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Bernd Ternes
Schritte zu einer Synthesis von Physik und sozialem Leben
Zu Andreas Hellmanns großer Arbeit Perspektiven der Lebensenergieforschungen im 20. Jahrhundert. Die Rekonstruktion der Orgonphysik Wilhelm Reichs im Hinblick auf einen lebensenergetisch fundierten Begriff des Lebens
(Tectum Verlag, Marburg 2004, ISBN 3-8288-8617-5, 25,90 Euro, 259 Seiten)

I

Wilhelm Reich? Ja, Wilhelm Reich. Und zwar nicht der durch seine Analyse des Sexus und des Faschismus bekannte Reich, sondern der Entdecker, Erfinder und Experimentator Reich, dessen Orgonphysik im Zen-trum der Rekonstruktion steht.
Man kommt nicht umhin, diese große, im besten Sinne interdisziplinäre und dabei zugleich philosophisch geleitete Arbeit von Andreas Hellmann wissenschaftstheoretisch und wissenschaftspolitisch zu "verorten", da sich in einer ungewohnten Verwobenheit das Thema der Arbeit, Lebensenergieforschungen, mit der Wis-senschaft als sozialem System reibt, wie auch der zentraler Topos des Inhalts, die Orgonphysik, sich automatisch mit erkenntnistheoretischen Fragestellungen in Verbindung bringt. Wenn, um mit letzterem zu beginnen, Richard Rorty in seinem Buch Ironie, Kontingenz und Solidarität schreibt:

Wenn wir den Versuch aufgeben, die Idee einer [...] nicht-menschlichen Sprache mit Sinn zu erfüllen, dann werden wir nicht mehr in Versuchung sein, die triviale Aussage, daß die Welt die Ursache dafür sein kann, daß wir einen Satz mit Recht für wahr halten, zu verwechseln mit der Behauptung, daß die Welt sich selbst, aus eigenem Antrieb, in satzförmige Stücke namens ‚Tatsachen' aufteilt

, so gilt der Tatbestand der Verwechslung sicher in übergroßem Maß für die ‚etablierte' Wissenschaft: und zwar sowohl im Sinne der Abwehr all derjenigen Weisen, wissenschaftlich Erleben zu verarbeiten, die be-haupten, einer Tatsache auf die Spur gekommen zu sein, wie auch im Sinne der Abwehr all derjenigen Wei-sen von Wissenschaft, die behaupten, dass kein Satz tatsächlich Tatsachen zu repräsentieren vermag. Hellmanns Arbeit rekonstruiert gerade an den erkenntnistheoretisch ‚extremen', der Darstellung entweder schwer oder nur völlig anders denn wissenschaftlich konventionalisiert zugänglichen Gegenständen namens Orgon und Lebensenergie, wie bestimmte Matrizen der Beobachtung, der Darstellung und der Konstruktion innerhalb der Wissenschaft in eine Kippstellung geraten, sobald das Verhältnis von Welt und Satz, von Ding und Wort, von sichtbar und unsichtbar durch konkurrierende Beobachtungen beschrieben wird.
Damit wäre man schon in der wissenschaftspolitischen Dimension angelangt: Hellmann schreibt im Wissen um die zutreffende Aussage Luhmanns, dass es das Wissenschaftssystem ist, das bestimmt, was Wissen-schaft ist und was nicht (vergleichbar dem Rechtssystem, das bestimmt, was Recht ist und was nicht). Luh-mann schreibt im Buch Die Wissenschaft der Gesellschaft:

Während das Subjekt als Symbol der Inklusion fungiert, kommt im Erfordernis der Intersubjektivität das Diabol zum Vorschein. [...] Als Subjekt hat jeder Anspruch, mit seinem Zweifel gehört zu werden. Im Kon-text der Intersubjektivität werden Zweifel gewichtet und in Grenzfällen aus der Kommunikation ausge-schlossen. Dem Zweifler wird dann nicht seine Subjektivität bestritten, aber, was er äußert, wird als eine bloß subjektive Meinung genommen und, wenn die Abweichung hinreichend drastisch ist, der Psychiatrie überantwortet. Auch kommt es auf dieser Grundlage zur Absonderung von ‚Para'-Wissenschaften, die, wenn hinreichend erfolgreich, gleichwohl Erkenntnisse an die offiziell anerkannte Wissenschaft abgeben können.

Exakt diese Exklusion der Lebensenergieforschung, speziell die Orgonenergie-Forschungen Wilhelm Reichs, aus dem akademisch und institutionell etablierten Wissenschaftsbereich, in eins mit der Rekonstruktion der Erkenntnisse des vermeintlich abgespaltenen Wissenschaftszweiges, markieren wissenschaftspolitisch und wissenschaftstheoretisch (um nicht zu sagen: erkenntnispraktisch) die Ausgangslage und Durchführung der Hellmannschen Studie. Dabei begeht Hellmann nicht den (vermutlich:) Fehler, aus der Tatsache des Ausge-schlossenwerdens automatisch eine Wahrheit oder eine höhere Approximationskompetenz der betreffenden Forschungen zu folgern. Dafür ist seine Kenntnis der diesbezüglichen Schriften Foucaults zu klar; und auch sein Nachweis, wie weit Reich selbst noch zumindest teilweise in mechanistischen Erklärungsschemata dachte bzw. dem etablierten naturwissenschaftlichen Denken nachhing, weist die Studie aus als eine, der es nicht um eine Parteinahme geht, sondern darum, im besten Sinne argumentativ rekonstruierend Erkenntnisse über das Mirakel Leben zu erörtern. Und dies im Wissen, dass (nochmals Rorty) die "Welt die Ursache dafür sein kann, daß wir einen Satz mit Recht für wahr halten", daß dies aber nicht bedeutet, "daß die Welt sich selbst, aus eigenem Antrieb, in satzförmige Stücke namens ‚Tatsachen' aufteilt".

II

Die Studie beginnt mit einer Einleitung in die Lebensenergie-Forschung nicht nur Reichs, vor allem aber mit dem Aufweis einer 100 Jahre währenden Forschungstradition, der als unterdrückte oder verdeckte Geschich-te nachgegangen werden soll. Das Werk Reichs steht also, so Hellmann, durchaus in einem weiten Kontext paralleler Arbeiten auf naturwissenschaftlichem Gebiet und sei daher, da selbst interdisziplinär angelegt, höchst anschlussfähig an verschiedene zeitgenössische Theorien, interessanterweise auch an philosophische, speziell technikphilosophische und an soziologische Theorieansätze. So gibt Hellmann Hinweise, dass mit-hilfe der (physikalisch ausgerichteten) Lebens-Forschung bestimmte geisteswissenschaftliche Kategorien (Physis, das Außen, die Immanenz, das Werden, das transzendentale Feld), die zumeist eine ‚metaphysische Vagheit' darstellen, nun "hyperraumphysikalisch beschreibbar und technisch handhabbar" geworden sind. Die politische Dimension seiner Studie formuliert Hellmann sehr präzise und zitierwürdig in seiner zweiten These zur Arbeit: "Während die mechanistische Betrachtung des Lebens den öffentlichen und den universitä-ren Diskurs dominiert, und die lebensenergetisch orientierten Ansätze öffentlich abgestraft und/oder weitge-hend unterdrückt werden, sind gleichzeitig Techniken auf der Basis gerade dieser Erkenntnisse über die Le-bensenergie entwickelt worden und einsetzbar, die darauf abzielen, über den Hyperraum direkt in die Le-bensprozesse einzugreifen und den Lebensfluss, der alles erschafft, zu kontrollieren." Entlang der beiden Begriffetripel Äther, Vakuum, Lebensenergie sowie Felder, energetische Strukturen und Information kommt der Autor zu einer kursorischen Kontextualisierung der für das Thema Lebensenergie wichtigen Gedanken Reichs, Teslas und Deleuzes, die in die Formulierung eines zentrales Anliegens seiner Studie mündet: "Es ist notwendig, philosophische Termini mit aktuellen naturwissenschaftlichen Theorien und deren Begrifflich-keiten zu verbinden, um diese beiden wiederum an eine aisthesische Theorie zu koppeln, die sagen können muss, was lebendige Erfahrung von Lebensprozessen ist."
Hellmann lässt dem eine Feindifferenzierung des Erkenntnisgegenstandes "Lebensenergie" folgen, die dem Leser Dauer und Konzentration, jedoch nie Mühe abverlangt. Die Begrifflichkeiten Äther, Vakuum und eben Lebensenergie werden entlang der dazu gemachten Terme, Gedanken und Erkenntnisse von Nikola Tesla, Edmond T. Whittaker, Thomas Bearden, Harold Puthoff, Gerald Feinberg, Moray B. King, Hans Nieper, Shiuji Inomata, John Davidson und Bruno Steimle auf eine Weise entfaltet, dass auch naturwissenschaftlich Ungebildete nicht verloren gehen. Ausgewiesen wird damit nicht nur ein enormes Lesevolumen Hellmanns, sondern die Tatsache, wie vielfältig und keineswegs parawissenschaftlich sich die Frage nach der Lebens-energie gestellt hat und unterschiedlich, doch nicht divergent beantwortet wurde und wird.
Hellmanns methodologischer Ansatz, "philosophische Termini mit aktuellen naturwissenschaftlichen Theo-rien und deren Begrifflichkeiten zu verbinden", zeigt sich in seiner Beschäftigung mit modernen Eidos-Theorien, die als Theorie formender Felder, als energetische Strukturen und als Informationsstrukturen re-formuliert werden; damit geht der Autor ein zweites Mal in die ‚naturwissenschaftlich' schwierige Materie hinein. Im Focus stehen Rupert Sheldrakes Theorie der morphogenetischen Felder, Harold Saxton Burrs Theorie des elektrodynamischen Feldes (auch Lebensfeld genannt), vor allem aber Burckhard Heims allge-meine Feldtheorie mit seiner Entfaltung der Welt in sechs Dimensionen; sowie David Bohms Theorie der Impliziten Ordnung, Georges Lakhovskys Forschungen über die Zellkommunikation ("natürliche Zell-schwingung"), und Royal Raymond Rifes Resonanztheorie.
Erst dann geht es zu Reich und seiner Bionenforschung. Man erfährt Erhellendes zum Entdeckungskontext und zu den Entdeckungsproblemen des Orgons (1938), zum Oranur-Experiment und zum Einstieg Reichs in die ökologische Grundlagenforschung (1951) - unterfüttert mit der These Hellmanns, daß die Reichsche or-gonomische Wissenschaft eine langanhaltende Entwicklung der abendländischen Wissenschaft umkehrt, nämlich die "Entwicklung zu immer unsinnlicherem und abstrakterem Denken" -, und schließlich Einsichten in die Krebsforschung Reichs. Eine umfangreiche wissenschaftshistorische Rekonstruktion der Lebensener-gieforschung um 1900 und damit eine vielschichtige Referenz zur Beurteilung des ‚heutigen' Umgangs der ‚community' mit ebendieser Forschungsrichtung bildet für Hellmann den Vorlauf für eine theorieumfangs-große Analyse der "Pulsation des Lebendigen", nicht ohne Hinweise auf die Anschlussfähigkeit der Reich-schen Überlegungen zu kurrenten Theorien (etwa der der Autopoiesis).
Hellmanns Suche nach vielfältigen Korrespondenzen zwischen Reich und anderen, kurrenten Theorien/ Vo-kabularien ist von einer nachahmenswerten Vorsicht bestimmt, die nicht ablässt vom Status der Befragung. Sei es die Ermittlung von Eigenschaften der Orgonenergie und von zentralen Charakteristika der Äthertheo-rie (man beachte den kategorialen Unterschied zwischen Theorie und ‚Gegenstand'!); sei es die Erkundung orgonomischer Funktionsgesetze in den Erkenntnissen Reichs; sei es das Aufspüren von Kohärenzen zwi-schen der Lebensenergie-Thematik und den modernen Feldtheorien; oder sei es die Rekonstruktion des schwierigen Verhältnisses zwischen Reich und Deleuze - hier kommt Hellmann auf bestimmte Schieflagen der Deleuzeschen Rezeption ausschließlich des Frühwerks Reichs zu sprechen und behauptet generell eine gewisse Unterkomplexität der Deleuzeschen ‚Außen-Theorie' im Vergleich zur Reichschen Orgonener-gie(theorie).
Hellmanns detaillierte Detektion der vielfältigen Theoreme und Ansätze verfolgt keinen Selbstzweck. Sie ist fokussiert auf grundsätzliche Fragen, die an Wichtigkeit in den letzten Dezennien zugenommen haben. Be-stehen lebensenergetische Naturgesetze? Wie können sie bestehende und anerkannte Naturgesetze ergänzen oder verändern? Und: Ob und wie die von Reich entdeckte Orgonenergie als "Grenzgänger zwischen unserer mit den Sinnen erfahrbaren materiellen Welt und höherdimensionalen Räumen" aufzufassen sei. Interessant ist dabei, wie Hellmann Reichs Theorie mit der Theorie operational geschlossener Systeme und von der des Chaos resp. der dissipativen Strukturen einerseits in Beziehung setzt, andererseits von einigen zentralen Aspekten der letzteren abgrenzt und dafür andere Theorien, die Theorie des physikalischen Vakuums (Whit-taker, Bearden, King), die Theorie der morphogenetischen Felder (Sheldrake) und die Implosionstheorie Viktor Schaubergers, als Referenz hineinnimmt.
"Geschichtsphilosophische und technikphilosophische Überlegungen zum Reichschen Werk", so das ab-schließende vierte Kapitel der Arbeit, öffnet mit den Referenzen Aisthesis, Geschichte und Technik im be-sten Sinne des Wortes Perspektiven für eine zukünftige Pragmatik der Orgonphysik Reichs. Mit Reichs Er-kenntnissen, so Hellmann, wird klar, was das Wort ‚körperlich' in dem Terminus körperliche Wahrnehmung überhaupt bedeutet; mit ihnen, speziell den Erkenntnissen über Äthertechniken, wird es möglich, eine neue Weise der historischen Rekonstruktion von Kultur- und Sozialtechniken menschlicher Gesellschaften zu entwerfen; mit ihnen sei es schließlich möglich, eine ernste "Ablösung tief verinnerlichter Gewohnheiten des Umgangs mit Natur durch eine nicht beherrschen wollende Operativität" von Technik einzuleiten. An tech-nikphilosophische Überlegungen Gotthard Günthers anknüpfend führt Hellmann aus, dass Reich "sicherlich mit Günther (und damit gegen Heidegger) einer Meinung gewesen wäre, dass die Weltgeschichte nicht mit dem aktuellen destruktiven, zweiwertigen, nihilistischen (Still)Stand der Technik endet, und dass eine Fort-entwicklung der Geschichte über den gegenwärtigen Zustand hinaus mit der Technik zu tun hat" und gelangt daran anschließend zu der Hypothese, dass mit der Reichschen Orgontheorie und -technik eine im Günther-schen Sinne transklassische Technikkonzeption vorliegt. Vermutet gehöre die Reichsche Forschung, der An-satz der Orgontheorie, "bereits zu jener Epoche [...], die Gotthard Günther die Weltgeschichte des Nichts nennt."
Die Arbeit endet optimistisch: "Tiefere Schichten der Lebensenergien, des Lebensenergiespektrums, können, wie ich glaube, definitiv nicht mehr für selbstsüchtige oder für Zwecke der Manipulation eingesetzt werden. Irgendwo - noch über das Orgon hinaus - beginnt wirklich das Unverfügbare".

III

Hellmann verbindet in seiner glänzend geschriebenen, vorzüglich gegliederten und stupendes Wissen aus-breitenden Studie, die den der Materie unkundigen Leser so herausfordert, dass er versteht, was ihn überfor-dert, die allseits gewünschte und geforderte Auseinandersetzung der Philosophie mit den Paradigmen, The-men und Gegenständen naturwissenschaftlicher Provenienz mit einer genuin nichtnaturwissenschaftlichen Kritik; er stellt Beziehungen fest zwischen avancierter philosophischer Theoriebildung und den Theorem Reichs bzw. der Lebensenergieforschung und hält sich gleichsam auch hier an eine distanzierte Beobach-tung, die ihm erlaubt, im verschlungenen Gewebe aus etablierter Naturwissenschaft, geächteter Lebenswis-senschaft und kritischer Lebens-Philosophie Brüche und Gemeinsamkeiten auszumachen, wo eher Gemein-samkeiten und Brüche vermutet werden könnten.
Humberto R. Maturana sprach einmal davon, dass er zu Beginn seiner Autopoiesis-Forschungen den An-spruch an sich stellte, zur Plausibilisierung seiner Theorie nicht etwa das Modell autopoietischen Lebens zu simulieren, sondern das autopoietische Leben selbst. Es war der Anspruch, zum "Ding an sich" zu kommen. - Nämlichen Anspruch, so ist von Hellmann zu erfahren, hatte Reich: Für ihn war Orgon tatsächlich das (Lebensenergie-)Ding an sich, das aufsuchbar ist, mit dem man immer in einem "orgonotischen Kontakt" steht. Diese erkenntnistheorietranszendierende Einstellung scheint meiner Meinung nach verantwortlich zu sein dafür, dass Hellmann in der Arbeit manches Mal seine ‚Adressierung' wechselt: Mal ist die Lebens-energie der ‚Gegenstand' der Erkenntnis, mal ist der Gegenstand die Lebensenergietheorie Reichs, mal ist die Erkenntnis der Theorie der Lebensenergie Gegenstand der Erkenntnis.
Den Stellenwert der Hellmannschen Rekonstruktion kann man am besten in drei Dimensionen hervorheben: einmal leistet sie eine überfällige Darstellung eines sowohl vernachlässigten wie unterdrückten als auch im Verborgenen gefährlich benutzten Wissens vom Leben und damit in eins eine Entstigmatisierung vor allem Wilhelm Reichs; sie leistet zum zweiten eine exemplarische Darstellung der Ein- und Ausschließungsvor-gänge innerhalb und an der Grenze der "wissenschaftlichen Gemeinschaft", die nicht nur mit symbolischer Gewalt bewerkstelligt werden; und sie leistet die Eröffnung eines politisch brisanten Horizontes der Gesell-schaften im 21. Jahrhundert. Hellmann: "Wenn Spitzenphysiker wie Burkhard Heim oder Thomas Bearden heute sagen, dass der Einsatz von Hyperraumwellen, das Vermögen, technisch in die Prozesse des Vakuums einzugreifen, zu den wichtigsten Aufgaben und Errungenschaften des 21. Jahrhunderts zählen wird, heißt dies, dass es unter anderem diese Techniken sind, die zur Grundausstattung der sich herausbildenden Weltge-sellschaft (Luhmann) bzw. Kontrollgesellschaften (Foucault, Deleuze) und der globalisierten Welt gehören werden. Die die Disziplinargesellschaften ablösenden Kontrollgesellschaften wären dann vor allen Dingen auch zeitbeherrschende Gesellschaften. Kontrolle hätte etwas zu tun mit der Kontrolle des Vakuums."
Mit der großen Studie Hellmanns steht eine wissenschaftlich, politisch und philosophisch orientierende Re-konstruktion des zunehmend traktierten Begriffs namens Leben zur Verfügung. Sie erlaubt, von den gegen-wärtig hegemonialen biotechnologischen Zugriffen auf das Leben abzusehen und Einblick zu gewinnen in die Unangemessenheit ebendieser Aneignungstechniken. Vor allem: Sie erlaubt den Sozial- und Geisteswis-senschaften jenseits moralischer Behauptungen in einem Terrain mitzusprechen, in dem sie zunehmend ver-drängt werden.

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