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Wenn wir das
'sizing', das zivilisatorische screening, den morphologischen Zuschnitt
des Kulturellen, der kulturalen Vermögen von Menschen in den gegenwärtigen
Strömungsfeldern befragen, stoßen wir sehr bald auf die Querelen
der synthe-size-Revolution, auf die ggw. Umschaltung der
zivilisatorischen Aktivverhältnisse auf 'Kommunikation'/KommuniFIkation
('Kommunikation' = durchschlagende gesellschaftliche Produktiv-
und Formatierungs'kraft'). Wir stoßen damit ineins auf den Umstand,
daß unter dieser sozialen Metamorphose das 'moderne' kulturale Agencement
"Kunst" selbst auch transformiert wird in der Strömungsrichtung
des 'Synthetischen' (synthe-sizing), welche das allgemeine sizing
(facon, conditio, Verfassung, Maß, 'Größe', Gestalt, Formatierung,..)
der soziokulturellen Evolution eingeschlagen hat.
Aufschrei auf allen Rängen der 'Avantgarden': 'Kunst' sei, in ihren
'Spitzenleistungen' (:"Avantgarde"), doch nicht auf Kommunikation
zu reduzieren! Dies gibt zu denken. Fragen wir also nach den 'Spitzenleistungen',
nach den 'Avantgarden', nach der 'Kunst', nach ihrem Überleben;
und evtl. gar nach ihrem Überlebtsein zu Lebzeiten:
Kunst, wie hältst Du's mit der Kommunikation? Doch auch: wie hält's
die Kommunikation mit Dir?
Gretchenfragen.
Schlag nach
bei Luhmann.
Man hat sehr viel darüber gerätselt, welches die Spezifika der europäisch-neuzeitlichen
Kulturisationsspiels 'Kunst' (aufgeschirmt in Künsten) seien. Unter
sozioevolutionären Gesichtspunkten ist Kunst ein sehr später und
eigensinniger Abkömmling der rudimentären, frühgeschichtlichen Kultformen
wie Totemismus, Ritual und bereits historisch strategisch
sakraler Mythos und Religion. Solche Evolutionsgesichtspunkte
tauchen gegenwärtig gerade in der avancierten 'organistischen' Soziologie/Kulturtheorie
wieder auf, mit großem Interesse auch wieder bearbeitet z.B.
durch 'Systemtheorie' (N. Luhmann u.a.):
Menschen (im
Ausschnitt "psychischer Systeme") als auch Gesellschaften
("soziale Systeme") arbeiten sich zwar sinnhaft auf alle
erdenklichen, zugänglichen Weisen an ihrer Umwelt und auch Eigenwelt
(interne Umwelt) ab, dennoch wird jede begriffene Welt 'existenziell'
immer unbekannt bleiben. Menschen/Gesellschaften müssen mit einer
ihnen letztlich immer "unbekannt bleibenden Welt zurechtkommen.
Es heißt, daß sie darauf spezialisierte Symbolsysteme ausbilden"
müssen, "besonders Religion, aber auch 'Kontingenzformeln'
in den einzelnen Funktionssystemen" (ebd. 126). Es heißt heute
auch, so Luhmann, daß "die Gesellschaft ihre eigene Zukunft
nicht antezipieren und nicht planen kann. Sie ist in Morphogenese
und in durchgreifenden Strukturänderungen auf Evolution angewiesen.
Man muß sogar damit rechnen, daß der Ausbau von immer nur selbstreferenziell
einsetzbaren kognitiven Fähigkeiten die Umweltanpassung des Systems
nicht verbessert, sondern allenfalls die Irritierbarkeit des Systems
steigert, so daß Belastungen hinzukommen, die aus eben dieser laufenden
Selbstirritation resultieren" (ebd., 127).
Denkt man an
Totemismus und frühe historische Kultformen (Religion etc.), an
das Problem der Bewältigung von Eigen- und Weltfremdheit, dann kann
man fragen: ab wann taucht in dieser Morphogenese 'Kunst' auf,
als Durchgangsprodukt im Evolutionsschub? Und kommt es mit 'Kunst'
und/oder Folgegestalten zu Belastungen aus der laufenden (historischen)
Selbstirritation, die eigentlich die 'Leistungsfähigkeit' der uralten
Symbolpraktiken eher zernagen als verbessern, so daß der "Fortschritt"
sein eigenes Dilemma heraufbeschwört?
Innerhalb sozialer
Evolution registrieren wir eine spezielle Linie der Entwicklung
kulturaler Praktiken, die sich immer wieder zu losen Ordnungen fügen.
Diese separate Linie entsteht dann, wenn die Synthesis von Gemeinschaften
(:Stämme) aufbricht, wenn diese beginnen, durchgängig komplex zu
werden, so daß sich der ehemals schwach differenzierte, dichtere
Lebenszusammenhang (kosmische Ordnungen) auflöst und einer Höherdifferenzierung
und Spezialentwicklung von 'sozialen Medien' weicht, die Luhmann
"symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien" nennt,
zum Teil auch des weiteren "Erfolgsmedien"
(ebd., insb. 202ff), unter denen man dann auch kulturelle Medien
vermuten dürfte. Nach dem Zerfall von Totemismus und Riten bietet
bereits Religion "nur noch oberflächlich integrierbare Lösung(en)"
(ebd., 203) von begrenzten homogenisierenden Motivationsmitteln.
Wann und wie landet in dieser Ausdifferenzierung und 'Ausdünnung'
Kunst an? Und wie 'oberflächlich integrierend' ist Kunst? In welchen
komplexen Beziehungen steht sie dann noch mit den kulturellen Medien
der Riten oder der Religion? Und mit welchen anderen, konkurrierenden
"symbolisch generalisierenden Kommunikationsmedien" muß
sie um Chancen der Integration ringen? Und dann: ebenso "oberflächlich"
(wie etwa Sprache, Geld, Werte,
)? Und weiterhin "verflüchtigend",
weiter-entwickelnd? Es ist dabei hilfreich zu wissen, daß auch die
systemisch hochdivergente Gesellschaft versucht, sich bei der Bewältigung
des ewig mitgeschleppten Eigenfremden und der anwachsenden Kontingenz
mit Medien-Reichtum zu helfen: "Die Gesellschaft hilft sich,
wenn Evolution ihr hilft, einerseits mit Systemdifferenzierungen,
andererseits mit der Ausbildung von Spezialmedien der Einschränkung
von Kontingenz durch Verknüpfung von Konditionierung und Motivierung,
eben den symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien, wobei
die Differenzierung dieser Medien zugleich die Systemdifferenzierung'
vorantreibt
" (ebd., 204f). Liegt Kunst in diesem Organisationsstrom?
Und wenn ja, wie? Parallel, quer, untergründig?
Die Stammesgemeinschaften
wie die einfachen Gesellschaften müssen bien sur mit
einer ihnen letztlich unbekannt bleibenden Welt zurechtkommen,
gerade so wie wir auf einem evolutionär hochraffinierten
Niveau! Sie müssen zurechtkommen mit dem existenzialen Rätsel von
Herkunft und Zukunft, Leben und Tod, müssen zurechtkommen mit ihrer
Instinktlosigkeit, Triebfreiheit, Regellosigkeit, mit dem Problem,
irgendeine tragende Synthesis ihrer amorphen Beziehungen zu schaffen
sowie ihre Einbettung in die Umwelt. Ihre Lösungen sind Totemismus,
Riten und später Religion. Bereits diese stehen unter
dem Paradox einer Kommunikation der Kommunikationsvermeidung: das
Sakrale, seine Erfahrung, wird geheimgehalten und nur in Nichtkommunikationssituationen
'kommuniziert' (Initiation, Communion, Ekstase, Rausch und Trance,
magische Zeiten etc.) Das Entscheidende ist nicht Kommunikation,
sondern Zelebration, das Fest (mit Gaben und Opfern für Instanzen
des Un-Heimlichen im Heimischen) und/oder die unio mystica mit sakraler
Instanz, gebunden an Totems, an Ahnen, an Kräfte, Vermögen etc.
eines jeweiligen Singulären. (ebd., insb. 230ff). Das Tabou in solchen
Ausnahmezuständen habe indessen gerade die fatale Eigenschaft, Kommunikation
gegen das sakrale Kommunikationsverbot zu animieren, so Luhmann
(ebd., 231). Eine weitere Problemlösung werde dadurch im Laufe der
Zeit auf den Plan gerufen: die Moral (Moralcodierungen) (ebd., 231f).
Plausibel erscheint dann die Vermutung, daß mit der weiteren 'historischen'
Metamorphose dieser Problemkonstellation in die Gefilde von 'Kunst'/Ästhetik
der Existenz sich dann auch diese Selbstzumutungen von Tabou-Dienst
und -bruch, von Neugier und Enttäuschung usw. auf eine 'oberflächlichere'
Art gerade auf die Kunst vererben.
Riten und Religion
sowie die nouematisch-ästhetischen Praktiken in ihrem Dienst (Tänze,
Feste, Theater, Fetische, Totemstätten, sakrale Bezirke, Tempelbauten
etc.) wollen indessen gerade die Sprengung von kosmisch architekturierten
Stabilitätsordnungen zu 'Entwicklung' verhindern. 'Entwicklung'
sprengt das Tabou, ist riskant, weil sie die sakral-kosmisch gepflegte
Homöostase der Stämme zerstört. Das Tabou ist natürlich weit mehr
als nur ein "Beobachterproblem", in dem es darum gehe
"die Rückbindung des Unbezeichenbaren" (unmarked space)
"an das Bezeichenbare zu sichern" (religio) (ebd., 232).
Diese Praxis sichert der Stammesgemeinschaft gerade ihre "ecology
of mind" (Bateson), bindet die Gemüter, die Neu-Gier, das ständig
drohende Triebwerk an 'Entwicklung', die durch die Unruhe des Intellekts
provoziert wird. Der Preis dieser Bindung ist dann immer die Begrenztheit,
die Kommunikationsvermeidung, die v.a. ein Tabou auf die 'Kommunikation'
(= Aufklärung) der sakralen Symbolik legt, da diese ja den geheimen
synthetisierenden Grund der Gemeinschaft regiert (ebd., 232). Der
Preis dieser Vermeidung ist aus heutiger Sicht leicht zu denunzieren:
Privileg der Priester, Priesterkönige, Schamanen, Exklusivität der
Einweihung, schleichendes "Mißtrauen entlang dieser Hauptlinie
von Wissenden und Unwissenden" (ebd., 233f) etc. Das Nouematische
bleibt ein geheimzuhaltendes Wissen, zu schützen gegen 'Kommunikation'.
Die Ritus- und Divinationstechniken insbesondere müssen einerseits
durch Zelebrationsakte in der Stammesöffentlichkeit 'kommuniziert'
werden, andererseits darf darüber und anläßlich der Zelebration
nicht frei kommuniziert werden, es sei denn in der Weise der Bewunderung
und Bestärkung (Bestätigung, Befestigung, Gebet, Lied etc.). Alles
bewegt sich in Quasi-Kommunikation. Und alle Werke, Produkte in
diesem Rahmen, v.a. die Insignien und Stellvertreterobjekte (Skulptur,
Fetisch, Sakralobjekt, sakraler Ort etc.) bleiben "Quasi-Objekte"
(ebd., 236). Das Quasi-Objekt "differenziert nicht zwischen
Mitteilung und Information, sondern informiert nur über sich selbst
und die Richtigkeit des Vollzugs". Der Vollzug besteht im Dienst,
im Einordnungsdienst der eigenen unbeherrschten, unkontrollierten
Mentalität und Mächtigkeit in die ungeheuer und übermächtig empfundene
Größe des überall waltenden Über-Mächtigen, Un-Heimlichen (in allem
Heimlichen, Heimischen).
Die soziale
und kulturelle Evolution tickt. Die Neu-Gier frißt am Tabou, die
Machtgelüste, Entdeckungs- und Beherrschungsgelüste arbeiten so
die Grenzen des jeweiligen Kommunikationsvermeidungsgebots auch
immer klein, was "reichere gesellschaftliche Anschlußmöglichkeiten
eröffnet" (ebd., 232). 'Schuld' ist 'die Evolution'. Sie zerfrißt
die Bergung und Homöostase des Nouematischen, des Rituals, der leibhaftigen
Zelebrationen etc.; und damit sowohl die 'Borniertheit' (auch Privilegiertheit)
als auch den Reizschutz, den mentalen Schutz des verehrt-tabouisierten
Zaubers der Welt, der in den Erfahrungen des heiligen, onto-erotischen
Schreckens zelebriert und dann quasi-kommuniziert wurde. Soziale
Evolution geht mit wiederholten Schüben dieser Entzauberung der
jeweiligen sakralen Praktiken einher, schenkt Aufklärungsgewinne
und bestraft mit seelischen Enttäuschungen; denn Kultur,
Kultus, "Religion setzt voraus, daß eine Entlarvung das Geheimnis
nicht zerstört, sondern den Neugierigen mit Verständnislosigkeit
straft" (ebd., 237). Aber doch nur, weil die rigorose Eigenfremdheit
und damit die kulturale Abgründigkeit der Lebewesen 'Mensch' durch
Neugier nicht beglichen werden kann. Dennoch tickt die Evolution.
Die kosmisch gebundenen Stammesgemeinschaften ent-wickeln sich in
komplex ausdifferenzierte 'strategische' einfache und dann zunehmend
vielfältigere Gesellschaften. Darunter zerbrechen die kosmischen
Riten und Religionen. Bereits die "verdichteten 'politischen'
Kommunikationsverhältnisse in den Städten des antiken Mittelmeerraums
scheinen [
] eine Zunahme des Bereichs öffentlicher Kommunikation
und dessen Trennung von der Mysterienpflege der anerkannten Kulte
nahezulegen" (ebd., 236). Die Entwicklung des römischen Zivilrechts
und dann die Lebenswelten des Nachmittelalters besorgen den 'Rest'
an Entlarvungsdruck, schon unter der Macht der Schrift und
des Buchdrucks als eminent wirksamer Verbreitungsmedien (in Europa
und anderswo, v.a. China, Arabien, arbeitet dieser Entwicklungsdruck
'Renaissancen' aus). Divinatorische Frühformen der 'Kunst' halten
sich dann an die Schrift, an die 'Literatur', an 'Ornamentik' u.
dgl., um ikonenhaft durch alle denkbaren Insignien-Werke (Arrangements,
Kompositionen, Liturgien, Bild- und Ornamentszenen etc.) hindurch
geweihte Stellvertreter-(Quasi-)Objekte bzw. -Szenen für das Verborgen-Anwesende,
noch Heilige, zu schaffen, inzwischen fern von der verkörperten
Erfahrung (Transgression), in Tableaus ("Ikonen") und
unter paradoxer Zuschreibung von ikastischer Anwesenheit des Undarstellbaren;
d.h. noch nicht nur im Gebrauch von 'Andacht', Andenken und geistiger
Stimulans; oder einen Schritt weiter, in der religiös entkoppelten
Kunst im Gebrauch von intellektueller, ästhetischer Anspielung
auf das philosophisch Absolute oder auch Erhabene. Dieser Evolutionsprozeß
wird immer mehr Antinomien der kulturalen Medien erzeugen, weil
sich das ehemals geschlossene Sakrale immer mehr auf die Vermischung
mit andersartigen, anders codierten zivilisatorischen Kommunikationsmedien
einlassen muß.
Der Hof seiner
Antinomien wächst, je mehr sich die kulturale Praxis in Richtung
vermeintlich freier, autonomer und individueller ästhetischer 'Kreation'
als der Spontanoffenbarung von Eigentlichkeit, eigentlicher Wahrheit
und frei verfügtem 'Sein' bewegt.
Praktiken der
"Weissagung", der symbolisch-magischen Deutung, der "selffullfilling
prophecies" wie im altgriechischen Theaterritus oder Orakel,
der 'Copierung' sozialer Strukturen in projezierte Götterwelten,
der 'Kunst der Weisheit' (Mönche, Mahner, Seher, Warner, Gurus
)
(ebd., 239), der 'Schriftgelehrten' (Heilige Schrift, heilige Kommentatoren,
Philosophen, Visionäre, Künstlerdeuter) u.a. pflastern den Weg dieser
Ent-wicklung des nouematischen (und: verzückenden) Kulturellen in
die Hochzonen moderner Stilisierungslagen, während dessen sich die
Praktiken immer mehr verwickeln in gegenstrebige, z.T. konkurrierende
'Medien'-Läufe ("Erfindung der Moral" (ebd., 241), überangestrengte
Erkenntnissuche, Seinswahrheiten und Wahrnehmungsabsoluta; bzw.
dann mit abgesenktem Anspruch: kritisch überlegene Wahrnehmung profaner
'Geschichte'/geschichtliche Bestimmung
; u.a.m.).
Gewissermaßen
wird die "Verschiebung des Geheimnisses der Religion in das
(nicht eingestehbare) Paradox der Moral" (ebd., 23) von der
Spielverschiebung der kulturell-kunsthaften Ausdrucksseite immer
mitgemacht. Dann hat es aber zunächst wenig Sinn, ein zivilisatorisches
Agencement wie "Kunst" (in ihrer Hochphase) unter die
"symbolisch generalisierenden Kommunikationsmedien" zu
rechnen, wenn darunter paradigmatisch gerade gesellschaftlich erfolgsstrebende
Zirkularien (wie bes. Geld, Macht, Selektionswerte,
) begriffen
werden, die für profane Kommunikations-Erfolgsstrategien herhalten
müssen. Für die älteren, sakral noch eindeutigen kulturalen Welten
gilt ja eher die Praxis der 'Versenkung' und der unbewußten Einverleibung
(von sakrifizierten Quasi-Objekten). Die religiöse Spätphase erzeugt
ikonisch animierende Andachts-Medien, welche die Mentalität steuern,
zum Gefühl der Innigkeit und Sammlung für die ikonisch verheißene
Nähe des Singulären/Geheimen. Die Neuzeit gar wird in Folge
der Entwicklungslogik von Entzauberung zu weiteren Ersatzleistungen
genötigt: 'frei' experimentierte ästhetisch codierte Anspielungen
auf ein Inkommensurables fordern immer noch eher zur 'Versenkung'
auf (in entregelte Wahrnehmungszustände) denn zur Kommunikation
in generalisierenden erfolgssteuernden Symbolen; jenen Symbolen
aus den systemtheoretisch verstandenen Medien-Differenzialmaschinen,
die eher Ansprüche, Leistungen, Anrechte und Dienste etc. gesellschaftlich
kommunizieren (wie etwa Theorie, Liebesbeweise, Rechtsgesetze, Preise
durch die sozialen Medien Wahrheit, Liebe, Recht, Geld
). Dennoch
wird einmal die Frage interessant, wie weit sich moderne
und dann gar postmoderne Kunst als Agencement mit ihren Medien
und Formen in der Folge ihrer selbstentzaubernden 'Entwicklung'
(:Avantgarde
!) und im Selbstzwang zu immer neuen Ersatzleistungen
(Ersatz für: Zauber
; entkernt, sublimiert) in die Nähe dieser
nackt und profan wirkenden "symbolisch generalisierenden Kommunikationsmedien"
bugsiert; und dann evtl. gar von diesen 'kassiert' wird; nachdem
sie sich doch mit erheblichen Anstrengungen (widerwillig?) an der
Selbstsäkularisierung und Selbsttrivialisierung in der Endmoderne
beteiligt hat. Ebenso interessant wird die Frage, inwieweit 'Kunst'
oder bereits nur Segmente der Kunst, Linien, Spezifikationen
auch sog. "Kontingenzformeln" ausprägt, worunter
N. Luhmann systemspezifische 'Optionen' versteht, welche soziale
Systeme und evtl. auch soziale Medien für sich reklamieren (Gerechtigkeit
für das Rechtssystem, Legitimität für das politische System, Limitionalität
für das Wissenschaftssystem etc.) (ebd., 216, 470). Wenn sich im
Schlepptau von höchstseligierenden existenzial-ästhetischen Anstrengungen
('Spitzenleistungen' der Existenz ?) gesellschaftlich durchaus so
etwas wie "das Kunstsystem" herauskristallisiert hat,
erhebt es dann auch eine ihm eigene Option? Und worauf? Auf 'Autonomie',
auf 'Selbstverwirklichung', auf 'Eigensinn', auf 'Eigensein'? Oder
wird diese Option gar nicht realisiert und statt dessen ist
es zur Entfaltung von Mehrfach- und/oder Zweitcodierungen in der
Kunst gekommen? Oder es gibt gar alles zusammen: Kontingenzformel
und Mehrfachcodierungen; und alles hybrid geordnet, ohne Entscheidungen,
in schwelenden double-binds, Kreuzungen, Querungen jeder Sorte?
Mit systemtheoretischem
Blick interessiert sich N. Luhmann bevorzugt für die hinterlistige
Seite der Evolutionsschübe von Entsakralisierung des Sakralen, der
Entzauberung des Zaubers der Welt, der Entkulturisation der Kultur
etc., stets bis in die Antinomie und Paradoxie der 'modernen Ästhetik'
hinein. Er interessiert sich kaum für die sozialpsychologische Schutzfunktion,
welche die in diesen Evolutionsschüben erkämpften Kulturisationsmuster,
bis hin zur 'Kunst', erfüllen, für ihre jeweiligen Beiträge zu einer
"ecology of mind", zur Bewahrung einer Behausung des Gemüts
in einem kulturellen Hof.
Die Kunst, zerfällt
in die diversen Künste der Neuzeit, muß nach zwei Phasen unterschieden
werden, welche mit ganz unterschiedlichen Gewinnen und Einsätzen
bezüglich dieses Schutzes zu tun haben: die Gründungs- oder Ursprungsphase
der modernen Kunst sowie die Nachhallphase an gegenwärtiger, post-moderner
Zweitbearbeitung, welcher eben dieser 'Ursprung' mangelt und die
einmalige, unwiederholbare Authentizität der Gründung. Der modernen
Kunst in der charakteristischen Hochblüte wurde voreilig "Autonomie"
des Ausdrucks an emphatischer Subjekthaftigkeit unterstellt, zuletzt
entschieden von den Diagnostikern gerade des Verlusts (Adorno,
).
Die Unterstellung war aber genuin irreführend. Es handelt(e) sich
eher um eine Situation, in der historisch gegenläufig angewachsene
Existenzialansprüche aufs Äußerste in einem einmaligen und extrem
prekären Äquilibrisierungs- und Changierpunkt gehalten wurden: Ansprüche
der Zauberbewahrung von phänomenisch, sinnenhaft-intelligibel erfahrener
Welt, sowie das Gegenteil: Ansprüche auf intellektuell gewahrte
Selbst-Behauptung, auf Selbstsetzung; sowie Ansprüche auf authentische
Kritik gegen die in zivilisatorischer Umwelt ablaufenden Mobilmachungen
an 'falschen' Lebensregungen ("Verdinglichung/Konsumismus/Instrumentalisierung"
etc.). So entstand die einmalige Konstellation des Künstlerphilosophen,
dessen Wahrnehmung auf der Höhe der denkerischen Höhepunkte an Eigen-
und Welt-Reflexion war, und auf der Höhe des eigen-sinnigen/-sinnlichen
Ausdrucks der intellektuell-sinnlich durchdrungenen nouematischen
Kräfte der gewähnten Ursprungsnatur, des Kreatürlichen-im-Geiste;
und das Ganze solipsär gehalten gegen die abfallende Betriebsamkeit
der ins Notdürftige abrutschenden zivilisatorischen Umwelt. Autonomie
bestand gewiß zu keinem Zeitpunkt; und Autonomie wäre lebenssystemisch
auch gar nicht möglich gewesen. Der Zustand ist eher dadurch gekennzeichnet,
daß phasenweise mit größter Anstrengung eine ungefähre Ebenbürtigkeit
des Erkenntnisvermögens und der (technisch unarmierten) Wahrnehmung
und des (technisch unarmierten) Ausdrucks mit den konkurrierenden
umgebenden 'Größen' der Zivilisation (Wissenschaft, Forschung, Unternehmen,
)
gehalten wurde.
Anders als in
den historischen Vorläufern einer allegorischen Passion von kosmischen
Kreativkräften (Allegorien des Barock, Manierismus) und einer kategorischen
Versteifung der 'Klassik' (die rationalistische Schönheit) drückt
sich diese philosophenkünstlerische Konstellation in einem Dispositiv
aus, das weder allegorisch ist noch symbolisch noch metaphorisch.
Karriere macht auch nicht die Autonomie, sondern als Form
dieser vagen Ebenbürtigkeit die Metonomie, und ästhetisch
dann: die Metonymie. Die 'Ursprungs'-phase der modernen Kunst gründet
das Ethos der Gleichwertigkeit mit 'der Natur' in punkto Repräsentation
des Inkommensurablen, der Schöpfungspotentialität, deren Zauber
im Anflug der Repräsentation ebenbürtig gehalten werde (Karriere
des 'Fragments' seit den Romantikern; denn auch Natur präsentiert
nur in sich Fragmente und Stufen dieser Potentialität).
Anders als bei
den rationalistischen Klassikern (Kant: Künstler als Genie schafft
wie die Natur, doch anders) erstreckt sich der Anspruch auf dieses
ebenbürtige, meto-nyme Schaffen nicht auf Konstruktion, sondern
auf die Fassung des Inkommensurablen, Erstaunlichen, auf das Wunderwirkliche
von Weltkreativität. Die Ebenbürtigkeit wird im Ausdruck durch eigene
Sinneskapazitäten (unbewehrte Phänomenalität) reklamiert wie in
der 'Aufnahme', Einregistrierung, in der Wahrnehmung aus unverstellter
Sinn-Sinneskapazität. Ebenbürtige Formung sucht der Ausdruck dann
in der gleich-förmigen Verschiebung, in der Meto-nymie von Zeichnung,
Tönung/Lautung, Getaste, Schrieb und Choreografie etc. Doch nur
ineins mit der eigenst verursachten Kontrapunktion von selbstbehaupteter
Erkenntnis; eine Ebenbürtigkeit mit dem 'objektiven Geist' (der
Welt) in punkto Erfassen des zur Schöpfung Gekommenen, die nicht
getrübt wird durch Vernutzung in den pragmatisch abfallenden Zivilwelten
drumherum. Erkenntnis, Ausdruck, Wahrnehmung sind nicht armiert,
gewinnen Stand durch die höchstmögliche Bildung der phänomenischen
Geistes- und Sinnenkapazitäten (:das Maß aller Dinge
); die
Eben-Mäßigkeit drückt sich "ästhetisch" aus in einem Kunstwollen,
das den Strang eines ganzen Jahrhunderts umfängt: von den Spitzenleistungen
der Romantik bis zu den letzten Hochkonzentraten einer phänomenischen
Ausdruckskunst im ersten Drittel des 20. Jhdts. Irgendwo changiert
das Konzentrat zwischen Cezanne und Duchamp, Rothko, zwischen Büchner,
Baudelaire, Proust und Joyce, zwischen Wagner, Mahler, Berg, Schönberg
und Webern, zwischen Rodin, Max Ernst und Picasso, Bill, zwischen
Hebel, Hauptmann, Schnitzler und Brecht usw.
Auf den verschiedenen
Strahlen der Ebenbürtigkeit formulieren Philosophenkünstler die
Meto-nomie/-nymie, performativ und theoretisch. Die Phase ihres
Wirkens gilt den Nachkommen als Ursprungszeit, als Gründerphase,
in der in einer einmaligen und vergänglichen Konstellation die 'Authentizität'
dieser Metonomie der Humanexistenz mit allen Mächten und Geschicken
eindrücklich sich realisiert habe. Das kulturelle Medium/Gut ist
so gar nicht die Autonomie, sondern eine kurze Authentizität von
Ebenbürtigkeit, der kurze historische Moment, wo das Humanum auf
der Höhe mit den Weltkapazitäten und -vermögen war; gebündelt in
seiner Wahrnehmung und Wahrnehmungserkenntnis, die den Gegenstrebigkeiten
von natürlichen und zivilisatorischen Weltkräften gewachsen war.
Ein kurzer Moment der Metonomie, der ein Gründungsmoment ist, eine
Kapital-legung der menschlichen Mentalität, worin die Fixierung
der "Authentizität" gelegt werden soll, des "Authentizitäts"-Kapitals,
auf dessen 'Deckung' sich die späterer kuranten 'Versuche' in ihrer
zirkulierenden Diffusion noch berufen werden/müssen (Künste, Aisthesis
in der Post-Modernität, als Doublüren
: Geld, "Authentizitäts"-Formeln).
Die klassischen
modernen Kunstwerke, Werkprozesse nutzen die Metonymie, diese in
die phänomenale 'Spur' versetzte, verschobene Wahr-Währung, Wahr-Wähnung,
die wahr gewähnte An-Ähnelung an das 'Original' der Welt-Wahrkraft.
Diese Metonymie suggeriert dem Künstler-Philosophen das einmalige
Patt von 'Wahrnehmung' mit dieser Kraft, natürlicher wie zivilisatorischer.
Er führt einen kurzen vergänglichen Stillstand des Geheimnisses
und der Erkenntnis von Wahrheits-Potentialen in einem Akt vor, so
wie etwa in den Gemälden Cézannes, diesen vollendeten Metonymien
der 'Wahr-Nehmung' (nicht Metaphern, nicht Symbole, keine Ikonen);
oder in den Werken van Goghs, diesen in die phäno-ästhetischen Ausdrücke
verschobenen 'Ursprünge der Wahrnehmung', von denen u.a. Heidegger
ausgehen konnte in seiner Thesis vom "Ursprung des Kunstwerks";
oder in den Werken Rilkes und Trakls, Bergs oder Weberns, die allesamt
historisch einzig auf der Höhe der instrumentell-technisch unarmierten
Wahrnehmbarkeit waren (und auf ähnliche Weise wird W. Benjamin den
frühen Photographen Hill, Cameron u.a. attestieren,
durch sie sei der Photograph historisch einzig auf der Höhe dieser
technischen Form der Wahrnehmung gewesen).
Zur Frage der
'Kommunikation': sind diese 'originalen' ("großen") Werke
der Weltkünste als Metonyme der "Authentizität"
Werke für Kommunikation? Medien? Soziale Medien? Wohl kaum,
denn sie stehen zwischen den Ikonen und den völlig prosaischen "symbolisch
generalisierenden Kommunikationsmedien" (wie "Sprache"
und "Erfolgsmedien"; Luhmann). Ikonen waren/sind Tableaus
zur Animation von Versenkung und Andacht des Sakralen, in denen
der Glaube die flüchtige Präsenz des Heiligen selbst wähnen konnte;
sie sind quasi (Re-)Präsenz-Drogen. Die 'originalen' Metonyme der
Kunst sind hingegen Tableaus zur Eigenstimulation von Kontemnation,
Kontemplation im abgesenkten Sinne exakt der Sammlung der (bürgerlichen)
Person auf die zu wähnende Ebenbürtigkeit mit dem
Welt-Wahr-Schein (meto-nomos) :Sammlung, Eigenkonzentrat der Erkenntnis,
der Kritik und des vage gewordenen Restsakralen (pro-fanum) an sich
selbst. Die Metonyme stiften Anlaß zu dieser Sammlung (wie Breviere),
sie sind nicht für die prosaische Kommunikation bestimmt. Doch ziehen
sie alsbald sehr viel Kommunikation (des Bildungspublikums) aus
Anlaß ihrer Hermetik und ihres 'goûts' (haut-goût für Kennerschaft)
auf sich, ein bedeutender Mitlaufeffekt der Bürgerbildung in der
Synthesis einer Aura (bis zur Kunstpädagogik und Kunstkritik etc.)
Wenn das solchermaßen
'wahrnehmungsauthentische' Kunstwerk der klassischen Moderne sich
sowohl in völliger Distanz als auch in völliger Nähe zum Sakralen
(:Passion) wie zur rationalen Erkenntnis und auch zur weltanschaulichen
Kritik verhält, wird erklärungsbedürftig, welches kulturelle Medium
und welches existenziale Gut denn dadurch gratifiziert bzw. welche
psychischen Gratifikationsdienste denn durch seine "Rezeption"
geleistet werden sollen. Nicht was in der kulturistischen Praxis
dann qualifiziert sei, wurde das Problem, sondern warum Kunst angesichts
dieser vielen Doppelbindungen dann selbst noch bedeutsam sein sollte.
Kunstwissenschaft, Kunstkritik, Kunstphilosophie begann von da an
mit der begründungstheoretischen Problematisierung. Moral, Erkenntnis,
Wahrnehmungs-Ethos, weltanschauliche Kritik, Empfindungsqualifizierung
u.ä. traten von da an in den Kreis von Zweitcodierung der Kunstleistung
ein, ständig aufgerufen zu Höherleistungen, die Geburt des
modernen "Komplexes" im metonymen Kunstwerk. Der Komplex
ist ein set, ein Arrangement von gegenstrebigen Willen, Leistungen,
Strebungen, kunsthaft gegenstrebige Codierungen, die untereinander
double-bind betreiben. Die Lösungen in solchen schwelenden unlösbaren
Konflikten ergeben sich z.T. aus Verschleierung, z.T. aus Diplomatisierung
oder einfach aus Machtdurchsetzung.
Der Komplex
Kunst als gesellschaftliches Agencement wird nach der Gründerzeit
(= zugleich Hoch- und Abschlußzeit) der Moderne (nach 1930 etwa)
selbst so differenziert, daß es zur endgültigen Segregation
kommt, zu Branchen. Mit ihnen entsteht ein branchenmäßig ausdifferenziertes
gesellschaftliches "Kunstsystem" (N. Luhmann). Weitgehend
zerfällt das im Komplex noch mühsam geklammerte Codierungsbündel,
und einzelne Codes fallen an die sich entwickelnden Branchen des
Kunstsystems. Der Code "schön-häßlich" fällt ganz deutlich
an einen Kunst- und Kulturmarkt, der angebotsorientiert funktioniert.
Die Produktionen "reifizieren", verdinglichen sich darin
entschieden ("Objekte"), sie reagieren strategisch auf
einen Bildungs-Geist-Geschmacks-Markt mit seinen Kursen von
'seriösen, elaborierten, geschmacksbildungserlesenen' Mustern, die
im Changierfeld zum Design und zur Mode-Ästhetik stehen (was sich
ohnehin in den Ästhetiken der Vernunftphilosophien Kant allen
voran abzeichnete!). Dieses psychomentale Dispositiv sollte
nicht unterschätzt werden, ein Großteil des ausgebreiteten
Bürgertums bemüht sich immer noch um die 'Ernsthaftigkeit'
und so auch ästhetische Moralität (Würde) des Geschmacks. Die Grenzen
zur 'Billigproduktion' werden mittlerweile indessen fließend. In
einem Graubereich sinkt dieser elaborierte Markt in die "Kulturindustrie",
in der die Zweitcodierung "Geld" die elaborierte Codierung
"ernsthafte Schönheit" überflügelt und aus ihr Trivialität
macht (bis zur Misere). Der bürgerliche Kunstgeschmack (von ernsthaftem
Empfinden) kämpft so immer gegen die Grenzen der Deklassierung an.
Ein Heer von Spezialisten der Sicherung, Agenten der öffentlichen
und privaten Kulturinstitutionen (Museen, Kunstvereine, Hochschulen,
Theater, Musikvereine, Bildungseinrichtungen etc.), akademisch geschult,
sichert in dispers gewordenen öffentlichen Räumen die 'Qualität';
Geburt der Berufe von 'Analysten' auf dem Emsthaftigkeits-Empfindungs-Kulturmarkt
(vergleichbar den Analysten im Kapitalanlegergewerbe). Dieser Markt
schließt jedoch die Nachfolge-Künstler der klassischen Moderne ("Originale")
zum Teil aus; und so die nachzügelnden Versuchsanlagen ausdifferenzierter
Welt-Kunst (die selbst vom Gros der akademischen Kunstsammler noch
gemieden wird).[2] und er schließt wie selbstverständlich
die
aus der 'Kunst'/Phänomenologie
hinaustreibenden Praktiken von Ästhetik der Existenz (bzw. dann
einer Psychokinetik der Existenz) aus, welche das Dispositiv 'Ernsthaftigkeit/Haltung'
der Kunst in die Dimension von Lust/Lebnis/Wollust, Glückseligkeit
des Empfindens: Inbrunst trans-portieren will/wird (in Zukunft;
und in Zukunft liegt die Zukunft im Futur II des Geschehens). Dies
hindert das Code-Währungsspiel "schön/häßlich" (ernsthaft-trivial)
nicht an der gesellschaftlichen Zweitcodierung 'Wertinvestition',
wodurch die Ikonen der Moderne zugleich zu Kapitalanlagen auf einem
spezialisierten Transfermarkt werden, der dem 'billigen' Markt der
rein angebotsorientierten Kulturindustrie entzogen ist (wie der
Aktienmarkt an der Börse ist er kein reiner Publikumsmarkt). Wertschatzbildung
bleibt dennoch in dieser Branche Zweitcodierung; sie dringt nicht
in die inertiale ästhetische Welt als Motiv der Gestaltung ein.
Anders verhalt es sich in den postmodernen, den vollendeten Metonymien
der Moderne, die diesen historisch einmaligen, abgebundenen 'WeltKunst'-Werken
nachzügeln, nachzüngeln; in den ggw. Künsten, die nach dem Zeitalter
der Kunst Noch-Kunst zu machen versuchen. Sie bilden nämlich gegenüber
den eigentlichen 'Banken', den Ikonen der Moderne, ein innerbetriebliches,
innerkünstlerisches Profitierungsverhältnis aus. Dieses Verhältnis
blitzt phasenweise in den systemtheoretischen Kulturdiagnosen (N.
Luhmann,
) auf. Man muß es besser in den Griff kriegen. Was
als 'Weltkunst' tituliert wird, ist ja nichts anderes als die in
Werkprozessen gewähnte Authentizität der Ebenbürtigkeit mit den
phänomenisch ergründbaren 'Weltmächten' (Kreativitätsgrund, ontische
Mächtigkeit, Selbsterkenntnis). Diese 'Authentizität' schien man
phänomenisch in den 'Ursprungs'-Werken der modernen Kunst ("Cézanne")
heroisch einmal vor-bildlich geschaffen zu haben. Dieses Schaffen
wirkt auf die Nachwelt wie die 'Gründung', wie die Fonds-legung,
analog zur Gründung eines Kapitals. Dieses Kapital an Weltkunst
ist dann Fonds. Es gilt von da an als das konstante Kapital, als
die Bank, als die Deckung für die Dignität von nachzügelnden, zirkulären
Kapitalien, die nur die ontische Qualität von Medien (Geld), des
Zirkulationsausdrucks von Werten haben. Die damaligen Akte an (gewähnter!)
Authentizität von Ebenbürtigkeit mit dem Kreativitätsfonds der Welt
waren Akte, die der Welt, die der Phänowelt auf der Höhe der ausgereiften
unbewehrten geistigen und sinnenhaften Vermögen die entscheidende
'Verletzung' so zufügen konnten, daß man im hochkonzentrierten Werkausdruck
'der Welt' die gewähnte Kreativ- und/oder Erkenntnishaftigkeit entziehen
konnte,- in einem flüchtigen Moment des Coup, der als ebenso flüchtiges
Moment des Werkes aufblitzte ("moments musicaux"/Schubert).
Der Erfolg dieser Verletzung war nach allen Dimensionen des Kunstwerks
gerichtet, gerade auch auf die Kritik der als restringiert zurückgewiesenen
Selbstwahrnehmung der Modernen Gesellschaft (in Gestalt von Philosophie,
Soziologie, Politik etc.). Die Kunstspezialisten konnten von da
an als stets höher trainierte Wahrnehmungsakteure ständig nach weiteren
Negativierungschancen Ausschau halten ohne Gewähr und ohne
Verpflichtung.
Da jedoch die
gesellschaftlichen Agenturen dieser Selbstwahrnehmung zum Zwecke
überlegener Produktion ihrerseits zu produktionstreibenden 'Kritik'
übergingen und in ihren Kritikfeldzügen positivistisch die Kreativitätsrätsel
der wirklichen Welt(en) immer mehr 'angefressen' wurden, und so
der Zauber der Kreatürlichkeit immer mehr zu schwinden drohte, hatte
die artistische 'Kritik' ihrerseits schnell alle Hände voll zu tun,
die Emphase ihre Wahrnehmung, mithin den Zauber der Welt zu retten
vor der Verletzung und den Entzug durch die prosaischen Kreativforschungen.
Seither ein unauflösbarer Kampf, der sich mit jedem Schritt immer
tiefer in Antinomien manövriert, Selbstabschreibungsprozesse.
Umso mehr, als das existenziale Geheimnis mit der Behauptung des
Inkommensurablen steht und fällt, das Inkommensurable aber nicht
'kommuniziert' werden darf, da Kommunikation den Zauber auslöscht.
Betrachten wir
zunächst die 'innerbetrieblichen' Verhältnisse von moderner und
nachmoderner Kunst (aisthesis). "Kunst ist Kapital", so
dozierte einst Joseph Beuys, und ahnte kaum, auf welche Weise er
damit Recht haben könnte. Innerbetrieblich fungieren die 'Ikonen
der Moderne', die ja 'arttypisch' vollendet sind, wie konstantes
Kapital, vor dessen Deckung die kursierenden, nach-zügelnden Kapitalien/Gelder
ihre Dignität empfangen. Ihr historisch einmaliger, quasi gründender,
heroisch-einziger Ent-wurf an (gewähnter) Authentizität der Ebenbürtigkeit
von Erkenntnis-, Wahrnehmungs-, Kritikvermögen des rein aus sich
gestellten Subjekts schafft den Genotypus (= Archetypus der Moderne),
der als Typus nicht steigerbar ist (kein Typ-Progress, keine Avantgarde-Sets):
zwischen Cezanne und Malewitsch vollendet sich der Typ, der nicht
steigerbar ist; ebenso zwischen Mahler und Webern oder zwischen
Wagner und Berg; der Typ ist nur variierbar. Kleinere Variationsselektionen
ereignen sich durch 'token', die den 'type' variieren, kleine Variationen
im 'genetischen Programm'. Kunst nach dieser unwiederholbaren Originalisierung
von Moderner Kunst variiert also Strukturmöglichkeiten, Ausdifferenzierung
des Fonds, was an der Oberfläche wie Progress, Entwicklung und 'Avantgarde'
aussieht, sich jedoch immer auf der Deckungs- und Hintergrundsfolie
des 'konstanten Kapitals' legitimiert. Dadurch wird zwar der 'Stamm'
an den Rändern ausdifferenziert, und jeder Schritt an Ausdifferenzierung
repräsentiert eine eigenwillige Komponente an 'Ontogenese' (gegenüber
der 'Phylogenese'), doch seine Dignität wird weitgehend davon abhängig
gemacht, wie gedeckt er durch die 'Ikonen der Moderne' erscheint;
deutlich daran abzulesen, daß heute eine Heerschar an Analysten
des laufenden Kunstbetriebs die Produktionen v.a. daraufhin in letzter
Instanz würdigen/kritisieren (:Kunstkritik), wie gedeckt ihre kursierenden
Spezialitäten (Zahlungsgeld, kursives Kapital) durch die 'Banken'
der Solitäre der Moderne erscheinen. Beiträge der 'postmodernen'
Kunstästhetik sind (wie Zirkular-Geld) reell-symbolisch in dieser
ihrer Quasisymbiose mit der Bank. Sie sind aber auch (wie Geld)
diabolisch, weil sie die Stammesdeckung nicht repräsentieren und
auch stetig Abweichungen, Differenzen erzeugen; eine Diabolie, die
Luhmann am Geld herausarbeitet und die auf eigensinnige Weise auch
auf diese double-take-Kunst zutrifft:
Kunst ist nun
eine extravagantes Medium, bekommt offensichtlich den "besonderen
Wert [
] nicht als 'nützlich' zu erscheinen" (ebd., 351),
soll zunächst weiterhin Verblüffung auslösen in dem Bereich, den
die moderne Gesellschaft dem Eintreten von gängigem Erstaunen eingerichtet
hat: dem Kunstbetrieb, der sich noch den Variationen an "Weltkunst"
widmen konnte und durfte; wenn diese wie geschehen -erschöpft
ist, geht der Betrieb dazu über, exciting events zu machen. An diesem
Punkt stehen wir jetzt mit der aisthesis. Das Spiel von variierenden
Doubletten, von "double-take" auf die Stämme der Weltkunst
durch ihre postmodernen Nachzügler dauerte so lange, bis die phäno-ästhetischen
Künste von der gegenläufigen positiven szientistischen und technologischen
Kreativität einge- und überholt worden war, v.a. durch Genetik und
organistische Kybernetik. Es umfaßt ungefähr die Jahre zwischen
1920/30 und 1970/80, in denen künstlerisch endmodern durch eine
große Vielzahl an Ismen (Expressionismus, Dadaismus, Tachismus etc.)
die strukturellen Varia der Ausdifferenzierung des phylum aus dem
späten 19. Jhdt. versucht wurden (Essay, Experiment live). Die Krise
entsteht dann, wenn die Varia versiegen und in den sog. Idiolekten
zu zerstäuben beginnen (eine Kunst pro Mann
!).[3]
Dann zerfällt das Feld, in exakt dem Maße, wie es von der positiven,
wissenschaftlich-technologischen Kreativität endgültig überboten
und beglichen wird. Die neuzeitlich mit "der Kunst" entstehenden
freien Dispositive der Erkenntnis ('positive' Philosophie, Humanwissenschaften),
der 'Wahrnehmung' (Geistes-, Human-, Kultur-Episteme etc.) und der
'Kritik' (wissenschaftliche Diskurse, Psychologien/Analytiken, Soziologie/freie
Publizistik etc.) konkurrieren mit dem 'Wahrnehmungsmedium' Kunst,
bestreiten gar in letzter Konsequenz die Gültigkeit seiner existenzialen
Bestimmung. Die Kunst streitet fortan stetig mit diesen Dispositiven
um die Grade einer durchdringlichen 'Wahrnehmung', orientiert ihre
'Fortschritte' aber zugleich kardinal immer systemisch an den phänoästhetischen
'Urgründungen' (Ikonen der Moderne), von denen sie sich gar nicht
wesentlich entfernen kann, weil ihre Dignität von der Deckung durch
diese ihre hintergründigen folienhaften Kapitalien abhängt (die
'Urkunden'). Ihre 'Fortschritte' an idiolektischer Ausdifferenzierung
entstehen, wie Luhmann zu Recht betont, in der "Reaktivierung
ausgeschalteter Possibilitäten" (ebd., 352), sowohl innersystemisch,
im Hinblick auf die unausgeschöpften ontogenetischen Varia, als
auch und v.a. im Hinblick auf die Konkurrenz jener epistemischen
Wahrnehmungssysteme, die ihre 'Avancen', die ihre kleinen Selektionsvorteile
ausschalten, indem sie ihre gewonnenen viablen Weltpotentiale entziehen.
Indem die moderne
Kunst sich nämlich allzusehr auf 'Erkenntnis-' und 'Wahrnehmungs'-Drangsalierung
kaprizierte, unter erheblicher Vernachlässigung der Rekultivierungsarbeit
(Wiederverzauberung), und ohne jegliche Chance auf die wahrnehmungstechnischen
Standards der prosaischen Systeme, lieferte sie den modernen Aufklärungsmaschinen
unfreiwillig subtilere Hinweise und Spuren ("Spuren",
E. Bloch, !), wie und worin "unwahrscheinlichere Annahmenbereitschaft"
(Luhmann), i.e. gerade: Aufnahme- und Wahrnehmungsbereitschaft (=
ein Aufklärungs-Projekt!) größere Schärfe finden könne: noch tiefere
Welt (entrissene Differenzen ) "in der Welt" erscheinen
lassen
Postmoderne
'Weltkunst'-Idiolekte versuchten in der Tat in diesen letzten 50
Jahren des Jhdts., all jene Possibilitäten zu reaktivieren, die
ihnen durch die positivistischen Konkurrenzsysteme entzogen wurden.
'Die Kunst' hat versucht, als eine modern kommunikative 'Kritik
der Wahrnehmung' (des 'Sehens', 'Hörens' etc.) den modernen konstruierten
Zivilisationsformen 'Welt' zu entziehen; und mußte doch hinnehmen,
daß die konkurrierenden Systeme gerade umgekehrt verfuhren und ihr
erfolgreich Welt entzogen, die als Differenzen angeeignet wurde;
ein Vorgang, den Luhmann bereits in "Soziale Systeme"
genau registrierte: die Frage, ob es außer 'Sinn' (als Elixier der
Gesellschaft) nichts geben könne, führt ihn zur Überlegung, "daß
die Genese und Reproduktion von Sinn einen Realitätsunterbau voraussetzt,
der seine Zustände ständig wechselt. Sinn entzieht diesem Unterbau
dann Differenzen (die als Differenzen nur Sinn haben), um differenzorientierte
Informationsverarbeitung zu ermöglichen. Allem Sinn ist dadurch
temporalisierte Komplexität und Zwang zur laufenden Aktualitätsverlagerung
aufgenötigt, ohne daß der Sinn selbst diesem Unterbau entsprechend
vibriert. Die Vibrationen werden durch emergente selbstreferentielle
Systeme ausgeschaltet."[4] Die idiolektischen Weltkunst-Spuren-Künstler
laborieren offenbar so lange an der Spur-Verfeinerung von 'Wahrnehmung'
der Tiefengründe einer Phänowelt mit ihrem 'Wahrnehmungsmedium'
(Intellekt-Sinnen-Schleife), bis ihre unwahrscheinlicheren Aufnahmen-
und Annahmevermögen an die Kapazitätsgrenzen stoßen, und sie von
den technologisch filigraner gerüsteten Aufklärungssystemen der
human- und sozialwissenschaftlichen Konkurrenz eingeholt und überholt
werden; und zwar exakt in der Code-Verschleifung von 'Wahrnehmung/Kritik/Erkenntnis',
was bereits mit der Technik der modernen Psychoanalytik einsetzt
oder der intrinsischen Kritik der 'Aufklärung' oder mit der Relativitäts-
und Interessensoziologie etc., sog. 'natur'-wissenschaftliche Verfahren
inklusive. Die Explosion an generativer und komplexitätskybernetischer
universeller Episteme und Konstruktivität im 20. Jhdt. stellt den
'Wahrnehmung'-Anspruch der ausziselierten Weltkunst endgültig in
den Schatten, gerade auch ihre vermeintlichen Erkenntnis- und Kritik-Apparate.
Und in der Tat laborieren die postmodernen Nachzügler nach dieser
'historischen' Entwertung einer gewähnten Authentizität der Ebenbürtigkeit
nur noch an der "Reaktivierung ausgeschalteter Possibilitäten",
die jedoch ausgeschaltet bleiben und so keine Welt in der Welt mehr
erscheinen lassen. Eine Kritik an dieser Reservat-Situation kommt
über infantile 'Unheil'-Botschaften wiederum nicht hinaus, über
"Originalität" (im Sinne der alten Weltbildungsfähigkeit
des Künstlers als 'Originalgenie' in der These Kants) der zirkulierenden
'Kapitalien' dieser Idiolektik, die weitgehend, im Vergleich mit
der 'Deckung' von Gründungswerken gemessen wurde, braucht nicht
länger spekuliert zu werden, da sowohl dies konstante wie auch variable
Kapital hinsichtlich seiner 'Weltbildungskräfte' erloschen ist.
Die "Kehre"
kommt, wie man seit Heidegger liest, von "der Technik",
jedoch von einer Technik des Lebendigen bzw. einer Technik, die
man der Gebärdung des Lebendigen ab-schaut. Der Gang in diese Technik
wird von der modernen Aisthesis nicht registriert. Sie beharrt auf
phänomenischer Technik der 'akustischen Instrumente', der 'pigmentalen
Optik', der 'Lettern-Schrift' etc. Zum Teil kommt Verweigerungsstolz
auf, der an Abwehrnihilismus grenzt, weil die Ebenen der Immaterialität
des "zitternden Realitätsunterbaus" nicht mehr von der
künstlerischen Phäno-Technik punktiert werden kann. Im branchenhaft
ausdifferenzierten Kunstsystem bleiben dann die Ikonen (Metonyme)
der Moderne als Träger von meritorischer Kunstgeltung zurück; ähnlich
wie in meritorischer Moral (ebd., 246ff.) nimmt diese Ästhetik rein
meritorische Züge an. Sie gilt, weil die Alten (vom Schlag einmalig
heroischer Authentizität der Ebenbürtigkeit
) diese hohe, erhabene
Leistung vollbracht haben. Ihr Code (meriten-erhaben/nichterhaben)
tangiert natürlich nur den 'Kenner' und/oder aktuellen Besitzer
der Werke, der sich so als elaborierter Code-Halter ausweist. Schön/häßlich
kreuzt sich im Wesentlichen mit edel/unedel. So werden die sog.
Avantgarden (Idiolektiker) der Moderne auf verkehrte Weise konservativ:
Bank-Konserven/-Reserven.
Was als remake
und double-take auf dem ständig anwachsenden Kunstmarkt (mit Beratungs-
und Ausbildungsmaschinerie) nachwächst, nimmt die Form von innersystemischer
Spiel-Dienstleistung in einem Manufaktursystem repetetiver Kunstarbeit
an. Kunstwerke heißen von nun an "Arbeiten''. Sie werden im
System repetetiver Kunstleistung so angekündigt ("Arbeiten
auf Papier
"; "Neue Arbeiten von
" etc.)
und von der Fachkritik auch so beurteilt. Von der ungeheuren Komplexität
an Wahrnehmung seitens der radikalkonstruktiven Forschungen außer
Kraft gesetzt, nimmt das System repetetiver Kunstarbeit mit seinem
retardierten 'Performationen' Reservatcharakter an: eine kulturelles
Soziotop. Die Quasi-Arbeit wirft ständig Produkte aus, die innerhalb
des reservaten Kunstleistungssystems zirkulieren und laufend begutachtet
und gerangt werden, partiell wie Waren an den Börsen. Die Funktion
dieser Produkte gerät denn auch in direkte Nähe dessen, was Luhmann
"symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien" nennt
(welche "Erfolgsmedien" sind): Geld, Macht, Vertrauen,
Wahrheit u.a. Innerhalb dieses Systems repetetiver Kunstarbeit fungieren
sie fast (!) wie Symbole, d.h. sie differenzieren Leistungen und
Gratifikationen gegeneinander, welche "Motivationen" und
"Konditionierungen" von retardierter (!) Wahrnehmungs-Genugtuung
regeln. Und sie 'generalisieren' durch ihre Eigenschaften nahe der
Gleich-Förmigkeit und Austauschbarkeit, Beliebigkeit und Wiederholbarkeit,
sogar schon: Stückelung (cf. die Musik-medleys), nahezu bereits
wie die Allgemeinheitsmedien der prosaischen Zirkulation (v.a. Geld).
"Arbeiten" und "Objekte" (: "Sachen"
:
'Hast du meine Sachen schon gesehen?') reifizieren nahezu den Code.
Der Code wie die Kommunikation bleiben natürlich latent diabolisch,
weil dadurch weder das Emphatische der Kunst gelingt (die zauber-erheischende
Komponente) noch eine wirkliche Kommunikation: die "Arbeiten"
sind als Zeichen (arbeitende Differenz) zu unverbindlich und das
Medium bindet viel zu schwach (ähnlich schwach wie die heute viel
zitierten, eben nur zitierten "Werte"). Als eine erfolgreiche
laufende Kritik der Wahrnehmung wiederum ist repetetive Kunstarbeit
den radikal-positivierenden Konkurrenzsystemen der Beobachter und
Ingenialdispositive hoffnungslos unterlegen. Was nicht heißt, daß
die modern fast in Vergessenheit geratene wesentliche
Eigenschaft der kulturalen Erfahrung, daß die Emphase und mania
nun auf diese Dispositive übergehen könnte. Hinsichtlich des inertialen
lebendigen Mediums des Kulturellen, der konvulsivischen und/oder
gloriosen Schönheit, bleiben diese Dispositive stumpf. Jedenfalls
solange, bis sie nicht von einer veritablen Technik des Lebendigen
eingefädelt werden, die das humane Vermögen zur Exorzion der konvulsivischen
Schönheit implementiert.
Die Zukunftschancen
zur Reaktivierung dieser wesentlichen Qualität des Kulturalen aber
hängen genau von den intelligenten Einsätzen eines cultural engineering
ab. Was diese zu rettende Qualität und den wesentlichen
Code (konvulsivisch/nichtkonvulsivisch) der existenzialen Künste
anlangt, bleibt Systemtherapie (und v.a. N. Luhmann) offenkundig-hoffnungslos
uninformiert und unterbelichtet. Entsprechend hat sie in die Zukunft
hinein auch keinerlei operationale Verweise zu bieten. Sie richtet
sich in der Sackgasse 'Weltkunst' ein.
Das Kunstsystem
ist unterm Steuerungsdruck von 'Postmodernität' wiederum stark ausgefranst
in die sich selbstdiplomatisierende 'Kunst-Szene'. Diese Szene ist
ein veritables Sammelsurium aller möglichen angebotsorientierten
Initiativen, die durch keinen Kanon mehr gefaßt werden, sondern
nur sektenhaft ironisierende Trotz-, Adoleszenz- und/oder Exhibitionsspuren
erkennen lassen (Idiolektsynkrasien), die in weitgehend amateurhaft
bastelnden Zirkeln privatästhetisiert werden. Off-Szenen basteln
sich Ultrareservate an Moralen, Ideologemen, Gymnopädien etc., welche
zumeist mit historisierten und/oder ethnisch-exotischen Einsprengseln
garniert werden (Voodou, KungFu, Tantra etc. bis hin zu 'Karneval'-Strukturen).
Die kulturelle Szene nährt so auch immer die repressiv-tolerant
eingerichteten offiziösen Renitenz-Dispositive, welche postbürgerliche
Kulturpolitik als strategischen Spielapparat unterhält (vom Typ
"Off-Off-Bühne"). Die Mischung aus kleinen excitings,
Trotz- und Adoleszenz-Exhibitionen und dem Fegefeuer der Eitelkeiten
unterhält einen Betrieb der Coups, der süffisanten Überrumpelungen
(von: 'Zurückgebliebenen'), dessen Programme bereits eine Halbwertszeit
von ca. zwei Jahren haben. Die philosophisch libido-ästhetische
'Frechheit'[5] aus der Zeit der letzten maudits, eines
Genet, einer Duras, eines Miller oder Arrabal usf., diese Frechheit
ist im Zeitalter der übergroßen Entgrenzung des Sozialen realiter
an den sportiven Zynismus der Systemrationalität übergegangen. Zu
Füßen dieser Frechheit wird: gespielt. Interessant an dieser kanonlosen
Exzitation ist ihr eher pseudodidaktischer Symbolismus, der kaum
noch 'kommuniziert', sondern ableistet. Durch die Aktionsformen
werden direkt Leistungen verabreicht, welche die Involvierten zu
Meuten eines Klebstoffs eher denn eines Mediums werden lassen. Dunst
eines Ressentiments (Ideologen), einer Abfertigung, einer Kundenpflege.
Luhmann hat darauf hingewiesen, wie sehr die Kupplung von symbiontischen
Symbolismen gerade den 'lebenden Körper der Beteiligten engagiert'
(ebd., 378ff.) als Klientel-Volumen ('Kunde'). Diese Abfertigung
zielt jedoch immer auf die Verpflichtung und Vereinnahmung, auf
physisches Einregistrieren, auf Kundenorganisation. Im Feld von
Ästhetik schlägt sich dies in mehr oder minder gravierenden Faszinationsattacken
nieder, durch Coups und Gags und/oder Ressentiment Das existenziale
Medium einer geläuterten Kunst, konvulsivische Schönheit, glorioses
Lebnis, Glückseligkeitsempfinden, kann unter diesem Fasziv-Dispositiv
kaum gemeint sein. Von den ungeläuterten Künsten, die am Ende des
'Kunst'-Zeitalters der Kultur selbstreferenziell nur noch die Bedingungen
der Möglichkeit von Wahrnehmung im Prasentationsverfahren 'untersuchen'[6],
kann die erneute viable Punktion dieses essentiellen Mediums auch
nicht erwartet werden. Es sei denn, daß diese Versuche mit den radikalen
genetisch generativen neurokinetisehen Verfahrenstechnologien rigoros
hinausgehen und Anlagen errichten, die sich mit den entsprechenden
Ingenialwissenschaften Schritt für Schritt der komplexen Technologie
des Lebendigen nähern; so daß es in diesen Anlagen experimentell
langsam erfahrbar wird, was es heißt, daß 'Sehen' etwa von der organischen
Innenfütterung des Blicks abhängt (im Sinne von Merleau-Ponty) und
daß diese Innenfütterung durchaus im Strom der strukturellen Koppelung
von neuronaler Prozeßorganik des Gehirns (Komplex "Gehirn")
und des aufgetrennt darauf bezogenen Bewußtseins (Polygenetik "Bewußtsein")
zu situieren ist; ein Medium, das sich in die seperat gekoppelten
Funktionskreise der Sinnesorgane direktiv erstreckt, welche 'nur'
abgestimmt sind, auf diese Abstimmung hin prozessiv mitlaufen.
Die nachmodernen
Künstlerinnen sind ja qua Ausbildung bereits durch dieses Stadium
der kritischen und phänomenologischen Wahrnehmungstheorie (seit
R. Arnheim oder Merleau-Ponty) gegangen und auch immer mehr durch
die Wahrnehmungstheorie des Konstruktivismus geschult. Sollten sie
Kunst nun als fortlaufendes Programm einer verfeinerten Illustration
dieser Kritiken an der nur kognitivistischen Konstruktivitätstheorie
von Wahrnehmung betreiben[7]; nachdem die zunächst phänomenologischen
und zunehmend auch neurowissenschaftlichen, gar radikalphysiologischen
Wissenschaften die reduktionistischen Epistemen über Wahrnehmung,
Erfahrung und Kognition selbst bereits kritisiert und überarbeitet
haben, so daß die "Verkörperung von 'Wirklichkeit" zum
wissenschaftlichen Grundtopos geworden ist (cf. Maturana)? Den Künsten
bliebe so nur die Pelle des Illustrationsdesigns für eine epistemisch
immer raffinierter arbeitende Forschungsmaschine, die auf 'originäre'
Beiträge von Kunst gar nicht warten kann, weil sie stets ihre Raffinerien
so frei beweglich gedankenexperimentell starten können, wie dies
konkurrierender Phänokunst (als einer lebhaften Kritik der jeweiligen
Standards an Wahrnehmung) materialiter gar nicht möglich ist, darüber
hinaus läßt sich fragen, für welche existenziale Fiber in Menschen
es dann überhaupt noch von Wert sein soll, daß man 'ästhetisch'
ein solchermaßen 'kritisches' Modell des Blicks konstruiert,
es sei denn für das komplette industrial design von intelligenten
Prothesen der Wahrnehmung. Doch dazu bedarf es nicht der Kunst.
Es bedarf auch nicht der Künste für die Kommunikation der neueren
und komplexeren, konzertierten Forschungsbefunde zum Titel 'Wahrnehmung'.
Dies gelingt hinreichend durch Sprache und/oder durch Computerdesign.
Die Künste können offenbar mit keinem ihrer Vermögen wirklich konkurrieren
mit der Schärfentiefe von generativen Wissenschaften heute, die
ihre Protophysik intelligent und ihre Intelligenz sensitiv gemacht
haben!
Das Ende der
Geschichte der Phänokunst, das Ende der Kunst-Geschichte, liegt
darin begründet, daß die kunstunspezifischen selbstzugemuteten Leistungen
von moderner Kunst wie 'Erkenntnis' und 'Kritik' u.a.m.
von den eigentlich dafür bestimmten Leistungssystemen (organistische
Philosophie und Wissenschaften) definitiv und absolut überflügelt
wurden. Mit einher geht die Einsicht, daß das Medium der 'Anschauung'
und die unterstellte Erkenntnisqualität der menschlichen Sinnesorgane
(d.h. ihrer Nerven- und Kontakt- rsp. Transmittersysteme) in ihrer
Bedeutung phänomenologisch überschätzt worden sind, da sie realiter
keine Eigenständigkeit besitzen, auch keine relative, sondern nur
'Argumente' in den Funktionen der differenziellen Organsystematik
der neurozerebralen Komplexe sind. Sie werden nun elliptisch zusammengezurrt
auf ihr wirkliches Vermögen, nämlich eingestellt zu sein in den
sie überdeterminierenden organischen Gehirne-Komplex. Es wird bei
neuerer radikalwissenschaftlicher Erkenntnis dieser elliptischen
Verkürzung der Sinnesleistungen bei Wahrnehmung auch klar, daß Adressen
für Perzeptionen auch kürzere Wege gehen können; nicht gleich instant,
durch Direktkoppelung der Eingaben mit dem ZNS etwa, aber doch elliptisch
getunnelt, d.h. unter Umgehung des Außensteuerungsfunktionskreises
von Sinnesorganik und Anschauung. Die Wissenschaften und die ins
Organistische wechselnden Technologien gehen ontisch schärfentiefere
Wege in jeder Erkenntnishinsicht inklusive kreativer Konstruktivität
als es Dispositive der Phäno-Kunst vermögen, weil der ästhetische
Auslegerweg elliptisch eingezogen werden kann, ohne einen Verlust
zu erleiden (Gleiches erlebt ja just auch die Sexualität. Wo ist
das Programm der Sexualität? Doch nicht im Geschlecht, sondern in
der Generativität der brain-wetware-Organik. Langsam muß nun über
die Phänomenologie des 'Imaginären' ganz neu verhandelt werden,
radikal und ganz anders im Zeitalter der Neurobiokybernetik als
dies in den semantischen, quasi amateurhaften Zeiten der Fall war.)
Das Ende der
Kunst-Geschichte hängt nicht an philosophisch spekulativen Gründen,
die ehemals Hegel oder wesentlich später
C.F. Danto angegeben haben. Es hängt an der realwissenschaftlichen
Aufklärung der von Spekulation befreiten tatsächlichen Leistungsvermögen
der Sinne, was einhergeht mit einem evolutiven Steigerungsschritt
in der technologischen Mediation von elliptisch verkürzenden neuronalen
Prozeß- und Perzeptions-Agencements. Die Sinne und v.a. die "Anschauung"
werden in ihrer diminuierten Prozessualität überhaupt erst richtig
erkannt und dann im Gesamtorganisationskomplex der Kreatur Mensch
erheblich abgerangt. Sie verlieren das drastische Gewicht, das ihnen
die Phänomenologie noch beilegte. Und entsprechend rangt sich das
Gewicht der Phänokunst, der Aisthesis ab. Nicht daß nun ohne die
Sinne verfahren werden könnte oder sollte, aber sie werden
als Durchgangsoperateure eingestellt in das überdeterminierende
Agencement der komplexen Phasen-Immaterialität von hyperorganistischer
Neurokinesis. Organik, Organonik der kreatürlichen lebenden neurozerebralen
Systeme und ihrer "consilience" (E. Wilson). Was den Künsten
damit entzogen wird, ist die in der Moderne ja gerade haarsträubend
überzogen zugedichtete Kritik und weitgehend auch Instanz für 'Selbstbehauptung'.
Die Sinnesorgane sind real nur Zulieferer von Umweltdatengenerierung,
deren organistische Aufbildung im 'Innenfutter' (etui) der
einzig lebhaften neurozerebralen Systeme besorgt wird,
in transformierenden, umcopierenden und umcodierenden rudimentären
bis komplexeren Organisations-Kreisen. Die sinnesrelationalen Wahrnehmungsfenster
sind sehr beschränkt (optisches oder akustisches Frequenz-Spektrum
etwa) und werden von den künstlich technischen, z.T. bereits biotechnischen
Sensoren überstrukturiert. Die freie generative Aufhängung des Bewußtseins,
diese ans Virtuelle grenzende Virtuosität, ist in ihrer Spielbeweglichkeit
ohnehin so entkoppelt, daß ihrer Erkenntnis und Kritik, gerade auch
der selbtreferenziellen, nur die Grenzen des Virtuellen gesetzt
sind, und eben nicht die Grenzen der tiefer aggregierten Virtuosität
der Koppelung 'Sinne rudimentäre Neuronalität'. Die Sinnesorgane
werden von den ingeniierten Verfahrens-Technologien nicht nur in
ihren Detektorpotentialen, sondern sogar in ihren Anschauungspotentialen
überboten (das Computerdesign liefert ja bereits Bildgebungsverfahren
im selben Ursprung von generativer Errechnung unbeobachtbarer Welten:
das Reelle; was jeder Redeweise vom 'Imaginären' überlegen ist).
Diese Anschauung ist 'klinisch', wird man sagen, zu Recht.
Nur: sie ist klinisch und begabt! Doch was bei dieser unbegrenzten,
aber endlichen Ausweitung der Techné-Potentiale auf der Strecke
bleibt, ist das Vermögen für die lebendige Aufnahme (task), für
die viabilisierende Einregistrierung, für die Virtualität als tonaler
Kraft einer lebhaften Be- und Verwertung über die klinische generative
Registration hinaus. Was auf der Strecke bleibt, ist diese task
force, das Phatische (Verstehen) und das Emphatische (Intensivieren),
diese einzigartigen organistischen Eigenschaften lebender neuronaler
Systeme, die komplex aufgelassen sind. Und vollkommen unerreichbar
ist jene Geste der Intensivierung von Erfahrung, die an das Inkommensurable
rührt.
Was durch diese
Aufklärungsschübe der multioptionalen generativen Episteme indessen
unausweichlich vorsituiert wird, ist die elliptische Verkürzung
in Aufweis der wirklich generierenden Prozeßwege für den "Prozeß
der Intensität", die elliptische Verkürzung auf die "Magischen
Kanäle", i.e. die komplex ineinander kopierten viablen Neuronalsysteme,
die in ihrer Innenfütterung mit Intensität/Virtualität wirklich
dermaßen einzig-artig sind, daß sie alleine den Ort der Empfindung,
des Lebhaften für sich selbst ausmachen, den Ort dieser rigorosen
Perzeption, des Magischen; der als Ort indessen temporalisiert ist,
prozessiv: der reelle Phasenraum der Viabilität.
Die radikal-generative
Episteme ist nicht stumpf. Sie entscheidet doch eher en passant
, daß die Anschauung der Sinnesorgane für den Prozeß der Intensität
kein substantielles Ereignis ist, nur ein akzidentielles, dessen
Umwege, Umleitungen elliptisch eben auch verkürzt werden können;
und unter dem Druck der entzaubernden epistemisch und kritisch übermächtigen
Potentiale der Generativitätsforschung auch müssen. Was intensitäts-kultur-technisch
gar erneut zu einer Konzentration aufs kultural Wesentliche führt,
auf die Erregung eines Prozesses der Intensität, auf die Emphase,
auf die Poiesis des Zaubers der Welt, deren Reellität wieder auf
den wirklichen Geburtsort verlegt wird, auf die Magischen Kanäle.
Unter dem Druck von radikalerer Einsicht ins Prozessual der trivialen
Poiesis schwindet das hinsichtlich seiner Kapazität enorm überreizte
Statthalter-Dispositiv der Modernen Künste, der Aisthesis. Reduktion
nicht nur vom 'Komplexen' findet statt, sondern auch von Desorientierungen.
Und Konzentration aufs Spezifische von Agencements, auf erneut preziöserem
Niveau. Kultural, intensitätszentriert lautet das Motto: wozu in
die Parabel (Umweg, Aufschub), in die Statthaltung von Aisthesis
schweifen, siehe, die Ellipse (der Psychokinesis) ist so nah.
Das Ende der
Kunstgeschichte ist natürlich nicht das Ende der Kulturisationsgeschichte.
Es ist nur das Ende dieser Parabel und der Beginn der Ellipse.
Hegel hatte
geglaubt, das Ende der 'Kunst', die auch nur die Kunst vor dem Zeitalter
der metonymen/metonomen (niemals jedoch: autonomen) Kunst war, werde
durch die Überlegenheit des 'Absoluten Geistes' im Hinblick auf
die "höchste Bestimmung" des Menschen besiegelt; und eine
solchermaßen abgerangte Kunst hätte nach seiner Erwartung auch weiterhin
Bestand, so wie die abgerangte Religion.
Danto, der weit über Hegel hinaus natürlich die tatsächliche Entwicklung
der Modernen Kunst bis in ihre Changierphase von 'concept art' u.
dgl. betrachten konnte/kann, neigt nun dazu, den Triumph der Philosophie
über 'die Kunst' gerade darin zu sehen daß 'das concept' der (End-)Kunst
mühelos von der Begriffsphilosophie abgeschöpft werde, daß gerade
die Philosophie in der modernen Kunst herrsche.
Die gegenwärtigen
mutwilligen Verteidiger der Kunst reklamieren nach wie vor 'Autonomie'
und prophezeien ihr das weitere Über-Leben in diesem Zeichen; als
existenziales Agencement wohlgemerkt, nicht als Reservat; obwohl
man die 'Bluttransfusionen' gerade von den außereuropäischen, auf
die Schwelle der Modernisierungsprozesse tretenden Regionen erhofft,
wie etwa Hans Belting u.a.).
Alle diese Begründungen
pro oder contra sind offensichtlich unterkomplex, da sie ohne Einsicht
in das Triebwerk soziokultureller Evolution formuliert werden. Eine
organistische, differenzanalytische Zivilisations- und Kulturtheorie
führt ganz andere, evolutionäre Gründe für das Verschwinden (sowie
Restabilisierung) und Auftauchen von zivilisatorischen rsp. kulturellen
Dispositiven an, z. B. Einsicht in die Evolution des Wissens, Könnens,
Unternehmens, was heute auf einer Raffinitätsstufe angelangt
ist, daß es die imaginäre Kreatürlichkeits-Reminiszenz der Modernen
Künste völlig überbietet und reelle Kreativvermögen im Grenzbereich
des Genetischen freisetzt. Erkenntnis, Kritik wird dort selbstreferenziell
und selbstrückkoppelnd 'praktisch', a la longue zur progressierenden
Selbstaussteuerung konzis entworfen, so daß weiterlaufende ästhetische
Versuche hinter die Organonqualität dieser Praxis entschieden zurückfallen.
Dies bedeutet das Ende der Vermessenheit von Aisthesis. Die Kunst
kehrt beim nächsten evolutionären Schritt des Kulturalen (in einem
cultural engineering) zu ihrem Primärhaushalt an Vermögen zurück,
ohne blind zu werden für die Sekundär- und Tertiärhaushalte in einem
nunmehr hyperkomplexen System. Sie konzentriert sich; darum, weil
sie automatisch 'elliptisch' wird und dann jedoch morphogenetisch
etwas ganz Anderes (als metonome Kunst).
Durch diese
Wiederbesinnung aufs Primärvermögen ineins mit der organistischen
Höherraffinierung wird zugleich erneut deutlich, daß Kulturisationsakte
und -potenzen etwas Virologisches sind, keine kommunikativen Medien,
daß sie folglich nicht der Kommunikation dienen (für Konditionierung,
Motivation) so wie die symbolisch generalisierenden Kommunikationsmedien;
sondern daß sie Initiation, Involution bezwecken, daß sie der Erfahrung
von Viabilität und Virtuosität des Kreatürlichen in den Kreaturen,
Menschkreaturen dienen, der Erfahrung des KreaturSeins. Eine Erfahrung,
deren Aufmerksamkeitsort nicht die Sinne repräsentieren, sondern
die intrinsischen Viabilitätsorgane des wirk-lichen neurozerebralen
Komplexes.
Versuche zur
Kunst nach dem Zeitalter der Kunst, nachdem sich also das Chancenfenster
'Aisthesis' geschlossen hat, stehen nunmehr vor zwei Verlegenheiten:
entweder sie arbeiten an ihrer Selbstauflösung, indem sie nur noch
den Beweis ihrer redundanten Kontingenz vorführen (''Sachen"/"Pieces")
oder sie versuchen sich an einer ästhetischen Exemplifizierung der
bereits radikal 'abschreibenden'
Kunstwissenschaft.[8]
Als Illustration wäre dies eine Blamage, denn die radikalkonstruktivistischen
'concepts' sind allemal schneller und tiefenschärfer, auch: unanschaubar,
doch simulativ organisierbar. Als 'Information' wiederum wäre eine
ästhetische konzeptionelle Aufbereitung völlig redundant. Was tun?
Vielleicht:
die postkünstlerischen, postästhetischen Aktionen verändern ihre
Vektoren und richten sich darauf ein, raffiniertere Versuchsanlagen
zu arrangieren, in denen die Verdichtung des screenings von Immaterien
so angesteuert wird, daß man sich Schritt für Schritt der Einschleifung
in die Techné-Logie des Lebendigen nähert, die für den kulturalen
Lebnisprozeß von Intensität, die für die zerebrale Psychokinesis
(als "Queer"-Technik) die neue, postästhetische Richtkraft
darstellt.
In den Zivilisationsdispositiven
(Episteme, Wissenschaften, Design, Generativik, Techologien etc.)
herrscht bereits ein postästhetisches Environment. Jeder Versuch
zur Kunst trifft auf die frappierende Situation, daß so 'abstrakte
Sachen' wie die Musik(k), die Kunst(t), die Stükke, die barocke
Logik (fuzzy) in den Zurichtungswelten jetzt schon da sind. Etwa
epistemische sets für chaogene Kreativität, Welten unscharfer Gegenstände,
orthogroteske Strukturmuster der Generativität, Maschinen für order-from-noise,
autopoietische Systeme, Formen als Generatoren etc. Aber alles ist
stumpf. Da so abstrakte Sachen wie die Musik(k) schon da sind, in
den Verhältnissen der Zivilisationsdispositive, geht es nur gerade
noch darum, diese auszulösen und qualitativ zu steigern. Die hochkomplexe
Wiederkehr der 'narkotisch-narzißtischen' Struktur des Kulturalen
ist gefragt. Denn es geht im Kulturalen nicht um die Steigerung
von Unwahrscheinlichkeitszuständen auf Erden (dies kann Ingenieurwissenschaft/Invention
viel besser, eigentlich: ausschließlich!), sondern es geht um die
Gewinnung der komplexen Technik zur Erfahrung des Inkommensurablen
und Wunderbaren (:passiv!). Darum sind Viabilitätsorgane
und nicht Sinnesorgane gefragt. Und darum muß die ingenial
in der Welt (Zivilkreatur) bereits aufgewiesene artifizielle Kreativität
schlicht romantisiert werden. Dies hatte der Ingenieur, Wissenschaftler
und Poet Novalis vor zwei Jahrhunderten nach reiflicher Durcharbeitung
der Verhältnisse nicht anders formulieren können: "Romantisieren
ist nichts als eine qualitative Potenzierung" (cf. Schriften.
Die Werke F. von Hardenbergs, Darmstadt 1968, Bd. 2, 545).
Die Vermögen
der stumpfen Kreativität in der deterministisch-chaogenen Welt müssen
qualitativ potenziert werden, intensiviert; um zum Lebnis der konvulsivischen
Schönheit emporzuwachsen. Die Welt, nichts außerhalb der Welt, muß
romantisiert werden (Novalis), auf dem evolutionären Tableau der
bereits dekonstruierten Welt, in der so etwas Abstraktes wie die
Musik(k) schon da ist, doch stumpf, unpotenziert. Es braucht ihre
Lösung, Auslösung, qualitative Potenzierung. Die Kunst solcher Auslösung
ist kreatürlich auf die Psychokinesis angewiesen, nicht mehr auf
die Aisthesis. Die narzißtisch-narkotische Struktur der Kunst geht
so nach der Punktion der Technologie des Lebendigen in der Viabilitätsorganik,
dem neurozerebralen Komplex.
Die ersten Adaptionen
erschließen sich heute durch artifizielle Prozessoren im Computing
für simulierte Realitäten, im synthesizing, das über 'links' zu
ersten neuronalen Netzen an die Technologie des Organischen herangeführt
wird. Die narkotische Struktur der Psychokinesis ist jedoch keine
distanzierte Wahrnehmungsstruktur (Aisthesis), sondern eine
hellauf bewußte 'Rausch'Struktur, eine Fluxus- bzw. Flut-Struktur,
eine SYNTH-Flut.
Es besteht wiederum
kein Anlaß zur Panik seitens der standhaften 'Subjekt'- und 'Kritk'-Verwalter:
diese Struktur ist Rausch bei hellwachem Bewußtsein, keine dumpfe,
degenerative Drogenfahrt. Sie gibt jedoch die existenzial unbedeutende
'Wahrnehmung' auf. Die Kritik der Wahrnehmung (im Kantischen Sinne)
ist mit der radikalen Dekonstruktion zu Ende gebracht, bis in die
letzten Fibern, Fibrillen, aufgeklärt bis ins inwendige Fleisch
(la chair; Merleau-Ponty), in effigie. Im grauen Dunst der Kategorik,
was könnte von dort noch an ontoerotischem Impuls erwartet
werden? Nur die erhabene Position eines Wissens zu diesem Ende,
Ende der Kunstgeschichte, der 'historischen' Wahrnehmungsfahrt,
standhaft degressiv. Das post-histoire ist positiv die Zeit, das
Problem Wahrnehmung sich selbst zu überlassen. Nach Kunst die SYNTH-Flut.
Wir beleben
uns durch Lebnisse, Lebnisse strenger, fremder Attraktoren. Wir
suchen kultural Lebnisse, die nicht fasziv (!) überwältigen, sondern
abgeklärt (!) aphrodiatisieren, virtuosisieren. 'Medien'-archetekturale
Versuche können maximal nur den Charakter eines Durchgangsstadiums
an Experimentation zur Ausreifung psychokinetischer Kultur-techniken
haben; psychokine Techniken, die Passionen der konvulsivischen Schönheit,
des Heftigen, der Erfahrung von Virtuosität der Viabilitätsorgane,
der "Magischen Kanäle" anstoßen.
Die gegenwärtige
Explosion "medienkünstlerischer" Experimente läßt hinreichend
erkennen, daß diese in den unruhigen Spitzen unbewußt an Übergängen
zu viabilitäts-adaptiven Transmissionstechnologien für psychokine
'Schönheits'-/Heftigkeits-Erfahrungen laborieren. Wir befinden uns
historisch bereits im Durchgang, im Phasenraum.
Eine Re-Kultivierungs-Geschichte
("Ragnarök" und wir):
"In den Träumen (schreibt Coleridge) stellen die Bilder jene
Eindrücke dar, die sie nach unserer Meinung hervorrufen; wir fühlen
kein Grauen, weil uns eine Sphinx bedrückt, sondern wir träumen
eine Sphinx, um das Grauen zu erklären, das wir empfinden"
(Jorge L. Borges, Ragnarök. In: Buch der Träume, München 1994, 198).
So einfach war 'die Kunst der Nacht', am Anfang. Und so selbstplausibel
(plausibler als alle 'Traumdeutung'). Und so evident war auch die
Fortsetzung/Aussetzung: "Die Kunst der Nacht ist in die Kunst
des Tages eingedrungen. Die Invasion hat Jahrhunderte gedauert"
(J. L. Borges, Buch der Träume, 13). Zunächst sollte der "Einfluß
der Nacht und des Tages [
] (noch) wechselseitig sein"
(ebd.). Doch dann nimmt der Tag überhand. Und bald behauptet
sich nicht einmal mehr die "folie du jour" (Maurice Blanchot),
welche unter der "Prosa der Welt" (Merleau-Ponty) systematisch
schwindet. Und auch diese verblaßt zusehends unter den historischen
Triumphen einer 'clarité du jour'. Die Aufklärungswellen überbieten
sich, fordern die Potentiale des Tages und bald auch der Nacht,
entziehen wie N. Luhmann treffend erkannte den vibrierenden
Unterbauten an "Faktizität, Existenz" Differenzen, um
differenzorientiert Informationsverarbeitung (Wissen, Können, Verfahren)
zu produzieren, schalten dabei durch selbstreferenzielle Systeme
der Abschirmung die Vibrationen des Unterbaus aus, stumpf,
energetisch-klinisch, non-intensiv (Cf. N. Luhmann, Soziale Systeme,
97).
Die "folie
du jour" und dann die "Prosa der Welt", die Künste,
versuchen sich ihrerseits an Rekultivierung dieser ins Blanke laufenden
Zivilisationsprozesse (= Selbstmächtigkeitszuchtwahlen), versuchen,
die Dringlichkeit der Existenz (IntensivSein des Seienden) zu bewahren
und diese je als Notwendigkeit[9] der jeweiligen Zivilwelt
wieder zu entziehen; durch die je avancierte Techné dieser selbstreferenziellen
Abschirm-Systeme von SINN-Welten hindurch.
Dieses kontrapunktische
Spiel (:theatrum mundi
) erschöpft sich dann, wenn die differenzentziehende
zivile Ausbeutungsmaschine auf die letztausbeutbaren, wurzelhaften
Kreativpotentiale der Untergründe stößt, was gegenwärtig
geschieht. Die Maschine ist auf die genetischen, generativen dynamischen,
emergenten Differenzen der offenen Gründe gestoßen, die ins Molare
zurückhängen. Zeit der "nackten Erscheinung" (Octavio
Paz), in der es nicht mehr möglich ist, schärfere Differenzen dem
Untergrund, der Nachtseite abzugewinnen: die Vernunft verfügt bereits
über die Episteme der "différance" (Derrida). Changierzeit
setzt ein, Zeit wechselhafter kritischer Konsolidierung.
Was tun
kultural ? Sich zum "Spiel in der Notwendigkeit" entregeln
(Nietzsche). Dies setzt voraus, daß man die Götter bereits fröhlich
erschossen hat (Nietzsche Borges)[10] und daß
man damit beginnt, mit den blanken materiels der "nackten Erscheinung"
wahr zu träumen, i.e. reell, organistisch.
Nach der Kunst,
dieser Zeit der allerletzten verschlissenen 'Notwendigkeits'-Entzüge,
kommt die SYNTH-Flut, die Zeit der kritischen Konsolidierung, in
der nichts anderes geboten ist als die "qualitative Potenzierung"
der matériels von durchgebrochener Formgenetik, "nackter Erscheinung";
ein Spiel auf den Viabilitätsorganen (komplexes Brain-Neuro-System,
desaggregiert) mit artifiziellen Neuron-Vibrations-Anlassern (media
als 'choque', Mitter, Transmitter. DIESE Medien/Mitter sind DIE
MESSAGE/massage. Bien sur: die Magischen Kanäle
).
Und: worin läge
das Gut solcher Erfahrung "Prozeß der Intensität", wenn
nicht darin, erneut in die Nähe einer souveränen Singularität zu
geraten: Muse /Kreativität.
Man erinnert
sich und noch Borges erinnert sich: 'der Traum' hat sein
Betörendes und Unerhörtes gerade darin, daß er auf eine ganz unwillentliche
und 'unschuldige' Weise, wie von selbst, in die Nähe einer 'Singularität',
eines auto-matischen Procederes führt (Träumen, um das Grauen zu
erklären, zu deklamieren, das wir chaogen unschuldig empfinden;
Borges). Das Grauen, der Schrecken des Kreaturseins, der Konvulsivik
bloßer Existenz. Keine Deutung ("Traumdeutung") anstreben,
wo es um den bloßen Genuß geht,[11] um existenziale Stimmung,
Geschmack. Diese selbstzufallende Nähe zu einer Singularität genießen
(eine rhizomatische Wucherungsebene: alles scheint ineins zu fallen,
Bilder, Eindrücke, Einklänge, Meinungen, Erleben, Schrecken, Faktizität.
Alle Sortale des 'Apparats' scheinen temporär aufgehoben). Und welche
Mühen werden in 'der Geschichte' aufgewandt, um in der Odyssee von
Mythos, Religion und Kunstkonstruktion mit den Medien der
eitlen Einbildung sich der Singularität nähern zu wollen
zwecks Besetzung derselben, was gerade durch die arbiträren Symbolismen
gründlich verhindert wird, durch immer 'aufgeklärtere' Mittel, die
weitab von potentiellen Kreativierungen der Intensität landen. Diese
schaffen eine Fiktionswelt von 'Idee' und von Quasi-Objekten, von
Quasi-Kalkülen gar (im suprematen Konstruktivismus) und von Quasi-Performanz
gar (performance, das perfekte double-bind). Und doch geistert
durch diese Odyssee der brennende Wunsch nach Nähe zum souveränen
Singulären. Und doch bestätigen die in die Aufklärung verwickelten
Kultur- und Kunst-Geschichten den Zauber der Welt in allen Strategien
ihrer Entzauberung: dieses Eingedenken von künstlichen Paradiesen
mit den verblassenden Medien des 'Geistes' (Platonismus), des 'Gebets'
(die Religionen), und hernach mit den fiebrigen Spuren der 'Schrift'
(ein wenig Droge; Baudelaire/ Benjamin) und den weißglühenden 'Architekturen'
(Malewitsch, die Surrealisten), dann immer mehr die Rückerinnerung
an die Physis (Paul Thek, die Land Art, die Kinetik, Prozeßkunst;
Beuys, das Fett, die Batterien
). Aber wo/was ist der physische
Ort einer Kreativierung (nicht: Verkörperung!) von Intensität? In
den Quasiobjekten und Quasi-Kalkülen und Quasi-Kinetiken oder
ultimo gar in den Quasi-Neuronennetzen des Computing? Der
"organlose Körper" (Artaud, Deleuze/Guattari) auf den
'Brettern, die die Welt bedeuten'?
Der Prozeß der
Intensität, aus dem Traum ausgewandert in die Gedanken- und/oder
Glasperlenspielwelten, kehrt langsam heim, wenn er sich erneut reeller
Kreativierung und der physis nähert. Wenn die radikalkonstruktivistische
Aufklärung der Wirkwelten bereits so weit gediehen ist, daß man
positivistisch gediegen von der "Verkörperung von Wirklichkeit''
sprechen kann (Maturana), ist dies ein markantes Zeichen dafür,
daß die Odyssee, die Reise um die Welt, langsam zu Ende geht,
spiralig gesteigert. Dann kommt gar die Zeit einer wiederkehrenden
Kreativierung der Intensität, spiralig gesteigert, perplex.
"Die vollendete Speculation führt zur Natur zurück", notierte
Novalis (Schriften, Bd.3, 403), will heißen: zur 'Traumzeit' als
der spiralförmig gesteigerten, verwundenen psychokinen Kultur.
Gewiß lautete
das Credo der europäisch-stratischen Kunstentwicklung immer noch:
Belehrung und Verwunderung erregen. Doch konnte dies kein Programm
für Unwahrscheinlichkeitssteigerung 'sachlicher' Zustände auf Erden
abgeben, wie es die unio von Systemtheorie und Weltkunst (nach ihrem
Ende) verkümmert deutet.[12] Es bleibt natürlich/kreatürlich
ein psychogymnastisches Programm, welches das 'Wunder' in 'Bewunderung'
seelisch ernstzunehmen gewillt war, bei allen "Dissonanzen,
Paradoxien, Zusammenbrüchen". Erstaunen und Entzücken, Zauber
der Welt im Gang eines stetigen Entzugs durch die Diaspora der symbolischen
arbiträren Verschiebungen hindurch gebärden.
Zurückgefragt:
aber was war das Problem
; Professor Luhmann
; die Kunst
ein 'Kommunikations'-Problem?
Je stärker das
Kulturale als Existenzial durch die penetrierenden Wissenschaften
aufgeklärt wurde, desto größere und kompliziertere Anstrengungen
mußten durch die Künstler aller Neu-Zeiten unternommen werden, das
existenziale Gewicht dieser xenopoietischen Gründe im Menschen zu
behaupten. Nicht nur die unter dem wuchernden Aufklärungsdruck schwindenden
Konturen des Kulturalen (das Manische, die mania) mußten mit den
Mitteln des zivilisatorischen Designs behauptet werden, auch und
gerade die Erzeugung unwahrscheinlicherer Aufnahmebereitschaft in
der gesellschaftlichen Umwelt; was langsam einem Prozeß zur Beschaffung
eines Existenzbeweises der seelischen Vermögen des Menschen gleichkam.
Das nötigte die Moderne Kunst auf eine extreme Weise zum ständigen
double-bind von Anstrengungen zum Werk als Passion; und ineins
konträr dazu von Anstrengungen zur Einwerbung von (sinkender)
Annahmebereitschaft in einer Welt, deren Unverständnis im Kulturalen
in eben dem Maße anwuchs wie ihre Klagen über den Verlust (
"der
Mitte", "des Körpers", des "Heiligen",
der "Utopien" etc. pp.). In diesem double-bind schien
lange Zeit die uneigentliche Seite von 'Kommunikation' (als publike
Akzeptenz-Streiterei!) zu obsiegen. Kunst konnte so, mit selektiver
Optik, letztlich gar den "symbolisch generalisierenden Kommunikationsmedien"
(Erfolgsmedien) zugeschlagen werden (Luhmann). Vor diesem Schicksal
weicht die Rekultivierung der Intensivistik raffinierter aus. Sie
bewegt sich erneut auf eine 'souveräne Singularität' zu, von der
sie wie ein Komet vom Planeten eingefangen wird.[13]
Posthistorisch gerät man kultural auch wieder auf Bahnen abseits
der Kommunikation. Die 'Kommunikation' in radikaler generativer
'UKW'-Form (Unternehmen, Können, Wissen) entzog alle von dar Kunst
gehüteten kreativ gestalterischen Kompetenzen, um sie zu eigenen
arbeitenden Rhetorik-Potentialen zu modeln. Die KommuniFIkation
(Fabrikation der Kommunikation) wird ab dato ihre eigene 'Kunst'.
"Eins,
zwei, drei, die Kunst ist frei" (Jean-Luc Godard); es winkt
ihr wiederum keine Autonomie, sondern die Kunst als Intensivik/Passion
wird frei zur erneuten Bindung an eine souveräne musische Singularität:
die Kreativität des Virtuellen. Das Ende der Kunst-Geschichte ist
nicht das Ende des Kulturalen, sondern der Anfang und Übergang in
eine neues, d.h. perplex wiederkehrendes existenziales 'Spiel in
der Notwendigkeit', Kultur der Psychokinesis.
Die letzte Hilfe
(dernier cris) der historisch ermatteten Aisthesis war: "Logik
und Leidenschaft" (die Intellektuellen der 'Historischen Anthropologie').
Die erste Hilfe der psychokinetischen Kultur ist: Kybernetik und
Intensität (die Intellektuellen der Chaosmischen Anthropologie und
der "Dritten Kultur").
Dies ist, nach
der spiralförmig höhergeschraubten zivilisatorischen Reise um die
Welt, nun evident: die wiederkehrende Kreativierung von Intensität
muß sich als Prozeß auf eine Prozessororganik stützen, die eine
Technologie des Lebendigen repräsentiert. Solche Technologie wird
nur von der vibrierenden Kybernetik von Viabilitätsorganen gestellt,
die als Kreatur zugleich offen sind (es geht nicht
nur um die operationale Geschlossenheit und funktionale Offenheit
von Systemen, sondern um kreatürliche Offenheit in der organistischen
Selbstbindung: das Zerebrale als überwölbende Spezialorganik des
Neuronalen ist zugleich kreatürlich offen. Es emergiert eine organistisch
offenen Kreatur, das sog. Bewußtsein, die sog. Empfindungen).
In die Nähe
einer Singularität geraten heißt alle ausdifferenzierten Vermögen
und/oder Kreatürlichkeitsebenen elliptisch zusammenzurren, so daß
die gestreute Komplexität in einem Sog, in einem Strom fluktuiert
(was nicht vereinheitlichen bedeutet). Dazu muß sich am Horizont
überhaupt wieder eine Singularität zeigen, an-zeigen und an-bahnen.
Und es muß ein Medium zur Verfügung stehen, das als message diesen
Prozeß der Fluktuation organisieren kann. Diese Bedingungen reifen
gegenwärtig erneut (in einem 'mikrokosmischen' Geschick): die radikalen
genetischen Forschungen stoßen auf unsere Viabilitätsorgane, auf
diesen vibrierenden Unterbau an viablen komplexen neurozerebralen
Systemen bis in die offenen Kreatürlichkeit des Bewußtseins
als System. Durch die radikal generativen immaterialen Technologien,
die bis in die 'Substanz'-Auflösung von Verfahrens-matériels-techné
(Algorithmen, Algomorphé) reichen, gelingen uns immer konziser die
lebend-technologischen Umcopierungen dieser Reghaftigkeits-Qualitäten
des neuronalen sizing von Vegetativität, Spuren des Erlebens. Mitter,
Transmitter an viabel-gestellten Netzmaschinen (Neuro-Medien, mind
machines) können die eu-dämonischen Spuren an Algorithmen/-rhythmen
adoptieren und an den synaptisch haptischen Eingängen der kreatureigenen
neuronalen Viabilitätsorganen re-mittieren. Diese Re-mission ist
sowohl Anlasser (choque) als auch Verstärker (tuner) von kreatur-
und/oder organismuseigenen eudämonischen, glückseligen Spurprozessen,
ist deren qualitative Potenzierung (die Trace). Dieser endokrine
Intensitätsprozeß läuft über die radikalen gymnastischen Qualitäten
der Lebewesen 'Mensch'.
Erneut ein glückseligkeitserheischender
Passionsprozeß, der sich weder an den Surrogaten der 'Kommunikation'
orientiert ('Literatur'/'Aufklärung',
) noch an denen der rhetorischen
Kommunion (Gebetsscharen
), sondern an den Tiefen der Ethik
(etymologisch: suedos = das Sich-Verlieren in den Tiefen der Singularität).
Mit dem Moment der Singularität kehrt eine Strömigkeit, ein phylum
wieder; im kulturalen Modus der Trace jedoch nicht als Fixation
und Anthropomorphie, nur/eben als wesentliche Flüchtigkeit, die
Passion des Fluxus. Auch ist diese Singularität nicht punktuell,
quasi das alte 'Einzige'; sie ist eine rigorose Strömungsebene,
die Konsistenzebene stetiger Ströme virtueller Prozesse bei ihrer
Abbindung in anthropomorphe Merklichkeit, in anthropomorphes Empfinden
(Zur-Welt-Kommen). Eine Begegnung des Bewußtseinssystems mit den
molekularen und quantenmechanischen Strömen seiner korrespondierenden
neuronalen Organisatoren im Neuronenmeer, und diese Begegnung als
Eroberung? Ganz gewiß nicht. Denn die Moleküle hängen ja zurück
ins Molare, in den diffusen strömenden, differenzzerfällenden Grund,
wo diese Singularität als hermetische Kreativität sich 'er-eignet
'. Das Molare, Meer der Kreativität aus sich bindender und sich
zerfällender Virtualität. Von dort geht Kreativität stetig aus.
Und dorthin sehnt sich Inbrunst, das Verlangen nach dem Lebnis von
Intensität ständig zurück. Muse-Prozesse. Musik des/dieses Absoluten,
das ständig rigoros(!) anwesend ist.
Muse im SYNTHESIZE,
in der SYNTH-Flut, nach dem Zeitalter der Kunst.
Vegetative neurozerebrale Verdichtungs-Transmissions-Kreise choquen
und tunen die endokrinen passionaren Intensitätsvermögen; Muse im
SYNTHE-size, in der SYNTH-Flut (Trace), in der alle geschlossenen
und offenen Kreatürlichkeitsebenen der Kreatur Mensch in die Nähe
der rigoros fluktuieranden Singularität geraten, die das Molare
ist, um den schrecklich-schönen Strom des KreaturSeins, der fluiden
Faktizität, der konvulsivischen Schönheit zu genießen (sisi, Professor
Luhmann: "Faktizität, Genuß
").
Man wird erneut
fragen: wozu? Und einwenden, es gäbe doch naheliegendere 'Probleme'
der Technologiebewältigung, auf die 'Kunst' instrumentell anzusetzen
wäre.
Unübersehbar, daß ähnlich wie "künstliche Intelligenz"
im kulturellen Feld eine "künstliche (Phäno-)Kunst"
weitermacht, in den verdinglichten Konstruktionen der sog. elektronischen
Medien und Apparate. Man laboriert dort an künstlichen Problemen
mit künstlicher Kunst. Man erprobt technisch simulativ Fiktionen,
die man zuvor technisch graphisch in die Welt gesetzt hat; teilweise
unter dem Aspekt des Entwerfens und Probehandelns von Zukunftsverhalten
(was schon in der "Literatur als Probehandeln" in den
70er Jahren akademische Letztzumutung gewesen war; cf. Dieter Wellershoff
u.a.). Dabei scheint es eher um eine freigestellte experimentelle
Planungskultur zu gehen, die mit den arbeitsbezogenen Entwurfswelten
kongruent geht (Computer-Simulationen, Modell-Rechnen, Design, Medical
Design etc.). Eine Welt- mit künstlichen Problemen bedarf immer
mehr einer künstlichen Kunst als Kunsthand- und Kunstgeistwerk
des :Verstandes.
Weitab von Exerzitien des menschlichen Gemütes, von den Künsten
der Seele.
Existenziell
ethisch wird die Passion aus der mediatisierten Intensität-als-Prozeß
hingegen gerade zum wichtigsten kulturalen Ereignis. Menschen mit
ihrem gewöhnlichen "Subjekt'-Wahn aus zivilisatorisch geordneter
Ichsucht erfahren sich dadurch wohltätig als unselbständige Lebewesen,
deren Eingeborensein in diesem phylum, im Stamm aus molarem Flux,
nie endet, deren Leben in jeder Sekunde buchstäblich/genstäblich
vom Walten einer rätselhaften xenopoietischen Kraft abhängt, die
eine Konsistenz über alle Differenzen und Elemente des Daseins herstellt.
Wo das menschliche Gemüt in die Nähe einer solchen Singularität
gelangt, erfährt es seine originäre, passiv-kreatürliche Ähn-Lichkeit
mit allem gleichartigen Leben um es herum. Es begegnet dieser Kraft
der Muse als Schöpfungsgrund seines Kreaturseins. Diese Begegnung
macht diskret, sie besänftigt das Gemüt. Und die so gewonnene Sanft-Mütigkeit
des Gemüts wird zur Quelle der sozietiven Sittlichkeit, einer Kultur.
Aus der Erfahrung dieser existenzialen Ethik (suedos; Singularitäts-Erfahrung)
erst läßt sich sozietive "KybernEthik" formulieren, welche
Konstruktivisten forsch als Eigenprodukt der Welt zudiktieren möchten
(Cf. Heinz von Foerster, KybernEthik, Berlin 1990).
Die Lehre fiele
passiv aus, passionar, da sie aus der Passion dieses neuen und unerhörten
'Cyber-Totemisnus' kommt: sich im freien Fall zusammennehmen; eine
Ethik für eine kommende 'Weltgesellschaft' des offenen Fließgleichgewichts.[14]
Die Künste des
Übergangs zu den psychokinen Praktiken der SYNTH-Flut focussieren
erneut die Passion als das eigentliche Agencement für die
existenziale Erfahrung (Kinesis der Existenz). Sie entziehen sich
wieder der endmodernen Verlegenheit, die Lebnisseite des Kulturalen
durch 'Kommunikation' (KommuniFIkation) überwuchern zu lassen, was
nur in die Zone der Klinisierung führen würde.
Wenn Passionen
greifen sollen, muß indessen auch wieder kommuniziert werden. Von
der Notwendigkeit, immer mehr Annahmebereitschaft für dies kulturale
Exerzitium 'politisch' herzustellen, wird Kultur / cultural engineering
nicht entlassen. Es ist dies die eigen-artige Kommunikation von
'Theorie'
der Kuratoren einer 'nuklear' wiederkehrenden Kultur,
Kulturanthropologie.
Endnoten
- SYNTHE-size
= die artifizielle Konstruktion von Kreativität, welche die abstrakt-künstliche
Dimension überwindet, dieses Symbolische, und ins Organonische
eintritt. "Der Synthesizer hat mit seiner Konsistenz-Operation
die Position der Begründung im synthetischen Urteil a priori eingenommen."
(Gilles Deleuze, Felix Guattari, Tausend Plateaus, Berlin 1992,
469). Wenn also schon die Philosophie sich nach dem Synthesizer
sehnt, "um das Denken reisen zu lassen
" (ebenda),
- Concept-Art
etwa wird fast nur von Museen gesammelt, aus einem professionellen
Dokumentarinteresse heraus: Erhaltung und Dokumentation/Klassifikation
von 'Spezies' und 'Arten' (im kulturellen Artenzoo
)
- 'Idiolekte'
sind wie 'Idiosynkrasien' civiliter nicht mehr gestaltungsfähig.
Autismus droht. "Individuelle Mythologien" am Ende des
20. Jhdts. markieren lediglich das Ende der ästhetischen Varia.
- N. Luhmann,
Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie, Frankfurt
1987, 97. Luhmann parallelisiert seinen Term "Sinn"
zu Batesons "mind", will sich aber auf dessen "ecology
of mind" ( =Kultur(isation)) nicht einlassen. A.a.O. Anm.
11.
- In gehobener
Version des 'Künstlerfürsten' (seit dem Dandy, seit S. George
und F. Chopin bis Max Reinhard) überflügelt die Zweitcodierung
der Kunst auf eine luxuriöse Weise die primäre. Wie Macht oder
Geld wird Kunst zum "Transaktionsmedium" ( Luhmann,
a.a.O., 376), in dem statt Geld usf. 'personality' ausgegeben
wird zum alleinigen Ruhme des Künstlers: die Fetischisierung
des Namens, des Autors, des Künstlerfürsten; was in der Hochzeit
des modernen 'Schaffens' noch obsolet war, als die Person noch
hinter dem Werk diskret zurückstand (von Cezanne bis Rothko, von
Rilke, Kafka, Musil bis Beckett, von Webern, Berg, Debussy bis
Hindemith u.a.)
- Am Ende ihrer
emphatischen Kräfte beginnen die 'geistig-phänomenischen' Künste
mit dem krisenhaften Autismus von 'Selbstuntersuchung'. Die Conceptart
startet noch damit, wenigstens selbstsubstitutive Ordnungen des
Werkprozesses zu veranschlagen. Doch dann kreist alles nur noch
um Selbst-Recherche mit melancholischen Untertönen, in
ewigen Schachstellungen eines Schachspiels, was Systemtheoretiker
nur zu gut verstehen/goutieren: "Die moderne Kunst läßt sich
nur verstehen, wenn man erkennt, wie die Künstler ihre Mittel
einsetzen, das heißt, wie sie beobachten, was sie tun" (N.
Luhmann, a.a.O., 374). Offenbar ist dann die einzige Sorge, daß
nichts 'inflationiert', daß der Schwierigkeitsgrad von Selbstproblematisierung
nicht verfällt. Und dieses Können tritt dann an die Stelle von
'Kunst'. (Cf. Luhmann, a.a.O., 385, 353ff.)
- Für die ganze
Phase der sog. konstruktiven, konkreten und strukturalen Kunst
der Nachkriegszeit kann man zeigen, daß Künstler im Wesentlichen
philosophisch verkümmerte 'Darstellungsprobleme' bearbeitet haben,
die ihnen von den 'Analysten' vorgelegt worden sind. Dies gilt
für die 'Paare' Bense und Bill, Adorno und Henze etc., für die
sog. Kinetik und Op-Art ebenso wie für Pop (der Diskurs über Trivialästhetik
provoziert ihre popartistische Überhöhung), für den Theaterdiskurs/Theaterpraxis
(Schechner und Performance) wie für die Sozialtheorie (Ethnologie
und 'Weltmusik' u. dgl.). Diese Beziehung hat sich so verdichtet,
daß unentscheidbar wird, welche facon eigentlich die größere Problematisierungsprägnanz
besitzt: ist die 'Kritik' einer Ausstellung die kunsthaftere Sezierung
oder ist das Kunstwerk die intellektuellere Exposition eines 'Problems'?!
Nur, wo liegt das Problem? Welcher Anlaß noch für Kunst?
In dem Moment, wo sich gar das Design für generative Begriffsbildung
("Bildgebungsverfahren") und die Poiesis für Begriffe
selbst vermengen (Computing), ist die theoretische Problematisierung
im Prozeßwerk ohne Kunst beschlossene Sache. Ein Starterparadox
für fruchtbare Entparadoxierung?
- Daß sie gegen
den Klinismus des radikalpositivistischen Konstruktivismus heute
vorgingen, wäre billig, denn dieser ist durch die Dekonstruktion
(und/oder eine Devianzanalyse/Deleuze u.a.) in seinen Defiziten
hinreichend markiert worden. Daß sie nun dekonstruktivistische
Konzepte 'überholen' könnten, ist unmöglich. Dies würde sie nur
gänzlich aufheben.
- Dieses Insistieren
auf der eigenen 'Notwendigkeit' in einer Welt, die diese ständig
erfolgreich zu dis-kriminieren versucht, betrachtet auch Luhmann
als Zug der Kunst. Was er im Blick hat, ist aber das freigestellte,
ledig gewordene Privatspiel von 'Weltkunst'. Über dieses Set hinaus
scheint Luhmann aber keine Erfahrung mit Künsten zu haben. Daß
es eine existenziale Dimension gibt, in der Notwendigkeit als
existenziale Dringlichkeit, als das Heftige, als Konvulsivisches
durchlebt und in die Poren der Zivilwelt getragen werden will,
steht offenkundig außerhalb der Welt eines Kommunikationstheoretikers.
Fehlanzeige von 'Sein oder Nichtsein' in der Systemtheorie.
- Der Traum
in Borges' "Ragnarök" endet mit dem fröhlichen Erschießen
der Götter in der geisteswissenschaftlichen Fakultät der alma
mater (ebenda, 199). Dies genügte vorerst, um nicht auf neue Gespenster
zu warten.
- N. Luhmann,
Soziale Systeme, a.a.O., 97: "Genuß, Faktizität, Existenz"
seien die Titel einer Erfahrung jenseits von Sinn. Bon. Jedoch:
man muß es nicht nur begreifen, man muß es auch zulassen, kultivieren
statt isolieren!
- N. Luhmann,
Die Kunst der Gesellschaft, Frankfurt 1995. Zuletzt wieder in:
Gesellschaft der Gesellschaft, Bd. l, bes. 351ff.
- Retrospektiv
läßt sich gerade jetzt, durch die Einsichten des Radikalen Konstruktivismus
und der Dekonstruktion sagen, daß die Moderne Kunst als Höchstform
dieses double-bind eben nur Meto-Nymien hervorgebracht hat und
keine 'selbstverfügenden Werke'. Selbstverfügung ist auch in der
Lebensweise der "Bürger" eine Chimäre. Die Autonomie
des Subjekts konnte phantasiert werden, weil man entdeckte, daß
man als psychisches System von anderen psychischen Systemen nicht
abhängen mußte. Man hatte jedoch übersehen, daß man immer von
sozialen Systemen abhängig ist. Eine conditio sine qua non, die
auf dem Feld der Kunst gerade die Schärfe dieses double-bind provozierte.
Für das Weitermachen nach dem Ende der Macht der Phänokunst gilt
nun wirklich Luhmanns Satz:" Das Kunstwerk imitiert nichts,
leistet nichts, beweist nichts. Es führt vor, daß und wie die
Beliebigkeit des Anfangens sich selber einfängt und aufhebt
"
(Gesellschaft der Gesellschaft Bd. l, a.a.O., 354.)
- Daß cultural
cybernetics in den (Ab-)gründen mit der äußerst raffinierten Wiederkehr
von Totemismus zu tun hat, darauf verwies erstmalig hellsichtig
G. Bateson; ebenso auf die Bedeutung einer Wiederkehr von nicht-schismogenen
Zivilisationsweisen im Fließgleichgewicht, die am Ende der stratifikatorischen
Geschichte als Evolutionssaum auftauchen ("ecology of mind").
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