", S. 5f [im folgenden R abgekürzt].
- EM, S. 344.
- J. Derrida:
"Die weiße Mythologie. Die Metapher im philosophischen Text",
S. 215 [im folgenden WM abgekürzt].
- EM, S.326.
- WM, S. 251,
258.
- Zitiert
nach WM, Anmerkung 31, S. 347. Der Kritik der Metaphysik folgt
auch Derrida, doch kann in dieser Arbeit diese Tranche nicht im
Vordergrund stehen. Anzumerken ist, daß die Kritik an ›einwertiger
Ontologie‹ und ›zweiwertiger Logik‹ bei Sloterdijk ebenfalls auf
die Metaphysik zielt.
- EM, S. 339,
S. 341.
- Zitiert nach
EM, S. 229 (Derrida zitiert sich selbst aus seinem Aufsatz "Die
Différance", in: "Randgänge der Philosophie, a.a.O., dort: S.
49).
- EM, S. 344.
- Erst im
weiteren, mit dem Hinzukommen der supplementären Metapher, mit
dem Auftauchen deren entscheidenden Zugs wird eine Unterscheidung
zurück ins Spiel kommen - dazu werden im Folgenden Ausführungen
gemacht.
- Vgl. zu der
Thematik von koexistierender Differenz und Indifferenz im Bezug
auf die Metapher: J. Rancière: "Die Gemeinschaft der Gleichen"
(und zur Koexistenz und Unent-/-unterscheidbarkeit nach wie vor:
G. Deleuze).
- Zu dieser
›Zone der Nachbarschaft‹ oder der ›Ununterscheidbarkeit, Unentscheidbarkeit‹
bei Deleuze, vgl.: G. Deleuze und F. Guattari, "Was ist Philosophie?",
passim; und Dies., "Tausend Plateaus", insb. S.317-422.
- Die Formulierung
›umso mehr‹ ist ungenau, da sie einen (unverwickelten) Anfangspunkt
impliziert, von dem aber nicht ausgegangen werden kann, der nicht
anzunehmen ist.
- Zitiert nach
R, S. 8 - wenn sich auch meine Lesart teilweise von den Wellberyschen
Gedanken abgelöst hat. Wellbery beruft sich auf das "re-entry"
von Spencer-Brown, ausgehend von Passagen Derridas, in denen das
"retrait", der Zug der Metapher von Derrida in ähnlicher Weise
zergliedert wird. Derrida sieht in der gewundenen Struktur der
Metaphern oder im begrifflichen Netz (kein Unterschied!) jeden
Versuch der Bestimmung oder des Begreifens einer Metapher (mithin
die Unterscheidung) als weitere Metapher an (die Metaphern-Faltung,
die Quasi-Metapher). "[…] jeder Faden in diesem Netz [bildet]
eine Wendung (tour)", wenn der Begriff in Bewegung gesetzt wird,
wenn das Begreifen der Metapher in Bewegung gesetzt wird, und
als Bewegung eine Wendung (mithin die Metapher) vollzieht (eine
Spur zieht). Insofern gilt auch für Derrida - hier gedacht in
Beziehung, Nähe und Nachbarschaft der un-unterschiedenen Bereiche
- ›ähnlich‹ dem Zug der Metapher: "Das Definierte ist also im
Definierenden der Definition mit eingeschlossen" (WM, S.223; vgl.
bei Derrida auch: ebd. S.244 und EM, S.329; bei Wellbery: R, insb.
S.10ff). Diese Tranche wird hier nicht weiter verfolgt. Festgehalten
wird jedoch, daß sich die Paradoxie, die Wellbery in Derridas
Sätzen ausfindig zu machen versucht, nicht ›einstellt‹. Vielleicht
vermag sie als Paradoxie den Zug der Metapher, den Druck, den
sie auslöst, zu ergründen. Für unsere Überlegungen soll diese
Form der Einkehrung wichtig bleiben, die nicht bei sich selbst
bleibt, nicht in sich selbst ruht, sondern zur Unruhe und Bewegung
(mit der Metapher) anstiftet. Die Metapher kehrt die Grenzen ein,
ihre Grenzen oder die Abgrenzungen, die sie überschreitet und
entgrenzt, doch zugleich zieht sie diese Grenzen, wenn wir diese
im Sinne der Spur und der gewundenen Struktur (Wendung, die gestiftete
Bewegung der Metapher) verstehen müssen.
- R, S. 8f.
- R, S. 9.
- EM, S. 322.
In den folgenden Zitaten bezieht Derrida die Auslegung der Metapher,
das Aufweisen des ›retreit‹ der Metapher insbesondere auf Heidegger.
Diesen Verwicklungen kann hier aber nicht nachgegangen werden.
- Vgl. EM,
S. 338.
- EM, S. 339f.
- EM, S. 344ff.,
S. 347.
- EM, S. 347.
- EM, S. 347ff.
- EM, S. 351.
- EM, S. 351f.
- EM, S. 353.
[Hervorhebung durch mich; A.L.]
- J. Derrida:
"Die Différance", in: "Randgänge der Philosophie, a.a.O. [im folgenden
D abgekürzt], S. 30. Derrida spricht vom ›Bündel‹, das der ›différance›
den erwähnten Charakter verleiht.
- D, S. 31.
- D, S. 33f,
S. 37.
- D, S. 34.
- D, S. 37.
- Vgl. dazu:
D, S.38. Dort schreibt Derrida, bezogen auf ein mit Differenzen
arbeitendes Sprachsystem: "Ich habe auf die Absicht, aus der Geschlossenheit
dieses Schemas hinauszukommen, mittels der ›Spur‹ hinzuweisen
versucht, die ebensowenig Effekt ist, wie sie eine Ursache hat,
die jedoch für sich allein, außerhalb des Textes, nicht zur notwendigen
Überschreitung hinreicht." Folglich bezeichnet er mit ›différance‹
"jene Bewegung, durch die sich die Sprache oder jeder Code, jedes
Verweisungssystem […] als Gewebe von Differenzen konstituiert."
- D, S. 40ff.
Es ist, wie Derrida betont, nicht ein Subjekt oder Bewußtsein,
was hier unterscheidet/aufschiebt.
- D, S. 46
[Hervorhebung durch mich; A.L.]. Derrida schreibt hier, um es
genau wiederzugeben von der "Alternative von Gegenwart und Abwesenheit".
Doch entnehme ich die Alternative diesem Zusammenhang und beziehe
sie auf die sogenannten Gegensätze als solche, die Derrida zuvor
erwähnte.
- Vgl. dazu:
EM, S. 335. Zum Begriff des Alterierens: Jean Baudrillard, "Das
radikale Denken".
- D, S. 47.
- D, S. 43.
- D, S. 44.
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