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Andreas Langensiepen
Zur Metapher. Die Frage nach der Abgrenzung der Bereiche


1.Kurze Einleitung. Eine In-Frage-Stellung | 2.Die Frage (nach) der Metapher | 3.Einige Probleme (mit) der Metapher | 4.Grenzüberschreitung | 5.Einkehr der Grenze und Aufstellen (Thema) der Grenze | 6.Die Spur. Ein|Be|Ziehung | 7.Die Metapher und die ›différance‹, der Umweg | 8. …auf einen Schluß hin. Eine Öffnung | Endnoten


»Worte springen wie die Affen von Baum zu Baum, aber in dem dunklen Bereich, wo man wurzelt, entbehrt man ihrer freundlichen Vermittlung.«
Robert Musil

»Diese (Er-)Öffnung läßt einer wilden Metapher freien Lauf.«
Jacques Derrida

1. Kurze Einleitung. Eine In-Frage-Stellung

Die Frage der Übertragung, der Metapher - in ihrer wörtlichen Übersetzung -, läßt sich nicht beantworten, ohne zuvor die Abgrenzung der Bereiche, zwischen denen die Übertragung geschieht, in Frage zu stellen. So gestellt, führt die Frage also zur Unterscheidung/Trennung, die vorerst nicht neu eingezogen werden soll, sondern als solche befragt werden muss.

Steht damit aber auch die Metapher in Frage, steht sie zur Disposition, gerät man in Schwierigkeiten, die uns im Verfolgen der vor uns liegenden Arbeit begleiten werden. Stellen wir das Thema der oder die Frage nach der Metapher auf, bekommen wir Probleme mit der Metapher, wie sich zeigen wird. Die Frage nach der Abgrenzung wird uns an die Grenzen führen, diese wiederum werden sich in unserer Behandlung einkehren und neu aufgestellt. Im Zuge der Bewegung, bei der uns die Metapher und die Abgrenzungen (und ihre Befragung) leiten, werden wir auf die ›Spur‹, den ›Umweg‹, und immer wieder auf den Ausgangspunkt kommen, der die Metapher und die Grenzen befragt.

Zu entscheiden, was mit der Metapher (der Grenze) geschieht… - sicherlich ist dies ein schwieriges Unterfangen. Vorerst muß diese Frage offen gehalten werden, d.h. sie ist gestellt. Eine in Problematik dieser Arbeit einleitende Formulierung Jacques Derridas trägt die Überschrift »Plus de métaphore«. Ins Deutsche ›übersetzt‹ ergibt sich darin ein Moment der Uneindeutigkeit: »Schluß mit der Metapher - mehr Metapher« [1], die damit den Ort markiert, an dem die Metaphorizität sich zwischen einer Unabdingbarkeit und einer Unbestimmbarkeit ereignet.

Doch bewegen wir uns schon in das Feld der Metapher hinein…

2. Die Frage (nach) der Metapher

Die Figur der Metapher wird herkömmlich bestimmt in ihrer Funktion, einen Ausdruck aus einem Bereich, in dem dieses Wort einen ›eigentlichen‹ Sinn hat, in einen anderen Bereich zu übertragen, in dem (in dessen Kontext) der Ausdruck als ›uneigentlicher‹, ›figurativer‹ zu gelten hat. Die Metapher findet demzufolge dann Verwendung, wenn etwas schwer Verständliches, etwas Intelligibles oder etwas Unbekanntes bezeichnet werden soll, jedoch durch das Einsetzen eines oder das Ersetzen mit einem vorstellbaren, anschaulichen oder sinnlichen Ausdruck, der aus dem Bereich seiner ›eigentlichen‹ Bedeutung in einen anderen Bereich übertragen wird, in dem ihm sein ›eigentlicher‹ Sinn nicht zur Verfügung stehen soll. Dort ist dann die Bedeutung des metaphorischen Wortes nichts außer einer - über eine Analogie oder einen verstandesmäßigen Vergleich hergestellten - Ersatzfunktion, die einzig die Übertragung markieren und die Vorstellungskraft auf den sinnlichen Ausdruck lenken soll. Dabei gilt eben auch, daß eine Metapher dann gut eingesetzt ist, wenn sie als solche zu erkennen ist und eine stimmige Anschauung dort erlaubt, wo sie in einem anderen als ihrem ›eigenen‹ Sinn Bedeutung erhält. Die Metapher hat gewöhnlich »zum Zweck, uns auf dem Umweg dessen, was wir als vetraut wiedererkennen, den Zugang zu Unbekanntem und Unbestimmten zu eröffnen«.[2]

Diese Konzeption der Metapher beruht auf einer klaren Trennung: einerseits der Unterscheidung der Bereiche, mit der die ›eigentliche‹ Herkunft des - am neuen Ort ›uneigentlichen‹ - Ausdrucks klar abgetrennt werden kann. Wird eine Metapher in bspw. einer philosophischen Aussage verwendet, so gibt es Kategorien oder eine Taxonomie, die je nach entsprechendem Bereich die Metapher als biologische, mechanische usw. klassifiziert. Andererseits wird es mit dieser ersten Trennung in diverse aber stets ›eigene‹ Bereiche erdorderlich, ihr eine zweite vorausgehen zu lassen, die binär unterteilt zwischen dem ›eigentlichen‹, ›wahr(haftig)en‹ Sinn und dem ›Uneigentlichen‹, das fehlplaziert ist, das sich nicht mehr in seinem eigenen Bereich befindet. Denn mithinein in diese Konzeption der Metapher spielt, daß sie an die Stelle eines anderen (unüblichen) Kontextes tritt, für den jedoch jederzeit ein anderes, dem Kontext ›eigenes‹ und ›eigentliches‹ Wort, eben ein präziser Begriff gefunden werden können soll. Oder mit anderen Worten: es entspricht der herkömmlichen Definition, daß die Übertragung prinzipiell rückgängig gemacht werden kann, da sie nur einen ›uneigentlichen‹ - und gleichsam deplazierten - Sinn annimmt. Die Metapher erhält diesen ihren Sinn (nach der herkömmlichen Bestimmung) jedoch erst, wenn sie dem ›wahren‹ Sinn des ›eigenen‹ und ›richtigen‹ Kontextes entgegengesetzt wird, dabei sind beide Sinnformen für diese Unterscheidung ›eigens‹ konstituiert. Mit diesem Bild der Metapher liegt es dann nicht fern, zu glauben, eine Sprache, in die Metaphern und Rhetorik Eingang finden, als ›uneigentliche‹ Sprache, gar als Betrug und Täuschung zu identifizieren.

Doch erscheint die Metapher in dieser Hinsicht äußerst fragwürdig. Ist mit (diesem Begriff) der Metapher noch ein Denken, ein Erkennen oder ein Wahrnehmen dessen, was passiert, möglich? Ist nicht vielmehr davon auszugehen, daß eine Konzeption der Metapher, die mit dem Modell der Abgrenzbarkeit bezeichenbarer Einheiten arbeitet und auf einem binären Denkbild beruht, an ihr Ende kommt? Ist anzunehmen, daß eine Konzeption, die feststehende Einheiten und Grenzen einzuziehen bestimmt ist, die diese Einzeichnung in die Welt oder in das Leben unter dem Leitbild der Wahrheit vollzieht, an sich selbst scheitern muß, da sie mit dem, was sie selbst an Differenzen (und Indifferenzen) produziert, nicht mehr Schritt halten kann? Und scheitert sie nicht auch daran, eine binäre Logik zu ihrem Modell gemacht zu haben, die eine vorausgehende Einheit vortäuscht, die nie gegeben war und die sich auch nicht mehr finden läßt - in Zeiten, die als immer weiter differenziert/differenzierend und doch gleichsam zunehmend indifferent beschrieben werden?

Wovon ist also zu sprechen? Von einem Prozeß einer Differenzierung (Unterscheidung) und Indifferenzierung (Ununterschiedenheit oder Unentscheidbarkeit)?[3] Ist es eine Frage nach dem, was geschieht? Und was geschieht dann mit der Metapher?

Was läßt sich über die Metapher sagen? - »Ich versuche, von der Metapher zu sprechen, etwas im eigentlichen oder buchstäblichen Sinn über sie zu sagen, sie wie mein Thema zu behandeln (traiter), aber ich werde, wenn man so sagen darf, von ihr gezwungen, über sie nach ihrer eigenen Art more metaphorico zu sprechen«.[4] Nur nach Art der Metapher (more metaphorico) läßt sich etwas über die oder von der Metapher sagen, oder anders: es ließe sich nicht über sie verhandeln, sie wäre nicht der uns entgegenzustellende Gegenstand, wenn sie nicht auch in ihrem Behandeln das Metaphorische wiedereinführt, denn sie ist auch und zugleich Methode - die Metapher ist beides zugleich.[5] Und dieses zugleich der Metapher wird von etwas angeführt, was es gleichzeitig mit sich führt. Es ist etwas, das in dem oben stehenden Satz Jacques Derridas dem Wort des Zwangs zu entnehmen ist: daß die Metapher einen Druck ausübt; daß von ihr womöglich nicht zu sprechen ist als einem Werkzeug, von dem man meint, man könne sich dessen bedienen (nach freiem Willen etc.). Angezeigt ist stattdessen, daß man vielmehr durch die Metapher spricht (und zwar verstanden in einem sich doppelnden Sinne: die Metapher zwingt und zugleich zwängt man sich durch die Metapher). Dieser Umstand wird später aufzugreifen sein, ich will jedoch bei der von Derrida angeführten Unumgänglichkeit der Metapher erneut einsteigen: »Ich kann sie [die Metapher] nicht behandeln (en traiter), ohne gleichzeitig mit ihr zu handeln (traiter avec), ohne mit ihr über die Anleihe zu verhandeln, die ich bei ihr vornehme, um über sie zu sprechen. Es gelingt mir nicht, eine Abhandlung (traité) über die Metapher zu schreiben, die nicht ihrerseits einer metaphorischen Behandlung (traité avec) unterworfen wäre, so daß sich im selben Zug die Metapher als unbehandelbar (intraitable) erweist«.[6] Es ist mir dann nur möglich, auf eine Trennung in einen metaphorischen und einen nicht-metaphorischen (und damit ›eigentlichen‹) Teil zu verzichten. So daß ich mich selbst nicht abseits alles Metaphorischen stellen kann, ich habe keine allein- und eigenmächtige Handhabung über die Metapher - bereits die »Handhabung« führt mich auf die Metapher zurück. Weder spreche ich metaphorisch über etwas zuvor ›Eigentliches‹, noch spreche ich ›eigentlich metaphorisch‹, d.h.: in einer mir zugänglichen/überschaubaren oder gar von mir erschaffenen Weise (wie es die Rede von der ›Verfälschung‹ etc. nahelegen zu meinen glaubt). »Man wird immer quasi metaphorisch darüber reden müssen, aufgrund einer Metapher der Metapher mit der hinzukommenden Determinierung, der zusätzlichen Belastung, eines supplementären Zuges, eines doppelten Zuges (›retrait‹), einer supplementären Metaphern-Faltung, […]«.[7]

Ich frage also mit Derrida danach, was mit der Metapher geschieht, ich frage nicht nur nach ihrem Einsatz, sondern zudem danach, was sie einsetzen läßt. Wenn es jedoch nicht gelingen kann, unmetaphorisch von der Metapher zu sprechen, wenn die Metapher nicht bestimmt werden kann, ohne auf sie zu verzichten, so hieße das: einerseits kann man sie nur bestimmen mit weiteren Metaphern - einer Doppelung der Metapher, einer »Metapher der Metapher« oder »Quasi-Metapher« nach Derrida -, oder aber es ist andererseits nicht mehr auf die Metapher zu setzen, nicht als Gegenstand und nicht als Methode (evtl. entgegen Derrida).[8] Wenn jedoch dieser Umstand als ein Sich-Entziehen der Metapher aufzufassen wäre, der dem Zug der zusätzlichen Metapher beiseite gestellt wäre, dann gliche es dem, was Derrida als Entzug und Unbehandelbarkeit fasst. Demnach ließe sich dann etwas gegen ein striktes Entweder-Oder der Optionen einwenden, nicht jedoch gegen die eine und die andere der beiden Varianten: Derrida bezeichnet das, was mit der Metapher geschieht als ein »retrait«, das übersetzt sowohl doppelter Zug als auch Entzug bedeutet - als ein Sowohl-Als-auch bezeichnet es eine Gleichzeitigkeit oder Koexistenz. Die (erste) Metapher entzieht sich einer Bestimmung dadurch, daß sie in dieser Bestimmung notwendigerweise wieder auftaucht (als eine zweite, weitere Metapher). Das Fassen, aber auch das Eingrenzen der Metapher gelingt nicht, da sie sich im Erscheinen der neuen zurückzieht und unbegreifbar wird. Das heißt: wird eine Metapher zu bestimmen versucht, dahingehend, sie als Übertragung kenntlich zu machen, so bedient sich die Bestimmung einer Übertragung, einer zusätzlichen Metapher, so daß sich ihr dasjenige entzieht, was bestimmt werden sollte (im Zuge der aufkommenden Metapher, die jenes nicht bestimmen kann).

Folgende Fragen stehen an: Wie kommt die Notwendigkeit dieses retrait zustande? Worin liegt die Wirkung und die Wirksamkeit ihres Drucks, den sie ausübt, worin liegt das retrait, wenn nicht in ihrem Sich-Entziehen der Wirklichkeit? Nach Derrida zieht die Metapher sich zurück »von der Szene der Welt, sie entzieht sich ihr im Moment ihrer übermäßigen Ausbreitung, im Augenblick, in dem sie jede Grenze überschreitet«.[9] So daß sich aufgrund des Drucks und der Notwendigkeit, aufgrund der neuen Sichtweise einer Grenzüberschreitung der Metapher die Frage nach der Metapher anders stellen muß, als Frage nach der Grenze oder als Infragestellung der Abgrenzung und Differenz.

3. Einige Probleme (mit) der Metapher

In dem Aufsatz ›Epistemologie der Metapher‹ zeigt Paul de Man die Unmöglichkeit auf, eine rhetorische Sprache, eine Sprache der Tropen und Metaphern von anderen Formen der Sprache abzugrenzen, was ähnlich der Fassung Derridas zu verstehen ist, derzufolge »man über keine nicht-metaphorische Sprache verfügt, die man den Metaphern entgegenhalten könnte«.[10] Die Tropen sind wie die Metaphern der gewöhnlichen Definition nach bildlicher Ausdruck, der im übertragenen Sinn gebraucht wird. Doch beide sind, was eine Übersetzung zeigt, Wendung oder Übertragung; - und nach einer genauen Analyse eines jeden Begriffes, der sich in seiner definierenden Beständigkeit erweisen und von den ›rhetorischen Figuren‹ unterscheiden soll, wäre diese strikte Unterscheidung nicht aufrechtzuerhalten, da die Grenze verschwimmt, die dem Begriff jede Wendung und Übertragung absprechen sollte, die aber auch der Wendung und Übertragung jedes Begreifen abgesprochen hätte. Doch scheinen gerade diese Voraussetzungen unhaltbar zu sein: die Abgrenzbarkeit der Metapher ist in Frage gestellt, die Bestimmbarkeit, Einheit und Übereinstimmung von Begriffen (und Dingen) ist ebenso fraglich. Das heißt: Die Metapher ist weder bestimmt noch erfasst, nicht in der herkömmlichen Weise und auch nicht durch eine neu zu gestaltende, denn sie entzieht sich ja geradewegs ihrer Bestimmung. Und der Gewohnheit und Auffassung, die ›bestimmt‹ geglaubte Metapher als ›uneigentliche‹ Redeweise etc. von sich weisen zu wollen und zu können, erteilt de Man eine Absage, wenn er die Beweisführung eines Metaphernverächters entkräftet und dessen Konstruktion dekonstruiert:

In einer Passage eines Buches unterstellt Locke der Rhetorik ›falsche Vorstellungen‹ und ›Betrug‹ dort, wo ›von den Dingen, wie sie sind‹ zu reden ist und bezeichnet sie als Fehler dort, ›wo es um Wahrheit und Wissen geht‹. Doch kann Locke nicht umhin, die Rhetorik einen Satz später ›als das schöne Geschlecht‹ zu bezeichnen (in diskreditierender Absicht und ganz so als hätte er das Wort ›falsche Vorstellungen‹ nie verwendet). Worauf - auf diese Diskriminierung - de Man sehr treffend bemerkt und einwendet: »Es ist klar, daß man gegen die Rhetorik solange Nachsicht üben kann, wie man weiß, wohin sie gehört. Wie eine Frau - der sie ja gleichen soll (›wie das schöne Geschlecht‹) - ist sie eine feine Sache, solange sie bleibt, wo sie hingehört«; und überspitzend greift er in die Metapher mit einer weiteren ein, wenn er seine Entgegnung fortsetzt: »Nicht mehr am gehörigen Platze […] ist sie ein störender Skandal gleich dem Erscheinen einer realen Frau in einem Herren-Club, wo sie nur als Bild, gerahmt und - vorzugsweise nackt (wie das Bild der Wahrheit) - an die Wand gehängt, geduldet wird«.[11] Dieses Nicht-dazu-Gehören, dieses Verurteilen zur Impertinenz, das Urteil der Impertinenz, die verbunden ist mit der der Metapher vorangestellten Differenz, ist als Schema der Absonderung und Diskriminierung zu verwerfen. Es gehört einem Schema an, nach dessen Entsprechung - so ist zu vermuten - sich das herkömmliche ›Funktionieren‹ der Metapher begründet (Es wäre - nach einer Formulierung P. Sloterdijks - ein Schema »von einwertiger Ontologie (Sein ist, Nicht-Sein ist nicht) und zweiwertiger Logik (Wahres ist nicht falsch, Falsches ist nicht wahr; tertium non datur)«).[12] Doch es erweist sich mit den Überlegungen Derridas und de Mans das Funktionieren und dieses zugrundeliegende Schema der Metapher (Eindeutigkeit der Abgrenzung) als fragwürdig, und damit muß auch die (herkömmliche Fassung der) Metapher selber - vielleicht gar in ihrer Rolle als Statthalterin dieser Ordnung - befragt werden.

Der Metapher wurde eine Ordnung nach diesem Schema zugrundegelegt. Doch die Eigenart der Trope namens Metapher, eine Übertragung anzuzeigen, dabei jedoch nicht (begrifflich) bestimmen zu können, wie Übertragung zu verstehen ist, läßt de Man folgern, daß das, was Metapher genannt wird, keine Definitionen sind, sondern Übersetzungen. Denn es zeigt sich, daß Bestimmungen eines Wortes, das als Metapher, als Übertragenes, gebraucht wird, sich einzig in Tautologien erstrecken oder in Übersetzungen, von denen jedoch keine als feststehender Begriff oder gar als Definition dienen kann. Eine Metapher definiert demnach nicht dasjenige, für das ein ›eigentlicher‹ Begriff ebenso gut stehen könnte (es gibt die Ersetzbarkeit nicht), sondern es übersetzt. Wie aber läßt sich diese Übersetzung verstehen? Es besteht eine Übersetzung, ohne dabei eine Ersetzung zu sein, nicht das Eine wird für das andere Eine eingetauscht, sondern es kommt etwas hinzu, zu etwas, das nicht vollkommen da ist. Vielleicht kann man dies so verstehen: daß etwas sich spannt, einen Zwischen-Raum überspannt, sich über ihn zieht, und dabei eine Richtung einschlägt, die die Bewegung des Übertragens und Wendens ist. Nach de Man sind die Tropen, »wie ihr Name sagt, in stetiger Bewegung«.[13]

In stetiger Bewegung sind dann auch die Übertragungen der Übertragungen, die Metaphern der Metaphern. Doch ebenso wie sie sich stets bewegen und transportieren, so verschwinden sie auch, sie sind im Verschwinden. So daß im Verschwinden naheliegt, in ihnen bereits das zu erkennen, was sie löscht, wenn sie zu Katachrese oder Begriff werden, und nicht mehr Metaphern genannt werden, weil sie sich - sozusagen - als Rede-Wendung eingeschrieben haben. Untersuchungen, dies wird von Derrida und de Man angeführt, zeigen inwieweit sich die Metaphorizität über alle Worte hinwegbewegt. Und im gleichen Zug, so wäre hinzuzufügen, verschwindet die Metaphorizität, wobei je nachdem, ob der Vorgang der Übertragung vergessen wurde, der metaphorische Ausdruck als Katachrese oder Begriff aufgefasst wird. Sagen läßt sich jedoch, daß es einen Zug der Indifferenz, der Ununterscheidbarkeit gibt: Begriffe und Tropen sind in Bewegung oder stetiger Übersetzung, es »wird deutlich, daß Begriffe Tropen und Tropen Begriffe sind«. Die Metapher, mit der von einem Bereich in einen anderen übertragen werden soll, besteht selbst aus nichts anderem als einer Übertragung, einer Übersetzung: nach de Man gibt sich die Metapher »selbst die Totalität, die sie zu definieren beansprucht, doch tatsächlich ist sie die Tautologie ihrer eigenen Setzung«.[14] Sie will eine Ordnung vorgeben, die sie zu repräsentieren hat (eigentlich/uneigentlich, wahr/falsch etc.). Dies jedoch gelingt ihr nicht, denn sie kann die Trennung der Bereiche nicht weiter aufrechterhalten, denn es zeigt sich, daß sie sich in sich einkehrt im Moment ihres eigenen Befragens: der Entzug und supplementäre Zug der Metapher, von dem auszugehen ist, erlaubt nicht die Trennung und Teilung festgestellter Einheiten; einzig der Zug der Metapher, die stetige Bewegung ist das, was passiert, die Grenzen überschreitet und eine Unentscheidbarkeit erfahren läßt.

In dieser nicht zu vollziehenden Abgrenzbarkeit verfügt man »über kein Mittel, die Grenzen zwischen den Namen einer Sache und dem Namen einer anderen zu definieren und zu überwachen«, eine »Aufspaltung findet nicht zwischen tropischer und eigentlicher […], zwischen wahrer und falscher Lektüre, sondern innerhalb der tropischen Kräfte selbst statt«.[15]

Zusammengefasst: Die Metapher beruft sich auf unterschiedene Bereiche, über deren Trennung sie als Übertragung besteht. Doch nicht nur zeigt sich, daß dieses gängige Schema der Unterscheidung von Einheiten fraglich ist, zudem zeigen sich Eigenschaften der Metapher, die sie selbst verkomplizieren. Etwas löst in ihrer Verwendung einen Druck, eine Notwendigkeit aus, nicht auf sie verzichten zu können, nicht einmal auf sie zugreifen (sie bestimmen) zu können, da sie sich entzieht in weiteren Metaphern und Übersetzungen. Die Metapher erweist sich als unabweislich und zugleich unbehandelbar, sie entzieht sich und breitet sich aus. In diesem Ereignen - einem Moment der Unentschiedenheit - überschreitet sie jede Grenze.

4. Grenzüberschreitung

Auszugehen ist nun von einer Ununterscheidbarkeit, die nicht mehr trennt in tropisch und eigentlich, in wahr und falsch. Vielmehr unternimmt Derrida den Versuch, eine Nachbarschaft zu denken, mit der er auf die von ihm gestellte Frage antwortet: »Wo ist der metaphorische Ort, wo ereignet sich das Metaphorische, das Ereignis des Metaphorischen?« Doch ist diese Nachbarschaft, die er dem Heideggerschen Text entnimmt, nicht als eine Metapher zu verstehen, denn auf diese Weise würde man vorgeben »zu wissen, was eine Metapher ist […], sich der Nähe der Nähe und der Nachbarschaft sicher zu sein«.[16] Doch dürfen wir aufgrund der in unser Denken hineingenommen tropischen Bewegung[17] nicht davon ausgehen, zu wissen, was Metapher und Nachbarschaft sind, dürfen sie nicht einem Bereich entlehnen, von dessen Einheit und Bezeichenbarkeit wir auszugehen gewohnt sind. »Erst wenn man das sichere Verständnis dessen aufgibt, was man unter dem Namen der Metapher und der Nachbarschaft wiederzuerkennen meint, kann man sich vielleicht der Nähe der Nachbarschaft nähern«.[18] So wird es in dieser Wendung ermöglicht, ein Geschehen zu erfahren, sich einer Unentscheidbarkeit auszusetzen, mithin kann es so - wenn es uns nun um die Metapher geht - möglich sein, sich mit den Metaphern in Bewegung zu setzen.

Was kann man aber nun (in dieser Zusammenführung) von Metapher und Nachbarschaft sagen? »Wir halten uns darin auf, wir bewegen uns darin«[19] - und zwar, wie hinzuzufügen ist, in einer Unbehandelbarkeit der Metapher, der »nicht handhabbaren (intraitable) Struktur, in die wir von vornherein hineingestellt sind und von der wir fortgetragen werden«.[20] Verflochten in ein Geschehen der Sprache, in eine »Reihe von verflochtenen Weisen, Wendungen, Modi, will sagen: von tropischen Figuren«, würde jedes der gebrauchten Wörter »selber schon in einem tropischen Zusammenhang stehen, es wäre bereits in tropischer Situation«.[21] Es ist ein Zusammenhang, eine Beziehung - im Sinn einer Beziehung, die überzieht (in tropischer und bewegter Spannung) -, die mit der Wendung ›Nachbarschaft-bei-gleichzeitiger-Unbehandelbarkeit‹ eingeführt wird und die vermag, sich in einem anderen Verständnis der Metapher über die Grenze und die Unterscheidung hinwegzusetzen (evtl. in einer aufgespannten, neuen Richtung?). Mit dieser Nachbarschaft ist ein Weg eröffnet worden, »der weder metaphorisch noch wörtlich zu verstehen ist und der die Frage nach der Metapher erneut aufwirft«, da er die Grenzen überschreitet.[22] - Wie läßt sich das Überschreiten der Grenze verstehen?

In einem Text zur ›poststrukturalistischen Metapherndiskussion‹ fasst David E. Wellbery den Grundgedanken von ihm zitierter Derrida-Passagen, die die oben aufgezeigte Unbehandelbarkeit der Metaphern betreffen, so zusammen: »kein Begriff der Metapher, der nicht seinerseits metaphorisch wäre«. In dieser Bestimmung, in der »poststrukturalistischen Reflexion über die Metapher« erkennt er etwas, das sich »als Bewegung der Grenzüberschreitung bemerkbar macht«.[23] Ich versuche, diese Überlegung ausgehend von der tropischen Situation zu fassen, in die hinein die Problematik der Metapher gestellt ist: die Bewegung der Grenzüberschreitung ist die Bewegung, in der die Tropen sich befinden, die Grenzüberschreitung ist die Bewegung der Worte, die das Schema aufgeteilter Bereiche abgelöst hat. Da es unmöglich ist, die Metapher zu definieren, kann sie nur übersetzt werden mithilfe einer weiteren Metapher, es ist »eine zusätzliche Metapher in dem Augenblick, in dem sich die Metapher entzieht und zugleich ihre Grenzen erweitert« und das Metaphorische damit entgrenzt.[24] Die Metapher dient dann nicht mehr zur Übertragung-über-Grenzen, was meint: der Konstitution der abgegrenzten und ausgrenzenden Bereiche. Sondern ihre Übertragung und Bewegung ist dann der Zug (retrait) der Metapher, ihre Wendung und Hinein-Wendung der Grenze, die (ein-wendend oder umwendend) erweitert wird, - vielleicht gar gesetzt wird, wenn die Metapher auf der Grenze geht, ihre Spur zieht?

Die gewohnte Bedeutung der Metapher, also gemäß (gemessen an) ihrer herkömmlichen Definition, bezog sich auf die Kategorisierung der unterstellten Bereiche, denen sie entnommen sein soll. Doch merkt Derrida dazu an: »Diese taxonomischen Prinzipien entstehen nicht aufgrund eines besonderen methodischen Problems. Sie unterstehen dem Begriff der Metapher und dessen System«, sie sind in die herkömmliche Bestimmung der Metapher eingeschrieben (im groben: das Schema von einwertiger Ontologie und zweiwertiger Logik). Sich der Metapher als Werkzeug zu bedienen, sie sich entgegenzustellen (Gegenstand), reicht nicht hin, reicht auch für eine Behandlung (Methodik) nicht, denn das verkennt die Tragweite des Problems: der Metapher. »Solange dieser Begriff nicht in Bewegung gesetzt wird, bleibt die methodologische Reform ohne Tragweite«.[25] Die in Bewegung gebrachten Begriffe, gleichsam Tropen und Metaphern, widersetzen sich einer eindeutigen Definition und Klassifikation in bezeichenbare Einheiten. In Bewegung gebracht, ihrer starren Bestimmung entbunden, ist den Metaphern ihre Tragweite und -fähigkeit zugestanden: ihre Supplementarität des Drucks und ihre Unbehandelbarkeit des Entzugs (beides ist mit dem Zug, der Spur ihrerseits in eine Einbeziehung und Spannung gebracht).

So wie de Man lehnt auch Derrida eine Unterscheidung in Begriff und Metapher ab, zudem stellt er »die gewöhnliche Auslegung der Metapher in Frage, die besagt, daß die Metapher in einer Übertragung des Sinnlichen auf das Intelligible besteht«.[26] Infolge dieses Umdenkens wird es also »notwendig, die […] klassische Opposition von Metapher und Begriff durch eine andere Verbindung zu ersetzen«, die hier - so lese ich es - als Nachbarschaft und Ununterscheidbarkeit angedacht ist, und es wird notwendig »den beruhigenden Gegensatz von Metaphorischem und Eigentlichem zu sprengen, innerhalb dessen sich beide immer nur spiegelten und ihre Strahlen reflektierten«.[27] Und gerade in diesem Gegensatz, in dieser Trennung soll - nach Derrida - das Metaphorische nicht aufgehoben sein. Wiederum bezieht er sich auf Heidegger und auf »das Mißtrauen, das der Metaphernbegriff« hervorruft. Heidegger bestimmt die Aufteilung so: »›Die Vorstellung von ›übertragen‹ und von der Metapher beruht auf der Unterscheidung, wenn nicht gar Trennung des Sinnlichen und Nicht-Sinnlichen als zweier für sich stehender Bereiche. Die Aufstellung dieser Scheidung […] ist ein Grundzug dessen, was Metaphysik heißt und das abendländische Denken maßgebend bestimmt‹«. Doch diese Unterscheidung erweist sich als hinfällig, dieses Denken als nicht mehr maßgebend, so daß sich für ihn ergibt: »›Mit der Einsicht in das Beschränkte der Metaphysik wird auch die maßgebende Vorstellung von der ›Metapher‹ hinfällig‹«.[28]

Doch was heißt das für meine Überlegungen, was bedeutet dieser zurückgelegte Bogen für das Überschreiten der Grenze? Eine Abgrenzung der Bereiche, die das Sinnliche und das Nicht-Sinnliche trennen, ist ebensowenig anzunehmen, wie das Modell der Übertragung über diese Bereiche. Was sich als unhaltbar erweist ist die Vorstellung einer bestimmten und bestimmenden, einer haltbaren Grenze. Was heißt das für die Grenze, die überschritten wird?

Das Überschreiten der Grenze ist als ein Entgrenzen zu verstehen. Die Grenze ist nicht mehr ein Äußeres, ein Äußeres der Bereiche, die getrennt aufgrund einer idealisierten Einheit und Bezeichenbarkeit sind. Was zwischen ihnen passiert oder genauer: was einzig passiert ist ein Zwischen, eine Bewegung der Wörter, die eine gewundene Struktur ausmachen (Wendung). Derrida versteht das Geschehen der Metapher nicht mehr in der Fassung von Einheiten, die »eine einfache und unteilbare Linie« als äußere Grenze umfasst, die unteilbar sein muß, da sie nicht thematisiert sein sollte (zumindest nach der gewohnten Bestimmung sollte ihre einzige Verwendung in der Pflege der Bereiche stehen (die ›gut eingesetzte Metapher‹)). Aber ist sie nicht auch unteilbar, da sie selbst teilt? Ist sie nicht auch nicht zu thematisieren, ohne ihren supplementären Zug zu erfahren? Setzt sie nicht erst in ihrer Verwendung, aus ihrem supplementären (Vorbei-)Zug, eine Spur, eine Grenze oder eine vorübergehende ›Teilung‹? Die Grenzüberschreitung liegt in der Hineinnahme der Grenze im Zuge einer Metapher.

Das Geschehen der Metapher, das retrait, ihr Entzug »hat die innere Vielfalt, die gefaltete Struktur eines doppelten Zuges«, die wir hineingestellt sehen in die sich stets wiederholende grenzenlose tropische Situation. Dieses Entgrenzen(de) des Metaphorischen kann »von dem sogenannten ›metaphysischen‹ Begriff nicht mehr festgehalten werden«.[29] Denn es zeigt sich die Hinfälligkeit der Metaphysik, es zeigt sich, wie unzureichend die Vorstellung der Auftrennung in Einheiten und Bezeichenbarkeiten ist, wenn Derrida anmerkt, daß »›der Text der Metaphysik von seiner Grenze nicht umgeben, sondern durchzogen, daß er in seinem Inneren von der vielfachen Furche seines Randes markiert‹ wird«.[30] Und es zeigt die Hinfälligkeit des herkömmlichen Schemas der Metapher, das dem Zug der Metapher nicht gewachsen ist. Mit dem Zug ist die Metapher also in Bewegung gesetzt. »Diese Bewegung ist nicht mehr einfach metaphorisch zu verstehen« [31]; sie ist auch nicht wörtlich zu verstehen: - sondern in »einer doppelten Faltung«, als retrait, als Metapher der Metapher: quasi-metaphorisch. Dieses Vielfache des Geschehens, die Einkehr oder das Einfalten der Grenze in das ›Innere‹, diese Auflösung der herkömmlichen Vorstellungen beschreibt den Entzug und den zusätzlichen Zug der Metapher, ihre Ein- und Entfaltung, die die Grenzen erweitern, in die Bewegung einziehen und das Geschehen durchziehen lassen, und es verlangt einen ebensolchen Umgang mit der Metapher, der eine Bewegung (mit der Metapher), ein prozessuales (?) Verständnis zuläßt.

5. Einkehr der Grenze und Aufstellen (Thema) der Grenze

In einer gewundenen Struktur, in die wir seit je her verwoben sind, die aus Wendungen besteht, wird die Metapher gedacht, eine Metapher, die jedoch ohne eine zuvor unterstellte Unterteilung auskommen muß. Doch sie besteht, sie geschieht - Man müßte allerdings vielmehr sagen, sie entzieht sich in ihrem Erscheinen: unwillkürlich bedient man sich ihrer, ja, man kommt nicht umhin, von ihr Gebrauch zu haben oder man braucht sie sogar notwendigerweise, doch in ihrem Gebrauch entzieht sie sich, sie verschwindet, wenn sie uneinholbar in der Ununterscheidbarkeit verschwindet, aus der sie aufgetaucht ist.[32] Die Metapher vollzieht eine Wendung, eine Bewegung, die ihre eigene Grenze mithineinnimmt in den (Kon)Text, in dem sie gebraucht wird, sie zieht diese als eine Spur in das Feld ein, das nun eher einer Nachbarschaft entspricht, einer unauflöslichen Beziehung (Gespanntheit), die die Grenze ihrer Funktion zu unterteilen enthebt.

Besteht somit die Differenz (Unterscheidung) nur in oder aufgrund einer Indifferenz (Ununterscheidbarkeit)? [33]

Wellbery erfasst als Derridas These, »daß jede Bestimmung der Metapher […] einer supplementären Metapher bedarf«, sie bestimmt sich nicht in Abgrenzung zu »anderen Formen des sprachlichen Ausdrucks« (zur Erinnerung: die »Aufspaltung findet nicht zwischen tropischer und eigentlicher […], zwischen wahrer und falscher Lektüre, sondern innerhalb der tropischen Kräfte selbst statt«), sie grenzt sich nicht ab, sondern sie nimmt die Grenzen ins Innere und wendet sich selbst ab, woraus Wellbery folgert: »daß Derrida die Metapher als Funktion der Unterscheidung, der Grenze, der Differenz denkt«. - Ist damit die Metapher selbst das Unterscheidende?

Besteht eine »Verwandtschaft mit der Grenze«, wie Wellbery im Hinblick auf ihre innere Struktur sagt? Wenn sich im Zuge der Metapher, d.h. also auch in der Bewegung ihrer Grenzüberschreitung, die ihr zugrundegelegte Unterscheidung als nicht tragfähig erweist, so würde dieses bedeuten, daß sich die Metapher nicht auf etwas bezieht, das sich außerhalb ihrer befindet (in einer idealisierten ›Eigentlichkeit‹). Im Gegenteil bezieht sie dieses Etwas in die Struktur ein, sowie sie selbst in die Struktur einbezogen wird - gleich einer doppelten/gleichzeitigen Bewegung des Ziehens/Zuges -; es ist eine ›Zone der Nachbarschaft und Unentscheidbarkeit‹ (G. Deleuze) [34], die nicht trennt, sondern aufeinander bezieht, und sich in eine Struktur und Faltung hineinverwebt. In jedem Moment, in jeder Aussage, gleich ob sie die Metapher (oder Übertragung oder Nachbarschaft/Beziehung) zu bestimmen sucht oder nicht (was aufgrund der tropischen Situation keinen Unterschied macht), gerät sie ›umso mehr‹ in das Geflecht hinein.[35] Wenn mit der Unbehandelbarkeit und dem Entzug/doppelten Zug der Metapher zudem die Unbestimmtheit der Bereiche zutage tritt, so bleibt allein etwas an ihrem Zug bestimmt, was sich als eine Spur lesen lassen könnte, die Differenz und Indifferenz auf sich bezieht, die die Bewegung der Trope und die Übertragung der Metapher markiert, sie jedoch dabei/damit (und auch oder gerade in der von ihr ausgehenden Unterscheidung) in einer Ununterschiedenheit bestehen läßt.

Wellbery bringt ein Beispiel: Die Aussage ›Der Mensch ist ein Wolf‹ ist nicht in einem wörtlichen Sinn zu verstehen, der den Menschen mit dem Wolf identifizierte, jedoch auch nicht in dem Sinne einer Übertragung, für die ›Mensch‹ und ›Wolf‹ bestimmbare oder identifizierbare äußere Gegebenheiten sind. Er folgert: daß die Metapher sich, »anstatt etwas über die Welt auszusagen, auf die Aussage selber und die ihr zugrundeliegende konzeptuelle Konfiguration zurückbiegt«, in dieser Faltung, deren Biegung Wellbery zu denken versucht, beläßt sie die Aussage in dieser (zitatähnlichen) Form.[36] Wenn der Metapher eine »Unterscheidungsstruktur« zugrundeliegt, nämlich: die »Grenze, die ›Mensch‹ und ›Wolf‹ auseinanderhält und aufeinander bezieht«, dann erklärt sich ihr Zug, ihre Spur, als »Thematisierung der Grenze als Paradoxie, als Einheit der Differenz und differentielle Einheit der metaphorisch relationierten Begriffe«.[37] Die Metapher, so könnte es gelesen werden, stellt eine Grenze auf, die jedoch nicht zwei Bereiche abtrennt, sondern eine Beziehung markiert, die in diesem Augenblick gegeben ist (zwischen vermeintlichen ›Gegensätzen‹). Sie ließe sich - nach Wellbery - beschreiben als »Gleichzeitigkeit« oder »Oszillation«, die jedoch »zu keinem Ergebnis - keinem ›Sinn‹ - führt« oder - bezogen auf meine Überlegungen -, die zu keiner restlosen Bestimmung einheitlicher Teile führt. Doch sie führt etwas anderes mit sich, denn »aufgelöst wird die Paradoxie erst dadurch«, daß eine zweite Grenze gezogen wird, »bei der sowohl ›Mensch‹ als auch ›Wolf‹ auf die gleiche Seite fallen, eine operationsfähige Grenze, die nicht mehr in Paradoxie schwebt. Dieser Schritt zu einer zweiten Unterscheidung (z.B. zur Abgrenzung der Klasse aller grausamen, einander rücksichtslos ausplündernden Tiere) hat den Effekt, die Paradoxie der Grenze zuzudecken«, die jedoch im weiteren ebenfalls paradoxieanfällig wird, und einer weiteren Verbergung bedarf. Wenn diese Funktionen der Metapher zugehören, so ließe sich ihr Zug bestimmen durch das gleichzeitige Entgrenzen und Setzen der Grenze als Paradoxie: »Was in ihr zusammengebracht wird, sind Differenzen; die Metapher ist ein Trennungskondensat«.[38]

Zusammengebracht - das soll hier entscheidender im Vordergrund stehen als das ›Paradoxale‹ der Metapherndefinition - werden Differenzen im Zug der Metapher, in einer Beziehung: in einem In-Beziehung-Setzen, einem Zusammen- oder Aufeinander-Beziehen der Differenzen und des ›Differenten‹, und ebenso in einem (Be-)Ziehen der Grenze und der Spur.

Zurückgreifend: Die Metapher entzieht sich ihrer Bestimmung, ihrer Behandlung. Sie erweist sich als unbehandelbar, kehrt aber in ihrer Befragung erneut ein, ist unabweisbar. Damit löst sie die Grenzen auf, die zwischen Bereichen bestehen, und bringt sie in (die Nähe) eine(r) Ununterscheidbarkeit. Es ist fraglich geworden auf einen Begriff der Metapher zu setzen, der von getrennten und eindeutigen Einheiten und von einer feststellbaren Abgrenzung ausgeht. Diese Abgrenzung ist nicht nur in diskriminierender Absicht fraglich, sie wird auch fraglich, da der Zug der Metapher nicht bedacht wird. Doch es ist gerade der Zug der Metapher, der die Eigenschaft ihres Verschwindens und Auftauchens ausmacht. Allein der Zug der Metapher, das Passieren des Zuges, kann noch Aufschluß darüber geben, was (mit der Metapher) geschieht. Die Metapher als Übertragung ist in Bewegung gesetzt, sie vollzieht Wendungen. Der Zug, der eine Spur zieht, zieht die Metapher (ihren Begriff, ihr Begreifen) in diese Wendungen, die die Grenzen überschreiten und das Abgegrenzte entgrenzen, - es zieht sich mit dieser Spur, in dieser gewundenen Struktur eine Grenze ein, die für den Augenblick besteht, die augenblicklich verschwindet, wenn man sich ihr nähert und dabei die Spur aufgreift und weiterzieht (man setzt und ist gesetzt in Bewegung). Dieser Zug der Metapher, diese Eigenschaft des Ziehens, setzt (die Bereiche, die kaum mehr als verdichtete Spuren sein mögen) in Beziehung. Die Metapher setzt sich über Unterscheidungen und Grenzen hinweg, wenn sie sich entzieht, eine Spur hinterläßt und für einen Augenblick eine Unentscheidbarkeit erstellt; gleichzeitig ziehen sich mit ihr im entscheidenden Augenblick in der Metaphern-Faltung (der supplementären Metapher) neue Spuren ein, die die Grenze mit (in die Wendung, in die gewundene Struktur) hineinnehmen.

6. Die Spur. Ein|Be|Ziehung

Wir bleiben bei diesem Zug der Metapher, die oder dessen Begriff in Bewegung gesetzt ist, die als Wendung in der gewundenen Struktur (im ›begrifflichen‹ Netz) einen Faden bildet, einen Faden zieht. In dieser Bewegung, die nicht mehr die übertragende Bewegung über zuvor getrennte abgegrenzte Bereiche ist, sondern die als solche diese Grenzen überschreitet, diese entgrenzt und ihrer Funktion enthebt, nimmt sich der Zug selber dieser Funktion an und sodann, die Grenze in sich einkehrend, zieht er diese selber. Ein Gefüge, eine Beziehung (der Nachbarschaft und Untrennbarkeit) ist es, die diese Bewegung einzieht und erstellt: Der »Zug als einzeichnender, furchenziehender Aufriß der Sprache«.[39]

Was passiert aber mit diesem Zug? Was passiert, wenn der Zug und der in Bewegung gesetzte Begriff (der Metapher) entscheidend werden, wenn sie hervortreten und wichtig werden gegenüber dem, von dem man in der herkömmlichen Bestimmung (der Metapher) meinte, es sei getrennt? Was geschieht im Hineinnehmen der Grenze im Zuge der Metapher, der in Bewegung gesetzten Sprache, wenn die Grenze nicht der umrundende Abschluß eindeutig bestimmbarer und behandelbarer Bereiche ist, sondern sich mit der Bestimmung und Behandlung (der Bewegung, in die man versetzt wird) erst diese Grenze einfindet, so daß man sich in einem Gewebe, einem Geflecht ›vielfacher Furchen‹ und auf/in Spuren findet?

Man kann nicht auf die Metapher verzichten, kann sich ihrer nicht bedienen, da sie verschwindet und sich wieder einfindet. Gibt man das herkömmliche Verständnis der Metapher auf, die sich eine solche Bewegung mit der Metapher nicht eingestanden hat, trotzdem diese wirkte, so könnte man die Sicherung und das Vorantreiben der vermeintlichen Abtrennung einstellen, und sich dem Geschehen (des eigenen Handelns), den sich vollziehenden Wendungen widmen, in die man sich eingespannt findet. Es geschieht etwas in dieser Wendung. Die zusätzliche Metapher, der in Bewegung gebrachte Begriff (dessen was geschieht) wiederholt die Metapher, läuft auf den Spuren, die gezogen sind. ›Man befindet sich in tropischer Situation‹. Zudem - das macht das Ereignis aus - verschiebt diese Wendung und Übertragung, dieser entscheidende Zug sich (in, mit oder durch das Gefüge - et vice versa), schiebt den Begriff auf.[40]

Die Abgrenzungen, die Eindeutigkeiten der Bereiche, deren Einheit und Verfassung werden aufgelöst, zugunsten eines prozessualen (?) Verständnisses, das eine Verbindung, ein In-Beziehung-Setzen dessen (zueinander) ermöglicht, was zuvor säuberlich getrennt gedacht war (die Bereiche; Methode und Gegenstand, Selbst und Anderer). Das Schema der (binären) Unterteilung, der Zweiwertigkeit und der Eindeutigkeit, das an seine (eigenen) Grenzen gekommen ist, wird abgelöst von einem Denken, das diese Grenzen denken kann, wenn es diese (in sich) einzieht. Bezogen auf die Entgegenstellung von Metapher und Begriff heißt das, den (Ent-)Zug der Metapher, ihre Bewegung (›retrait‹) zu denken: »Aber da dieser Entzug des Metaphorischen den Platz nicht für einen eigentlichen, wörtlichen Diskurs freigibt, wird er einen doppelten Sinn haben: den Sinn einer doppelten Faltung, eines Rück-zugs (›repli‹) - den Sinn dessen, was sich wie eine Welle vom Strand zurückzieht -, und den Sinn einer Rück-kehr, einer Wiederholung, durch die ein supplementärer Zug hinzukommt, den Sinn einer zusätzlichen Metapher, den Sinn einer durch einen doppelten Zug markierten Metapher (›re-trait de métaphore‹), den Sinn eines Diskurses, dessen rhetorischer Rand, dessen rhetorische Grenze oder Einfassung nicht mehr durch eine einfache und unteilbare Linie, durch einen linearen und nicht zerlegbaren Zug beschrieben werden kann«. So fassen wir mit Derrida den Zug der Metapher zusammen, seine Eigenheit erhält er in der Einfaltung der Grenze - wir wiederholen: »Dieser Zug hat die innere Vielfalt, die gefaltete Struktur eines doppelten Zuges. Der Entzug der Metapher führt zu einer ab-gründigen Verallgemeinerung des Metaphorischen - Metapher der Metapher im zweifachen Sinne -, die den Rahmen ausweitet oder vielmehr die Ränder invaginiert«. Der Entzug der Metapher, in Bewegung gesetzt mit dem Begriff, schafft keineswegs für etwas Raum, »was sich dem Metaphorischen entgegensetzen ließe; er würde jeden metaphorischen Zug über die Grenzen hinausziehen und mit einem zusätzlichen Mehrwert versehen«.[41]

Es geschieht, es ereignet sich etwas in dem Augenblick, in dem eine Metapher hinzukommt, eine andere verschwindet und zugleich die Grenzen erweitert und eingezogen werden, in dem sich eine Beziehung und eine Wendung in der Struktur/dem Geflecht, ergibt, die durch die Spur markiert wird. Die »Spur dieser Windung oder Krümmung des Laufs, dieser Ablenkung des Schrittes, die Spur dieses Umweges, dieses Vom-Wege-Abkommens« ist hier entscheidend. Der Zug, der die Grenze einzieht, zieht die Spur, er macht einen Aufriß (»es gibt den Zug und eine aufreißende Zeichnung des Zuges«). In dieser Spur, in diesem Aufriß stiftet der Zug Nachbarschaft, stellt eine Beziehung her. »Die Nachbarschaft ist also eine Beziehung (achten wir auf dieses Wort)«, so Derrida, »die dadurch entsteht, daß der eine in die Nähe des anderen, daß der eine den anderen in seine Nähe zieht, damit er sich dort ansiedelt«. Dieser Zug, der eine Beziehung, eine Öffnung erstellt, »ist der Riß, das bahnende Einzeichnen, das einschneidet, aufreißt, den Unterschied, die Grenze, den Rand, das Mal markiert«.[42] Derrida macht deutlich, dies nicht metaphorisch und nicht wörtlich zu verstehen: wir folgen darin also der Spur, dem Zug der Bewegung, in die wir hineinversetzt sind. Es sind der Entzug und doppelte Zug (retrait) der Metapher, die die Grenzen überschreiten, einbeziehen und in dieser Inbezugnahme eine ›Zone der Nachbarschaft‹ (Deleuze) erstellen, die in einer augenblicklichen Ununterscheidbarkeit die Unterscheidung verläßt zugunsten einer Beziehung, eines Zuges. Dieser Zug der Wendung, »der das eine auf das andere bezieht, der das eine zum anderen befördert« (das Bewegende der Metapher), setzt »das eine neben oder entlang dem anderen, aber nicht getrennt, wenn Trennung ›ins Bezugslose abgeschieden‹ meint«, setzt in Bewegung.

Und doch: »in eben dem Maße, in dem ein solcher Zug der Möglichkeit etwas sprachlich zu benennen, einen Weg bahnt […], läßt er sich selbst, als auftrennender Zug (›en tant qu'écartement‹), nicht nennen, weder wörtlich, eigentlich, noch metaphorisch. Nichts macht ihn als solchen vertraut«.[43]

7. Die Metapher und die différance, der Umweg

Es ist nun der Riß oder Zug (der Metapher), der »nichts ist«, der selbst nicht erscheint: »Er entzieht sich, er ist aufgrund seiner Struktur entzogen, im Entzug, als Unterschied, Abstand, Öffnung, Differentialität, Spur, Rand, Grenze, Ziehen (›traction‹), Ein-bruch usw.« […] Seine Einschreibung kommt nur an, indem sie verschwindet, sich auslöscht - was auch«, wie Derrida verbindet, »von der Spur und der ›différance‹ gilt«.[44]

Das soll uns in unseren Überlegungen weiterhelfen, die die Metapher befragten, um sich mit ihr, die uns fortbewegte, von der in Frage gestellten Abgrenzung der Bereiche zu lösen. Es soll diese Überlegungen auf etwas hinführen, das sich der Unterteilung und Abgrenzung widersetzt, jedoch entscheidend für das Geschehen ist. Was passiert also mit der ›différance‹? Was ist ihr Bezug, ihre Verbindung mit der Metapher?

Der Metapher, der die Bewegung (im Begriff) zugestanden ist, suppliiert sich ein Zug, eine Spur, die es aufzuspüren gilt. Es ist nötig, erneut bei diesem Zug (in diesen sich bewegenden Zug) einzusteigen. »Der Zug zieht oder traktiert sich (›le trait traite ou se trait‹), zeichnet den Zug, zeichnet den Entzug wieder und entzieht ihn, er zieht sich zusammen und schließt den Bund mit sich selbst, mit seinem Entzug […]«.[45] Ebenso - so ließe sich diese (doppelnde) Dynamik erweitern - zeichnet (sich) die Spur, zieht sich die Metapher, die Wendung in sich selbst ein, wobei sie (ihre) Grenzen ebenfalls ein(be)zieht. In dieser Bewegung, diesem Zug wird die Metapher fortgezogen, wird man, sie ›begreifend‹, mitgezogen (einbezogen). Im Geflecht, in diesem Netz, immer schon in ›tropischer Situation‹ verläuft die Bestimmung der Metapher, verläuft die Sprache in eine Richtung (fort), die sie in ihrer Bewegung erhält (im Beziehen, neben, entlang dessen, was sie einbezieht usw.).

Dieses Traktieren des Zuges oder der Wendung/Metapher, die uns und sich traktiert - dieses Traktieren »ist wirksam, werkbildend«.[46] Die Metapher, die in diesem Zug trennt und vereint, schafft das Ereignis, läßt es geschehen; sie ist entscheidend in dieser Traktion, in der Übersetzung und Vermittlung, die erst das Übertragende der Metapher verstehen lehrt. Man bleibt somit nicht bei den bestehenden Gegensätzen, den unterteilten Einheiten, der Trennung in Methode und Gegenstand, man löst sie auf, setzt sich selbst und sie in Bewegung.

Dieser Zug und diese Spur, von denen Derrida spricht, sind »weder passiv noch aktiv, weder einheitlich noch vielfältig, weder Subjekt noch Prädikat […].« Selbst unentschieden, bezogen auf diese Gegensätze, selbst nicht bestimmbar, da sich die Spur und der Zug ebenso der Fassung entziehen, wie bereits die Metapher sich in der Spur auflöste, so sind sie doch bestimmend, sind sie am Zug, bestimmen sie die Bewegung, das Geflecht. Außerhalb der Gegensätze, wenn man dies auf diese Weise vereinfachend sagen kann, schaffen sie erst einen Bereich. Nicht jedoch ist dies der festgestellte Bereich, der unterteilt und eindeutig gedacht werden kann, sondern es ist ein Bereich der Nachbarschaft, des Zueinanderbezogenseins, ein ›Zwischen‹ (außerhalb der Pole), das von einer Bewegung ermöglicht wurde und weitere ermöglichen wird. Bezogen auf den Zug (jedoch zu erweitern auf die Metapher, wie sie als Spur erkennbar ist) schreibt Derrida: »Er trennt in dem Maße, in dem er vereint. Alle Wert-Gegensätze«, wie sie zuvor zitiert wurden, »sind nur in dieser ›différance‹ möglich, in dem Zwischen ihrer Verschiebung und ihres Abstandes, das fügt und ebenso abgrenzt«.[47]

Ist von einer Beziehung von Metapher und ›différance‹ auszugehen? Sicherlich kann die ›différance‹ nicht als Metapher (in der herkömmlichen Bezeichnung) verstanden werden (auch nicht als ihr vermeintlicher Gegensatz: als Begriff); vermutlich ist auch die Metapher nicht einfach als ›différance‹ zu ›übersetzen‹. Und doch: die Spur, auf die gesetzt wir von der Metapher hierhergeführt wurden, liesse sich als ein Zug auffassen, mit dem Derrida Metapher und ›différance‹ verknüpft. Beide sind in dieser Weise aufeinander bezogen. Die ›différance‹, der Derrida einen »Charakter eines Einflechtens, eines Webens, eines Bindens«[48] zugesteht, flechtet und bindet sich in die Thematisierung und Auflösung (das retrait) der Metapher ein. Auf diese Weise mit dem Geflecht und der Spur verbunden, zeigen sich weitere Überschneidungen. Widersetzte oder entzog sich die Metapher einer Unterteilung in das Sensible und Intelligible (über das sie in ihrer herkömmlichen Definition als Übertragendes zu bestehen hatte), von der sie nicht erfasst werden kann, so zeigt sich: ebenso widersteht die ›différance‹ dieser grundlegenden Unterscheidung. Sie widersteht, »weil sie sie trägt«, sie »kündigt sich in einer Bewegung […] an«, die einen Raum eröffnet, der für einen Augenblick die von ihr Bewegten in einem »Zwischen«, zwischen den Unterschieden(en) »ansiedelt«.[49] Die ›différance‹ trägt, so wie die Metapher (über)trägt - beide tragen das Entscheidende des ›Zwischens‹ mit sich. Ein ›Zwischen der Verschiebung und des Abstandes‹, wie Derrida in der Zusammenführung der ›différance‹ und der Metapher (Zug, Spur) schreibt. Das ›Zwischen‹, das sich nicht auf die Pole und nicht auf ein dichotomes Modell reduzieren läßt, da es sich diesen entzieht, ergibt sich mit der Bewegung (des Entzuges), mit der dem ›Zwischen‹ eine Eigenheit eröffnet ist, die sich der zweiwertigen Ordnung widersetzt, da es diese mit der Bewegung übersteigt. Es ist das ›Zwischen‹, das der Spur und dem Zug, der Metapher und der ›différance‹ zuteil wird.

Für die ›différance‹ ergibt sich, so Derrida, ein »Umweg« und eine »Verschiebung« (als eine Bedeutung des lateinischen Wortes differe, die engere und zweite Bedeutung ist das: »nicht identisch sein, anders sein, erkennbar sein«; beide Bedeutungen gehen in die ›différance‹ ein, sind - so ließe sich vermuten - einander supplementär). Mit diesem Umweg, dieser Verschiebung läßt sich eine Bewegung erkennen, die zum Entscheidenden der ›différance‹ wird (die somit die Bedeutung des Trennens in sich einkehrt). Doch zeigt sich, daß die ›différance‹ »nicht einfach ein Begriff« ist, »sondern die Möglichkeit der Begrifflichkeit, des Begriffsprozesses und -systems überhaupt«.[50] Beschreibt sie das Spiel, den Zug (retrait) der Metapher, für das wir einzig ein prozessuales Verständnis als möglich erachteten? Beschreibt sie auf diesem Umweg, in dieser Verschiebung auf andere Weise den supplementären Zug, der sich in das eigene Fassen und Begreifen einzieht, und mit dem erfolgenden Entzug des Metaphorischen dies uns unfassbar werden läßt?

Wir werden sehen, daß dieser Zug der ›différance‹ »weder einfach aktiv noch passiv ist, sondern eher eine mediale Form ankündigt oder in Erinnerung ruft, eine Operation zum Ausdruck bringt, die keine Operation ist, die weder als Erleiden noch als Tätigkeit eines Subjektes, bezogen auf ein Objekt, weder von einem Handelnden noch von einem Leidenden aus, weder von diesen Termini ausgehend noch im Hinblick auf sie, sich denken läßt«.[51] Er verharrt dann unentschieden zwischen aktiv und passiv, verharrt in einer Bewegung des ›Zwischen‹, die ein Begreifen ermöglichen kann, das sich aber nicht in der Form des Begriffs auf seiten des Subjekts oder Objekts einfindet. Nicht die feststellbaren Einheiten, die erkennbar (different) sind, werden weiter befestigt, sondern befragt, in Frage gestellt und für ein Bedenken geöffnet wird diese erkennbare, begreifbare Differenz und abgrenzende Unterscheidung, - eröffnet für ein Verständnis dessen, was geschieht, für eine Veränderung der Wahrnehmung, die sich auf eine Bewegung (eine Metapher) einlassen kann. »Was sich différance schreibt, wäre also jene Spielbewegung, welche diese Differenzen, diese Effekte der Differenz«, die befragt werden, »durch das ›produziert‹, was nicht einfach Tätigkeit ist. Die différance, die diese Differenzen hervorbringt, geht ihnen nicht etwa in einer einfachen und an sich unmodifizierten, in-differenten Gegenwart voraus. Die différance ist der nicht-volle, nicht einfache Ursprung der Differenzen. Folglich kommt ihr der Name ›Ursprung‹ nicht mehr zu«.[52] Zum einen ergibt sich daraus für uns, die wir uns vom Begriff der Metapher forttragen lassen, daß sich durch eine Einflechtung mit der ›différance‹ zeigen lassen kann, wie der Zug der Metapher das Unterscheidende sein kann, was Differenzen produziert. Zum anderen löst sich dieses Unterscheidende aber aus der Unterscheidung erneut heraus (was uns als Entzug bei der Metapher vertraut geworden ist), wenn es eine Ununterschiedenheit ebenso mit sich bringt, was sich uns dadurch zeigt, daß Derrida die ›différance‹ als etwas denkt, das sich nicht in einer vorausgehenden Einheit fassen läßt, sondern im Zuge der zugestandenen Bewegung (Verschiebung) uns wiederum auf das Geflecht zurückbindet, auf die Spur kommen läßt.[53]

»Die Differenzen werden also von der différance ›produziert‹ - aufgeschoben«, so Derrida. Doch läßt die ›différance‹ die »Opposition von Tätigkeit und Passivität ebensowenig [zu], wie die von Ursache und Wirkung oder von Unbestimmtheit und Bestimmtheit usw.«[54] - Wie also lassen sich die ›Differenzen‹ verstehen; wie das Aufschieben, der Umweg, der sich (im Zuge der Metapher) im ›Begreifen‹ einfindet?

Die ›différance‹ »bezieht uns auf das, was, auch wenn wir es notwendig nicht wahrhaben wollen, die Alternative […] überschreitet«.[55] Sie bezieht uns - sie zieht uns ebenso mit in dieses ›Zwischen‹ ein, wenn wir mit ihr in Bewegung gesetzt werden, sie vollzieht diese Bewegung über den Umweg (ebenso wie die Metapher); in der Weise ihrer Bewegung zeichnet und zieht sie die Spur (die unbestimmt, aber nahezu bestimmend ist, die sich den Bestimmungen entzieht, so wie sie sich in ihnen erneut einfindet). Es ist nicht die Alternative, der Gegensatz, die zweiwertig eindeutige Ordnung (von Selbst und Anderem etc.), die Metapher und ›différance‹ beschreiben läßt, sondern ein Alterieren, ein Abändern, das auch dem Zug (retrait) der Metapher eigen ist.[56] Die ›différance‹ »sollizitiert« die Ordnung der Gegensätze, »in dem Sinne wie sollicitare im Altlatein die Bedeutung hat, etwas als Ganzes zu erschüttern, insgesamt ins Schwanken bringen«.[57] Darin, in diesem In-Bewegung-Setzen unterscheiden sich ›différance‹ und Metapher nicht, wenn sie in diesem Zug, in diesem Umweg und der Wendung, im Überschreiten und Einkehren der Grenze, eine Spur einziehen, auf Spuren dahinziehen, die ein Geflecht, eine gewundene Struktur ausmachen, in die wir hineingestellt sind und in der wir fortbewegt werden.

8. …auf einen Schluß hin. Eine Öffnung

Am Ausgangspunkt stand nicht die Metapher, so wie sie gefasst war, sondern in Frage stand die Abgrenzung und Unterscheidung der Bereiche. Befragt wurde, was entgegengesetzt war. »Man könnte auf diese Weise« - die uns der Zug der Metapher und die ›différance‹ (in Bewegung gesetzt und setzend) beibrachten - »alle Gegensatzpaare wieder aufgreifen […], um an ihnen nicht etwa das Erlöschen des Gegensatzes zu sehen, sondern eine Notwendigkeit, die sich so ankündigt, daß einer der Termini« des Gegensatzpaares »als différance des anderen erscheint, als der andere, in der Ökonomie des Gleichen unterschieden/aufgeschoben (différé), das Intelligible als von dem Sinnlichen sich unterscheidend (différant), als aufgeschobenes Sinnliches (différé) […]«.[58] Die Unterscheidung verbindet sich in dieser Beziehung (das Zueinander-in-die-Nähe-Ziehen) mit dem Aufschieben, dem Umweg, sowohl durch die ›différance‹ wie auch im Zug der Metapher. Die Unterscheidung ist ins Schwanken gebracht, ist in Bewegung gesetzt. Weder kann man sich der Unterscheidung/Bezeichnung entziehen, da sie sich als notwendig erweist, weder der Metapher oder der ›différance‹, die einen Druck ausüben, ist man entzogen, noch kann man aufgrund dieses Drucks (der Bewegung, des Prozesses) in der Bezeichnung und Unterscheidung, beim Unterschiedenen verbleiben.

Wurden auf den Spuren, die uns zogen und die wir zogen, die Unterscheidung, die Abgrenzung und Entgegensetzung des Einen und des Anderen befragt, so bleibt am vorläufigen und doch offenen Ende zu den befragten und vermeintlichen Begriffsgegensätzen zu sagen: »Der Eine ist nur der aufgeschobene andere (différé), der eine ist die différance des anderen. So wird jeder scheinbar strenge und irreduzible Gegensatz […], an dieser oder jener Stelle, für ›theoretische Fiktion‹ erklärt«.[59] Es ist der entscheidende Umweg, den der Zug der Metapher vollzieht, der sie an die Stellen des Geflechts führt und von ihnen wieder fortzieht.

Wir konnten nicht auf die Metapher verzichten, und doch sind wir nicht bei ihr(em Begriff) geblieben. Die Frage nach der Abgrenzung der Bereiche, die sich uns stellte, entzieht sich einer eindeutigen Bestimmung, und doch findet sie sich ein, stellt sie sich als Frage - und es gilt, sich daraufhin zu öffnen, diese Einkehr (der Frage nach der Grenze) als Chance wahrzunehmen, um zu verstehen, was geschieht.

Endnoten

  1. J. Derrida: "Die weiße Mythologie", S. 214.
  2. J. Derrida: "Der Entzug der Metapher", S. 341 [im folgenden EM abgekürzt], zu weiterem zur herkömmlichen Definition der Metapher vgl. die Erwähnungen in: ebd. S. 333; J. Derrida: "Die weiße Mythologie. Die Metapher im philosophischen Text", S. 219, 224, 226 [im folgenden WM abgekürzt]; J. Derrida: "Grammatologie", S. 471.
  3. Mit Indifferenz soll im Text eine Unentscheidbarkeit oder Ununterscheidbarkeit markiert werden, die nicht Differenz ist, die zur Differenz in einer Beziehung steht, dieser aber nicht als Differenz gegenüber gesetzt ist, insofern als sie sich nicht ohne weiteres dieser Unterscheidung unterstellt. Diese Verwendung soll dem anzunehmenden Umstand gerecht werden, daß mit der Unterscheidung immer neben dem Unterschiedenen auch Ununterschiedenes resultiert. Als Ununterschiedenes der Unterscheidung nicht einfach vorausgeht und auf diese wartet, um in ihr aufzugehen, sondern als (nichtaufgehender) ›Rest‹ und ›ständiger Begleiter‹ bleibt, dem die Tendenz des Unentscheidbaren/Unbestimmbaren zukommt. (Ggf. geht auch mit diesem Unentscheidbaren etwas einher, was dem Begriff der Unterscheidung nahekommt.)
  4. EM, S. 318.
  5. Anzumerken ist hier, daß die Wortwahl (ich verzichte auf die Zuschreibung "Begriffe") "Gegenstand" und "Methode" sich einer Verlegenheit verdankt, nicht präzise ihre Aufhängung in einem wie auch immer zweifelhaften Zusammenhang angeben zu können - vielleicht mag die Wortwahl aber noch im nachhinein einen Konnex liefern…
  6. EM, S. 318.
  7. EM, S. 338. Derrida bezieht dieses ›darüber‹ in der zitierten Passage auf das ›Sein‹ (nach Heidegger); hier allerdings wird der Bezug von mir dahingehend aufgeweitet, das ›Quasi-Metaphorische‹ auf die Analyse und Verwendung des Metaphorischen zu beziehen, um der Eigenart der Metapher Ausdruck zu verleihen, sich einer Bestimmung zu entziehen.
  8. Mit dem Verzicht auf die Metapher käme man der Auffassung von G. Deleuze nahe, vgl. dazu: G. Deleuze und F. Guattari, "Tausend Plateaus", S. 374; dies., "Kafka. Für eine kleine Literatur", S. 32, 51; G. Deleuze und Cl. Parnet, "Dialoge", S. 11, 25; und G. Deleuze: "Unterhandlungen", S. 46, 206.
  9. EM, S. 319.
  10. J. Derrida: "Grammatologie", S. 118.
  11. Alle Zitate, auch die von Locke in: P. de Man: "Epistemologie der Metapher", S. 416f [Hervorhebung durch mich], [im folgenden Ep abgekürzt].
  12. P. Sloterdijk: "Der operable Mensch"; vgl. auch die Anmerkung in Fußnote 28.
  13. Ep, S. 421.
  14. Ep, S. 427, S. 419.
  15. Ep, S. 421, EM, S. 331.
  16. EM, S. 333, S. 344ff. Nach der Formulierung ›Worte wie Blumen‹ Hölderlins beruft sich Heidegger auf eine Nachbarschaft von Dichten und Denken.
  17. (bzw. des in die tropische Bewegung gestellten Denkens…)
  18. EM, S. 345.
  19. EM, S. 345.
  20. EM, S. 327 (vgl. S. 332: "Wir sind, wenn wir von Sprache und Weg sprechen wollen, die ›uns stets schon voraus sind‹, immer schon mit dem Geflecht verflochten". Sind wir also auch verflochten in der Sprache, wenn wir Nachbarschaft sagen?)
  21. EM, S. 337 [Hervorhebung durch mich].
  22. EM, S. 347.
  23. D.E. Wellbery: "Retrait/Re-entry", S. 5f [im folgenden R abgekürzt].
  24. EM, S. 344.
  25. J. Derrida: "Die weiße Mythologie. Die Metapher im philosophischen Text", S. 215 [im folgenden WM abgekürzt].
  26. EM, S.326.
  27. WM, S. 251, 258.
  28. Zitiert nach WM, Anmerkung 31, S. 347. Der Kritik der Metaphysik folgt auch Derrida, doch kann in dieser Arbeit diese Tranche nicht im Vordergrund stehen. Anzumerken ist, daß die Kritik an ›einwertiger Ontologie‹ und ›zweiwertiger Logik‹ bei Sloterdijk ebenfalls auf die Metaphysik zielt.
  29. EM, S. 339, S. 341.
  30. Zitiert nach EM, S. 229 (Derrida zitiert sich selbst aus seinem Aufsatz "Die Différance", in: "Randgänge der Philosophie, a.a.O., dort: S. 49).
  31. EM, S. 344.
  32. Erst im weiteren, mit dem Hinzukommen der supplementären Metapher, mit dem Auftauchen deren entscheidenden Zugs wird eine Unterscheidung zurück ins Spiel kommen - dazu werden im Folgenden Ausführungen gemacht.
  33. Vgl. zu der Thematik von koexistierender Differenz und Indifferenz im Bezug auf die Metapher: J. Rancière: "Die Gemeinschaft der Gleichen" (und zur Koexistenz und Unent-/-unterscheidbarkeit nach wie vor: G. Deleuze).
  34. Zu dieser ›Zone der Nachbarschaft‹ oder der ›Ununterscheidbarkeit, Unentscheidbarkeit‹ bei Deleuze, vgl.: G. Deleuze und F. Guattari, "Was ist Philosophie?", passim; und Dies., "Tausend Plateaus", insb. S.317-422.
  35. Die Formulierung ›umso mehr‹ ist ungenau, da sie einen (unverwickelten) Anfangspunkt impliziert, von dem aber nicht ausgegangen werden kann, der nicht anzunehmen ist.
  36. Zitiert nach R, S. 8 - wenn sich auch meine Lesart teilweise von den Wellberyschen Gedanken abgelöst hat. Wellbery beruft sich auf das "re-entry" von Spencer-Brown, ausgehend von Passagen Derridas, in denen das "retrait", der Zug der Metapher von Derrida in ähnlicher Weise zergliedert wird. Derrida sieht in der gewundenen Struktur der Metaphern oder im begrifflichen Netz (kein Unterschied!) jeden Versuch der Bestimmung oder des Begreifens einer Metapher (mithin die Unterscheidung) als weitere Metapher an (die Metaphern-Faltung, die Quasi-Metapher). "[…] jeder Faden in diesem Netz [bildet] eine Wendung (tour)", wenn der Begriff in Bewegung gesetzt wird, wenn das Begreifen der Metapher in Bewegung gesetzt wird, und als Bewegung eine Wendung (mithin die Metapher) vollzieht (eine Spur zieht). Insofern gilt auch für Derrida - hier gedacht in Beziehung, Nähe und Nachbarschaft der un-unterschiedenen Bereiche - ›ähnlich‹ dem Zug der Metapher: "Das Definierte ist also im Definierenden der Definition mit eingeschlossen" (WM, S.223; vgl. bei Derrida auch: ebd. S.244 und EM, S.329; bei Wellbery: R, insb. S.10ff). Diese Tranche wird hier nicht weiter verfolgt. Festgehalten wird jedoch, daß sich die Paradoxie, die Wellbery in Derridas Sätzen ausfindig zu machen versucht, nicht ›einstellt‹. Vielleicht vermag sie als Paradoxie den Zug der Metapher, den Druck, den sie auslöst, zu ergründen. Für unsere Überlegungen soll diese Form der Einkehrung wichtig bleiben, die nicht bei sich selbst bleibt, nicht in sich selbst ruht, sondern zur Unruhe und Bewegung (mit der Metapher) anstiftet. Die Metapher kehrt die Grenzen ein, ihre Grenzen oder die Abgrenzungen, die sie überschreitet und entgrenzt, doch zugleich zieht sie diese Grenzen, wenn wir diese im Sinne der Spur und der gewundenen Struktur (Wendung, die gestiftete Bewegung der Metapher) verstehen müssen.
  37. R, S. 8f.
  38. R, S. 9.
  39. EM, S. 322. In den folgenden Zitaten bezieht Derrida die Auslegung der Metapher, das Aufweisen des ›retreit‹ der Metapher insbesondere auf Heidegger. Diesen Verwicklungen kann hier aber nicht nachgegangen werden.
  40. Vgl. EM, S. 338.
  41. EM, S. 339f.
  42. EM, S. 344ff., S. 347.
  43. EM, S. 347.
  44. EM, S. 347ff.
  45. EM, S. 351.
  46. EM, S. 351f.
  47. EM, S. 353. [Hervorhebung durch mich; A.L.]
  48. J. Derrida: "Die Différance", in: "Randgänge der Philosophie, a.a.O. [im folgenden D abgekürzt], S. 30. Derrida spricht vom ›Bündel‹, das der ›différance› den erwähnten Charakter verleiht.
  49. D, S. 31.
  50. D, S. 33f, S. 37.
  51. D, S. 34.
  52. D, S. 37.
  53. Vgl. dazu: D, S.38. Dort schreibt Derrida, bezogen auf ein mit Differenzen arbeitendes Sprachsystem: "Ich habe auf die Absicht, aus der Geschlossenheit dieses Schemas hinauszukommen, mittels der ›Spur‹ hinzuweisen versucht, die ebensowenig Effekt ist, wie sie eine Ursache hat, die jedoch für sich allein, außerhalb des Textes, nicht zur notwendigen Überschreitung hinreicht." Folglich bezeichnet er mit ›différance‹ "jene Bewegung, durch die sich die Sprache oder jeder Code, jedes Verweisungssystem […] als Gewebe von Differenzen konstituiert."
  54. D, S. 40ff. Es ist, wie Derrida betont, nicht ein Subjekt oder Bewußtsein, was hier unterscheidet/aufschiebt.
  55. D, S. 46 [Hervorhebung durch mich; A.L.]. Derrida schreibt hier, um es genau wiederzugeben von der "Alternative von Gegenwart und Abwesenheit". Doch entnehme ich die Alternative diesem Zusammenhang und beziehe sie auf die sogenannten Gegensätze als solche, die Derrida zuvor erwähnte.
  56. Vgl. dazu: EM, S. 335. Zum Begriff des Alterierens: Jean Baudrillard, "Das radikale Denken".
  57. D, S. 47.
  58. D, S. 43.
  59. D, S. 44.

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