|
I
Wilhelm Reich?
Ja, Wilhelm Reich. Und zwar nicht der durch seine Analyse des Sexus
und des Faschismus bekannte Reich, sondern der Entdecker, Erfinder
und Experimentator Reich, dessen Orgonphysik im Zen-trum der Rekonstruktion
steht.
Man kommt nicht umhin, diese große, im besten Sinne interdisziplinäre
und dabei zugleich philosophisch geleitete Arbeit von Andreas Hellmann
wissenschaftstheoretisch und wissenschaftspolitisch zu "verorten",
da sich in einer ungewohnten Verwobenheit das Thema der Arbeit,
Lebensenergieforschungen, mit der Wis-senschaft als sozialem System
reibt, wie auch der zentraler Topos des Inhalts, die Orgonphysik,
sich automatisch mit erkenntnistheoretischen Fragestellungen in
Verbindung bringt. Wenn, um mit letzterem zu beginnen, Richard Rorty
in seinem Buch Ironie, Kontingenz und Solidarität schreibt:
Wenn wir
den Versuch aufgeben, die Idee einer [...] nicht-menschlichen
Sprache mit Sinn zu erfüllen, dann werden wir nicht mehr in Versuchung
sein, die triviale Aussage, daß die Welt die Ursache dafür sein
kann, daß wir einen Satz mit Recht für wahr halten, zu verwechseln
mit der Behauptung, daß die Welt sich selbst, aus eigenem Antrieb,
in satzförmige Stücke namens ‚Tatsachen' aufteilt
, so gilt der
Tatbestand der Verwechslung sicher in übergroßem Maß für die ‚etablierte'
Wissenschaft: und zwar sowohl im Sinne der Abwehr all derjenigen
Weisen, wissenschaftlich Erleben zu verarbeiten, die be-haupten,
einer Tatsache auf die Spur gekommen zu sein, wie auch im Sinne
der Abwehr all derjenigen Wei-sen von Wissenschaft, die behaupten,
dass kein Satz tatsächlich Tatsachen zu repräsentieren vermag. Hellmanns
Arbeit rekonstruiert gerade an den erkenntnistheoretisch ‚extremen',
der Darstellung entweder schwer oder nur völlig anders denn wissenschaftlich
konventionalisiert zugänglichen Gegenständen namens Orgon und Lebensenergie,
wie bestimmte Matrizen der Beobachtung, der Darstellung und der
Konstruktion innerhalb der Wissenschaft in eine Kippstellung geraten,
sobald das Verhältnis von Welt und Satz, von Ding und Wort, von
sichtbar und unsichtbar durch konkurrierende Beobachtungen beschrieben
wird.
Damit wäre man schon in der wissenschaftspolitischen Dimension angelangt:
Hellmann schreibt im Wissen um die zutreffende Aussage Luhmanns,
dass es das Wissenschaftssystem ist, das bestimmt, was Wissen-schaft
ist und was nicht (vergleichbar dem Rechtssystem, das bestimmt,
was Recht ist und was nicht). Luh-mann schreibt im Buch Die Wissenschaft
der Gesellschaft:
Während das
Subjekt als Symbol der Inklusion fungiert, kommt im Erfordernis
der Intersubjektivität das Diabol zum Vorschein. [...] Als Subjekt
hat jeder Anspruch, mit seinem Zweifel gehört zu werden. Im Kon-text
der Intersubjektivität werden Zweifel gewichtet und in Grenzfällen
aus der Kommunikation ausge-schlossen. Dem Zweifler wird dann
nicht seine Subjektivität bestritten, aber, was er äußert, wird
als eine bloß subjektive Meinung genommen und, wenn die Abweichung
hinreichend drastisch ist, der Psychiatrie überantwortet. Auch
kommt es auf dieser Grundlage zur Absonderung von ‚Para'-Wissenschaften,
die, wenn hinreichend erfolgreich, gleichwohl Erkenntnisse an
die offiziell anerkannte Wissenschaft abgeben können.
Exakt diese
Exklusion der Lebensenergieforschung, speziell die Orgonenergie-Forschungen
Wilhelm Reichs, aus dem akademisch und institutionell etablierten
Wissenschaftsbereich, in eins mit der Rekonstruktion der Erkenntnisse
des vermeintlich abgespaltenen Wissenschaftszweiges, markieren wissenschaftspolitisch
und wissenschaftstheoretisch (um nicht zu sagen: erkenntnispraktisch)
die Ausgangslage und Durchführung der Hellmannschen Studie. Dabei
begeht Hellmann nicht den (vermutlich:) Fehler, aus der Tatsache
des Ausge-schlossenwerdens automatisch eine Wahrheit oder eine höhere
Approximationskompetenz der betreffenden Forschungen zu folgern.
Dafür ist seine Kenntnis der diesbezüglichen Schriften Foucaults
zu klar; und auch sein Nachweis, wie weit Reich selbst noch zumindest
teilweise in mechanistischen Erklärungsschemata dachte bzw. dem
etablierten naturwissenschaftlichen Denken nachhing, weist die Studie
aus als eine, der es nicht um eine Parteinahme geht, sondern darum,
im besten Sinne argumentativ rekonstruierend Erkenntnisse über das
Mirakel Leben zu erörtern. Und dies im Wissen, dass (nochmals Rorty)
die "Welt die Ursache dafür sein kann, daß wir einen Satz mit Recht
für wahr halten", daß dies aber nicht bedeutet, "daß die Welt sich
selbst, aus eigenem Antrieb, in satzförmige Stücke namens ‚Tatsachen'
aufteilt".
II
Die Studie
beginnt mit einer Einleitung in die Lebensenergie-Forschung nicht
nur Reichs, vor allem aber mit dem Aufweis einer 100 Jahre währenden
Forschungstradition, der als unterdrückte oder verdeckte Geschich-te
nachgegangen werden soll. Das Werk Reichs steht also, so Hellmann,
durchaus in einem weiten Kontext paralleler Arbeiten auf naturwissenschaftlichem
Gebiet und sei daher, da selbst interdisziplinär angelegt, höchst
anschlussfähig an verschiedene zeitgenössische Theorien, interessanterweise
auch an philosophische, speziell technikphilosophische und an soziologische
Theorieansätze. So gibt Hellmann Hinweise, dass mit-hilfe der (physikalisch
ausgerichteten) Lebens-Forschung bestimmte geisteswissenschaftliche
Kategorien (Physis, das Außen, die Immanenz, das Werden, das transzendentale
Feld), die zumeist eine ‚metaphysische Vagheit' darstellen, nun
"hyperraumphysikalisch beschreibbar und technisch handhabbar" geworden
sind. Die politische Dimension seiner Studie formuliert Hellmann
sehr präzise und zitierwürdig in seiner zweiten These zur Arbeit:
"Während die mechanistische Betrachtung des Lebens den öffentlichen
und den universitä-ren Diskurs dominiert, und die lebensenergetisch
orientierten Ansätze öffentlich abgestraft und/oder weitge-hend
unterdrückt werden, sind gleichzeitig Techniken auf der Basis gerade
dieser Erkenntnisse über die Le-bensenergie entwickelt worden und
einsetzbar, die darauf abzielen, über den Hyperraum direkt in die
Le-bensprozesse einzugreifen und den Lebensfluss, der alles erschafft,
zu kontrollieren." Entlang der beiden Begriffetripel Äther, Vakuum,
Lebensenergie sowie Felder, energetische Strukturen und Information
kommt der Autor zu einer kursorischen Kontextualisierung der für
das Thema Lebensenergie wichtigen Gedanken Reichs, Teslas und Deleuzes,
die in die Formulierung eines zentrales Anliegens seiner Studie
mündet: "Es ist notwendig, philosophische Termini mit aktuellen
naturwissenschaftlichen Theorien und deren Begrifflich-keiten zu
verbinden, um diese beiden wiederum an eine aisthesische Theorie
zu koppeln, die sagen können muss, was lebendige Erfahrung von Lebensprozessen
ist."
Hellmann lässt dem eine Feindifferenzierung des Erkenntnisgegenstandes
"Lebensenergie" folgen, die dem Leser Dauer und Konzentration, jedoch
nie Mühe abverlangt. Die Begrifflichkeiten Äther, Vakuum und eben
Lebensenergie werden entlang der dazu gemachten Terme, Gedanken
und Erkenntnisse von Nikola Tesla, Edmond T. Whittaker, Thomas Bearden,
Harold Puthoff, Gerald Feinberg, Moray B. King, Hans Nieper, Shiuji
Inomata, John Davidson und Bruno Steimle auf eine Weise entfaltet,
dass auch naturwissenschaftlich Ungebildete nicht verloren gehen.
Ausgewiesen wird damit nicht nur ein enormes Lesevolumen Hellmanns,
sondern die Tatsache, wie vielfältig und keineswegs parawissenschaftlich
sich die Frage nach der Lebens-energie gestellt hat und unterschiedlich,
doch nicht divergent beantwortet wurde und wird.
Hellmanns methodologischer Ansatz, "philosophische Termini mit aktuellen
naturwissenschaftlichen Theo-rien und deren Begrifflichkeiten zu
verbinden", zeigt sich in seiner Beschäftigung mit modernen Eidos-Theorien,
die als Theorie formender Felder, als energetische Strukturen und
als Informationsstrukturen re-formuliert werden; damit geht der
Autor ein zweites Mal in die ‚naturwissenschaftlich' schwierige
Materie hinein. Im Focus stehen Rupert Sheldrakes Theorie der morphogenetischen
Felder, Harold Saxton Burrs Theorie des elektrodynamischen Feldes
(auch Lebensfeld genannt), vor allem aber Burckhard Heims allge-meine
Feldtheorie mit seiner Entfaltung der Welt in sechs Dimensionen;
sowie David Bohms Theorie der Impliziten Ordnung, Georges Lakhovskys
Forschungen über die Zellkommunikation ("natürliche Zell-schwingung"),
und Royal Raymond Rifes Resonanztheorie.
Erst dann geht es zu Reich und seiner Bionenforschung. Man erfährt
Erhellendes zum Entdeckungskontext und zu den Entdeckungsproblemen
des Orgons (1938), zum Oranur-Experiment und zum Einstieg Reichs
in die ökologische Grundlagenforschung (1951) - unterfüttert mit
der These Hellmanns, daß die Reichsche or-gonomische Wissenschaft
eine langanhaltende Entwicklung der abendländischen Wissenschaft
umkehrt, nämlich die "Entwicklung zu immer unsinnlicherem und abstrakterem
Denken" -, und schließlich Einsichten in die Krebsforschung Reichs.
Eine umfangreiche wissenschaftshistorische Rekonstruktion der Lebensener-gieforschung
um 1900 und damit eine vielschichtige Referenz zur Beurteilung des
‚heutigen' Umgangs der ‚community' mit ebendieser Forschungsrichtung
bildet für Hellmann den Vorlauf für eine theorieumfangs-große Analyse
der "Pulsation des Lebendigen", nicht ohne Hinweise auf die Anschlussfähigkeit
der Reich-schen Überlegungen zu kurrenten Theorien (etwa der der
Autopoiesis).
Hellmanns Suche nach vielfältigen Korrespondenzen zwischen Reich
und anderen, kurrenten Theorien/ Vo-kabularien ist von einer nachahmenswerten
Vorsicht bestimmt, die nicht ablässt vom Status der Befragung. Sei
es die Ermittlung von Eigenschaften der Orgonenergie und von zentralen
Charakteristika der Äthertheo-rie (man beachte den kategorialen
Unterschied zwischen Theorie und ‚Gegenstand'!); sei es die Erkundung
orgonomischer Funktionsgesetze in den Erkenntnissen Reichs; sei
es das Aufspüren von Kohärenzen zwi-schen der Lebensenergie-Thematik
und den modernen Feldtheorien; oder sei es die Rekonstruktion des
schwierigen Verhältnisses zwischen Reich und Deleuze - hier kommt
Hellmann auf bestimmte Schieflagen der Deleuzeschen Rezeption ausschließlich
des Frühwerks Reichs zu sprechen und behauptet generell eine gewisse
Unterkomplexität der Deleuzeschen ‚Außen-Theorie' im Vergleich zur
Reichschen Orgonener-gie(theorie).
Hellmanns detaillierte Detektion der vielfältigen Theoreme und Ansätze
verfolgt keinen Selbstzweck. Sie ist fokussiert auf grundsätzliche
Fragen, die an Wichtigkeit in den letzten Dezennien zugenommen haben.
Be-stehen lebensenergetische Naturgesetze? Wie können sie bestehende
und anerkannte Naturgesetze ergänzen oder verändern? Und: Ob und
wie die von Reich entdeckte Orgonenergie als "Grenzgänger zwischen
unserer mit den Sinnen erfahrbaren materiellen Welt und höherdimensionalen
Räumen" aufzufassen sei. Interessant ist dabei, wie Hellmann Reichs
Theorie mit der Theorie operational geschlossener Systeme und von
der des Chaos resp. der dissipativen Strukturen einerseits in Beziehung
setzt, andererseits von einigen zentralen Aspekten der letzteren
abgrenzt und dafür andere Theorien, die Theorie des physikalischen
Vakuums (Whit-taker, Bearden, King), die Theorie der morphogenetischen
Felder (Sheldrake) und die Implosionstheorie Viktor Schaubergers,
als Referenz hineinnimmt.
"Geschichtsphilosophische und technikphilosophische Überlegungen
zum Reichschen Werk", so das ab-schließende vierte Kapitel der Arbeit,
öffnet mit den Referenzen Aisthesis, Geschichte und Technik im be-sten
Sinne des Wortes Perspektiven für eine zukünftige Pragmatik der
Orgonphysik Reichs. Mit Reichs Er-kenntnissen, so Hellmann, wird
klar, was das Wort ‚körperlich' in dem Terminus körperliche Wahrnehmung
überhaupt bedeutet; mit ihnen, speziell den Erkenntnissen über Äthertechniken,
wird es möglich, eine neue Weise der historischen Rekonstruktion
von Kultur- und Sozialtechniken menschlicher Gesellschaften zu entwerfen;
mit ihnen sei es schließlich möglich, eine ernste "Ablösung tief
verinnerlichter Gewohnheiten des Umgangs mit Natur durch eine nicht
beherrschen wollende Operativität" von Technik einzuleiten. An tech-nikphilosophische
Überlegungen Gotthard Günthers anknüpfend führt Hellmann aus, dass
Reich "sicherlich mit Günther (und damit gegen Heidegger) einer
Meinung gewesen wäre, dass die Weltgeschichte nicht mit dem aktuellen
destruktiven, zweiwertigen, nihilistischen (Still)Stand der Technik
endet, und dass eine Fort-entwicklung der Geschichte über den gegenwärtigen
Zustand hinaus mit der Technik zu tun hat" und gelangt daran anschließend
zu der Hypothese, dass mit der Reichschen Orgontheorie und -technik
eine im Günther-schen Sinne transklassische Technikkonzeption vorliegt.
Vermutet gehöre die Reichsche Forschung, der An-satz der Orgontheorie,
"bereits zu jener Epoche [...], die Gotthard Günther die Weltgeschichte
des Nichts nennt."
Die Arbeit endet optimistisch: "Tiefere Schichten der Lebensenergien,
des Lebensenergiespektrums, können, wie ich glaube, definitiv nicht
mehr für selbstsüchtige oder für Zwecke der Manipulation eingesetzt
werden. Irgendwo - noch über das Orgon hinaus - beginnt wirklich
das Unverfügbare".
III
Hellmann verbindet
in seiner glänzend geschriebenen, vorzüglich gegliederten und stupendes
Wissen aus-breitenden Studie, die den der Materie unkundigen Leser
so herausfordert, dass er versteht, was ihn überfor-dert, die allseits
gewünschte und geforderte Auseinandersetzung der Philosophie mit
den Paradigmen, The-men und Gegenständen naturwissenschaftlicher
Provenienz mit einer genuin nichtnaturwissenschaftlichen Kritik;
er stellt Beziehungen fest zwischen avancierter philosophischer
Theoriebildung und den Theorem Reichs bzw. der Lebensenergieforschung
und hält sich gleichsam auch hier an eine distanzierte Beobach-tung,
die ihm erlaubt, im verschlungenen Gewebe aus etablierter Naturwissenschaft,
geächteter Lebenswis-senschaft und kritischer Lebens-Philosophie
Brüche und Gemeinsamkeiten auszumachen, wo eher Gemein-samkeiten
und Brüche vermutet werden könnten.
Humberto R. Maturana sprach einmal davon, dass er zu Beginn seiner
Autopoiesis-Forschungen den An-spruch an sich stellte, zur Plausibilisierung
seiner Theorie nicht etwa das Modell autopoietischen Lebens zu simulieren,
sondern das autopoietische Leben selbst. Es war der Anspruch, zum
"Ding an sich" zu kommen. - Nämlichen Anspruch, so ist von Hellmann
zu erfahren, hatte Reich: Für ihn war Orgon tatsächlich das (Lebensenergie-)Ding
an sich, das aufsuchbar ist, mit dem man immer in einem "orgonotischen
Kontakt" steht. Diese erkenntnistheorietranszendierende Einstellung
scheint meiner Meinung nach verantwortlich zu sein dafür, dass Hellmann
in der Arbeit manches Mal seine ‚Adressierung' wechselt: Mal ist
die Lebens-energie der ‚Gegenstand' der Erkenntnis, mal ist der
Gegenstand die Lebensenergietheorie Reichs, mal ist die Erkenntnis
der Theorie der Lebensenergie Gegenstand der Erkenntnis.
Den Stellenwert der Hellmannschen Rekonstruktion kann man am besten
in drei Dimensionen hervorheben: einmal leistet sie eine überfällige
Darstellung eines sowohl vernachlässigten wie unterdrückten als
auch im Verborgenen gefährlich benutzten Wissens vom Leben und damit
in eins eine Entstigmatisierung vor allem Wilhelm Reichs; sie leistet
zum zweiten eine exemplarische Darstellung der Ein- und Ausschließungsvor-gänge
innerhalb und an der Grenze der "wissenschaftlichen Gemeinschaft",
die nicht nur mit symbolischer Gewalt bewerkstelligt werden; und
sie leistet die Eröffnung eines politisch brisanten Horizontes der
Gesell-schaften im 21. Jahrhundert. Hellmann: "Wenn Spitzenphysiker
wie Burkhard Heim oder Thomas Bearden heute sagen, dass der Einsatz
von Hyperraumwellen, das Vermögen, technisch in die Prozesse des
Vakuums einzugreifen, zu den wichtigsten Aufgaben und Errungenschaften
des 21. Jahrhunderts zählen wird, heißt dies, dass es unter anderem
diese Techniken sind, die zur Grundausstattung der sich herausbildenden
Weltge-sellschaft (Luhmann) bzw. Kontrollgesellschaften (Foucault,
Deleuze) und der globalisierten Welt gehören werden. Die die Disziplinargesellschaften
ablösenden Kontrollgesellschaften wären dann vor allen Dingen auch
zeitbeherrschende Gesellschaften. Kontrolle hätte etwas zu tun mit
der Kontrolle des Vakuums."
Mit der großen Studie Hellmanns steht eine wissenschaftlich, politisch
und philosophisch orientierende Re-konstruktion des zunehmend traktierten
Begriffs namens Leben zur Verfügung. Sie erlaubt, von den gegen-wärtig
hegemonialen biotechnologischen Zugriffen auf das Leben abzusehen
und Einblick zu gewinnen in die Unangemessenheit ebendieser Aneignungstechniken.
Vor allem: Sie erlaubt den Sozial- und Geisteswis-senschaften jenseits
moralischer Behauptungen in einem Terrain mitzusprechen, in dem
sie zunehmend ver-drängt werden.
|