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Ankündigung #15


Liebe Freund*innen,

im April freuen wir uns auf den Start von zwei neuen Veranstaltungsreihen. Unter dem Titel "Symbiose" findet der erste Workshoptag der Reihe "Observing Strange Attractors" in der x-embassy statt. Außerdem beginnen wir die Reihe "Vorstellen vor Herstellen? Krisen und Potentiale einer kritischen Imagination" mit einer offenen Diskussion mit Hans-Christian Dany. Kommt vorbei!

 

Symbiose
Erster Workshoptag im Rahmen der Reihe „Observing Strange Attractors“


13.04.2019 // 14:00 - 20:00 // x-embassy, Grabbeallee 34-40, 13156 Berlin

Zur Anmeldung für den Workshop, schreibt bitte eine kurze E-Mail an info@texture.works

Die Endosymbiontentheorie (altgriechisch endo=innen und symbiōsis=Zusammenleben) besagt, dass Eukaryoten (Zellen mit Zellkern) durch die symbiotische Verschmelzung von prokaryotischen Organismen (zelluläre Lebewesen ohne Zellkern) entstanden sind. Vereinfacht gesagt, haben Prokaryoten andere Prokaryoten aufgenommen, ohne diese jedoch zu verdauen. Vielmehr lebten diese im Inneren der anderen Prokaryoten weiter und wurden dadurch zu Endosymbionten. Zellorganellen wie die Mitochondrien tragen auch heute noch viele Merkmale von Prokaryoten in sich. Komplexe pflanzliche, tierische und auch menschliche Zellen sind demnach aus dieser Symbiogenese hervorgegangen. Eine bedeutende Vertreterin dieser Theorie ist Lynn Margulis. Obwohl Margulis‘ Interpretation der Endosymbiontentheorie lange Zeit im biologischen Wissenschaftsfeld belächelt wurde, ist die Theorie in der Biologie mittlerweile anerkannt. Was diese Theorie ausmacht, ist ihre Neuformulierung von evolutionären Prozessen, die das darwinistische Evolutionsparadigma nicht negieren, sondern ergänzen. Stehen in neo-darwinistischen Theorien Wettbewerb und survival of the fittest an vorderster Stelle, ist es bei Margulis die Symbiose, das Zusammenleben, welche das Leben überhaupt definiert. Damit diente Margulis als Inspiration für Wissenschaftlerinnen wie Myra Hird, Luciana Parisi oder Donna Haraway, welche die Endosymbiontentheorie nutzen, um andere Verständnisse von Geschlecht, Subjektivität und Identität vorzuschlagen. Ihre Adaptionen verstehen Körper auf der materiellen Ebene als heterogenes Resultat fortdauernder Symbiosen.

Im Kontext dieses Themenkomplexes bewegt sich der Workshoptag „Symbiose“, dessen Leitfrage sein wird: Was verstehen wir unter Symbiosen und wie können wir Formen der Symbiose kultivieren und erproben? Einer kurzen Einführung in die Symbiogenese folgt ein performatives Element, welches sich mit der Vernetzung von Sinnen auseinandersetzt. Anschließend wird es eine Lecture Performance geben, welche die Möglichkeiten einer Kartografie von Flechten experimentell erforscht. Damit unternehmen wir den Versuch, das Verständnis von Symbiose in verschiedene Richtungen zu öffnen und für andersartige Lesarten des Begriffs brauchbar zu machen. Diese Perspektiven sollen gemeinsam erörtert und hinterfragt werden.



Veranstaltung auf Facebook
Mehr Informationen auf unserer Website
 

Kritische Imagination & Kybernetik (mit Hans-Christian Dany)
Gespräch und Diskussion


25.04.2019 // 19:00 // Manteuffelstraße 20, 10997 Berlin
(Evtl. wird die Veranstaltung noch an einen anderen Ort verlegt. Änderungen werden auf Facebook und auf unserer Website rechtzeitig bekannt gegeben.)

Auftakt der Gesprächsreihe „Vorstellung vor Herstellung? Krisen und Potentiale einer kritischen Imagination“

Die Phantasie ist nicht nur Organ (oder Medium) künstlerischer Tätigkeit, sondern auch politischer und gesellschaftlicher Prozesse. In ihr werden Visionen, Strategien und neue Realitäten vorgestellt, montiert und konstruiert. Im 21. Jahrhundert scheint sich eine in diesem Sinne politische Phantasie in mannigfaltigen Krisen zu befinden, die sich von denen des vorherigen Jahrhunderts unterscheiden. Mark Fisher bringt dies pointiert zur Sprache, wenn er mit Bezug auf Bifo Berardi vom kapitalistischen Realismus als einer „Aushöhlung der gesellschaftlichen Vorstellungskraft“ spricht. Doch gerade angesichts einer immer reibungsloseren (bzw. die Reibung integrierenden) kybernetischen Kontrolle und Steuerung der Gesellschaft und angesichts jenes Realismus, der die kapitalistische Funktionsweise mehr denn je als naturwüchsige und somit im Kern als vermeintlich unveränderbare Formation setzt, sind auch die Fragen nach der Phantasie drängend. Muss die Vor-Stellung der Her-Stellung einer nicht-kapitalistischen, feministischen, nicht-rassistischen Gesellschaft avantgardistisch vorausgehen oder verhindert sie als gutgemeinte Träumerei die politische Praxis? Was kann eine kollektive kritische Imagination bedeuten, wenn das Konzept von ausformulierten Utopien nicht mehr zeitgemäß erscheint? In welche Funktions- und Reproduktionsweisen, die den Status quo stabilisieren und erhalten, ist die Phantasie heute eingebunden und mittels welcher Modi und Methoden ließe sie sich aus diesen wieder herauslösen, um ihr kritisches Potential zu (re-)aktivieren?

Diesen Fragen soll in einer Reihe von offenen Gesprächsformaten nachgegangen werden. Es soll um die Phantasie als Organ neoliberaler und sozialdarwinistischer Tagträume gehen, um die Flexibilisierung und Optimierung des unternehmerischen Selbst, um Photoshop-Norm-Körper, die der Phantasie der angeschlossenen Beauty- und Fitnessindustrien entspringen, um Mode, Achtsamkeit oder Bio-Fairtrade-Ernährung, um das Gespenstische, das Seltsame, das Monströse oder Idiotische als mögliche Modi einer anderen Phantasie, um das Cutting-Up des Ganzen, um Montage, Collage, Destruktion und Konstruktion.

Zum Auftakt der Reihe werden wir den Künstler und Schriftsteller Hans-Christian Dany zu Gast haben. Danys spekulative Gesellschaftsanalyse versucht, von Deleuzes „Kontrollgesellschaft“ und Tiqquns „Kybernetischer Hypothese“ aus weiterzudenken. Seine Bücher sind für die Fragen der Phantasie nicht nur auf inhaltlicher Ebene, sondern in ihrer Verknüpfung von Theorie, Fiktion, Traumbild und Autobiographie auch auf der Ebene der Form anregend. Wir wollen mit ihm unter anderem darüber diskutieren, welche konstitutiv-stabilisierende Rolle die Vorstellungskraft in kybernetischen Gesellschaften spielt, wie Geschwindigkeits- und Zeitvorstellungen mit Phantasie verknüpft sind und inwiefern sich die Gegenposition des Idioten auch auf eine kollektive Imagination anwenden ließe.

Veranstaltung auf Facebook / Website
 

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Vertrauen
Zweiter Workshoptag im Rahmen der Reihe „Observing Strange Attractors“


04.05.2019 // 14:00 - 20:00 // x-embassy, Grabbeallee 34-40, 13156 Berlin
 
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